Ein im Frühjahr erschienener Suhrkamp-Band versammelt Gespräche mit Experten aus Biologie und Nanotechnologie, Neurologie und Computerwissenschaft zur Frage, inwieweit es der Wissenschaft schon bald gelingen könnte, Altern und Tod zu überwinden. Veranstaltungen mit den beiden Autoren finden am 9. September und 7. Januar in Berlin statt, am 5. Oktober in Köln und am 27. Januar in Dresden. Mehr dazu auf einer Unterseite der Verlagshomepage.
Vom 17. bis zum 25. August findet im CineMaxX am Potsdamer Platz sowie im CineStar Sony Center wieder das Fantasy Film Fest statt. Mit über 50 Produktionen aus unterschiedlichen Regionen der Welt gewährt es einen breiten Einblick in ein faszinierendes Genre. Das Filmfestival startet zeitversetzt auch in anderen Städten, so z.B. in Hamburg ab dem 18.8., Köln und Frankfurt ab dem 25.8. oder Stuttgart ab dem 1.9.2010.
"Schwäne, Zebrafinken, Schwertwale - Biologen haben fast alle Tierarten schon beim Seitensprung ertappt. Und im Erbgut des Menschen sind Polygamie-Gene ans Licht gekommen. Taugen wir nicht zur Treue?" Ein Artikel in der September-Ausgabe der 'Bild der Wissenschaft' untersucht die biologischen Wurzeln der Sexualität und ist davon "verblüfft", wie weit verbreitet die Polygamie ist. (Der Link führt nur zum Inhaltsverzeichnis.)
In der September-Ausgabe des linken Polit-Magazins 'konkret' wird die Polyamory-Debatte fortgesetzt. Autorin Tina Klopp greift dabei nicht nur die konventionelle Zweisamkeitsmoral an - siehe Überschrift - sondern grenzt sich auch von einer überzogenen politischen Überfrachtung innerhalb der Polyamory-Bewegung ab. Im Interview bezeichnet der schwule Filmemacher Bruce LaBruce Pornostars als "die letzten Revolutionäre". Ein weiterer Artikel reflektiert die tiefere Verwandtschaft der beiden Filme 'Inception' und 'Shutter Island'. (Der Link führt nur zum Inhaltsverzeichnis des September-Hefts.)
"Männer reagieren vor allem auf sexuelle Untreue eifersüchtig, während Frauen eher emotionales Fremdgehen fürchten - so die gängige Theorie von Evolutionsbiologen. Doch in letzter Zeit mehren sich Studien, die zeigen: Männer und Frauen unterscheiden sich gar nicht so stark in ihrer Eifersucht." Dieser Artikel aus der September-Ausgabe von 'Gehirn & Geist' ist via Spiegel-Online frei im Netz verfügbar. Ebenfalls von Spiegel-Online bereitgestellt: der Text über den Zusammenhang von Persönlichkeit und Musikgeschmack, siehe den KitKat-Pressespiegel vom 17.8., Rubrik Wissenschaft.
Im aktuellen Heft 3/2010 der vierteljährlich erscheinenenden 'Missy Magazine', dem feministischen Pop-Magazin für junge Frauen, gibt ein Artikel eine Übersicht über aktuelle erotische Romane, die sich speziell an die weibliche Leserin richten. Im großen und ganzen kommen diese Veröffentlichungen eher schlecht weg, da sie zu viele Klischees beinhalten, aber es werden auch ein paar interessante Ausnahmen erwähnt, inbesondere die Bücher von Sophie Andresky. (Der Link führt nur zum Inhaltsverzeichnis.)
Homepage der Porno-Autorin, deren Kurzgeschichten auch in dem 990-seitigen Sammelband 'Mein Harem' erschienen sind, den es im 2001-Verlag gibt: "Natürlich kann man auch bei so einem Monsterschinken die Fickprobe machen, wie ich es immer tue, wenn ich selbst ein erotisches Buch kaufe: an fünf verschiedenen Stellen aufschlagen, und wenn da kein Sex vorkommt, taugt das Buch nichts." (Sophie Andresky)
Nachtrag: Schon in der Juli-Ausgabe der populärwissenschaftlichen Zeitschrift P.M. erschien ein Artikel zur Geschichte und vor allem zu den mittelalterlichen Ursprüngen des Zölibats. Der Text kann zwar nur gegen eine Gebühr von 60 Cent im Netz eingesehen werden, allerdings findet man auf der P.M.-Homepage einen weiterführenden Link zu einer Seite, die die innerkatholischen bzw. theologischen Begründungen für den Zölibat sehr ausführlich erläutert.
Im Titelschwerpunkt der aktuellen Ausgabe Nr. 111 der 'Schlagzeilen', des zweimonatlich erscheinenden BDSM-Magazins, geht es diesmal um unser Kopfkino, das mittels erotischer Phantasien bestimmte Erwartungshaltungen produziert und provoziert. Dazu wie immer mit "geilen Geschichten, spannenden Kolumnen, heißen Bildern, Gruppen, Terminen, Kontaktanzeigen und dem zusätzlichen Schwerpunkt des Sklavenzentralen-Magazins, diesmal über "Mega-Doms"." Der Link führt nur zum Inhaltsverzeichnis des Heftes. Ab 12. August im Handel.
New Orleans nach dem Hurrikan Katrina: Der drogensüchtige und korrupte Polizist Terence McDonagh wird auf den Drogendealer Big Fate angesetzt. Dabei überschreitet er nicht nur die Grenzen der Legalität sondern driftet auch zunehmend ab in seinen persönlichen Wahn... Remake des Kult-Klassikers von Abel Ferrara aus dem Jahre 1992 und ungewöhnliche Genrewahl für Filmemacher Werner Herzog, der dem Stoff nur partiell seinen eigenen Stempel aufdrücken kann.
Weitere DVD-Empfehlungen: siehe die Unterseite mit den TV-Tips, rechte Spalte. Klick den Link!
"Die Projekte, mit denen Christo und Jeanne-Claude bekannt wurden, haben immer wieder gezeigt: aus Visionen, deren Realisierungen scheinbar unmöglich erscheinen, wird Wirklichkeit, die zeigt, dass sich die Grenzen des Machbaren immer weiter verschieben lassen." Zum Gedenken an Jeanne-Claude, die letzten November verstarb, ist im Brühler Max Ernst-Museum eine breite Werkschau mit Arbeiten der beiden Verhüllungskünstler zu sehen. Noch bis zum 26. September 2010.
Das Kölner Museum Ludwig zeigt in rund 100 Exponaten, wie Pop Art-Künstler Roy Liechtenstein sich mit verschiedenen Stilrichtungen aus Vergangenheit und Gegenwart in seinen Arbeiten auseinandergesetzt hat: "Werke und stilistische Eigenarten von Künstlerheroen wie Monet, Matisse, Mondrian und Dalí tauchen als Themen und Versatzstücke auf, von Lichtenstein gleichermaßen ironisch wie meisterhaft in seiner eigenen Bildsprache interpretiert. Auch Picasso erscheint in diesen Verarbeitungen in völlig neuem Licht, wird zum Pseudo-Comic, der das klischeehafte Bild des Künstlers spiegelt." Die Ausstellung läuft bis zum 3. Oktober 2010.
Leuchtende Farben, zerfliessende Formen, gemaltes Gefühl: Mit seinem unverwechselbaren Stil wurde William Turner (1775-1851) zu einem Vorläufer des Impressionismus. Im Pariser Grand Palais ist noch bis zum 24. Mai die große Schau mit Werken von ihm zu sehen, die normalerweise nur in der Londoner Tate-Galerie ausgestellt sind. Außerdem: Bilder von früheren Meistern, die ihn stark beeinflusst haben. Ab dem 22. Juni wandert die Ausstellung dann bis zum 19. September weiter in den Madrider Prado.
Ein Bankräuber wird nach 20 Jahren aus der Haft entlassen. Er hat nur noch ein Ziel vor Augen: Rache an dem Polizisten, der ihn damals verhaftet hat... Letzter Fall für Kommissarin Charlotte Sänger alias Andrea Sawatzki, die für diese populäre Rolle seit 2001 vor der Kamera stand.
Homer Simpson begeht eine gute Tat - und löst das totale Chaos aus... „Die gelbe Gefahr" weiter auf dem Vormarsch! Die beliebte Comicserie ist nach 18 Jahren und über 400 TV-Folgen auch in Spielfilmlänge ein voller Erfolg.
Dominic "Dom" Cobb besitzt eine ungewöhnliche Gabe: Er kann sich in die Träume von anderen Menschen einklinken und ihre Trauminhalte mitverfolgen. Normalerweise benutzt er diese Fähigkeit nur zur Wirtschaftsspionage, doch als er eines Tages des Mordes an seiner Frau beschuldigt wird, soll er das Unterbewußtsein einer bestimmten Person gezielt manipulieren...Surreale Räume, verzerrte Blickwinkel, veränderte Perspektiven: 'Inception' nutzt virtuos die formalen Mittel des Kinos und des Science Fiction-Action-Genres und schickt die Zuschauer auf einen grandiosen visuellen Trip, erzählt gleichzeitig aber auch eine intelligente Geschichte. Was ist real, was ist (Wunsch- oder Alp-)Traum, was ist Wirklichkeit überhaupt, im philosophischen oder existentiellen Sinne? Schon der Titel ist vieldeutig und lässt sich nur schwer ins Deutsche übersetzen: steht er hier für Einführung oder Eingebung, Begründung oder Einpflanzung? Die teils atemberaubenden Special Effects sind dabei der Story untergeordnet, die auf verschiedenen ineinander verschachtelten Ebenen entwickelt wird, und kein reiner Selbstzweck wie in so vielen anderen zeitgenössischen Hollywood-Blockbustern. Regisseur Christopher Nolan hat zehn Jahre auf diesen Film hingearbeitet und besass nach dem Riesenerfolg von 'The Dark Knight' Narrenfreiheit bei seinen Geldgebern für ein Projekt jenseits konventioneller Stoffe, üblicher Dramaturgien oder Mainstream-Erwartungen. Sein Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio dagegen entfernt sich mit jeder neuen Rolle immer weiter vom eher ungeliebten Image des romantischen jungen Liebhabers aus 'Titanic' und überzeugt auch hier wieder als ernsthafter Schauspieler (wie z.B. schon in 'Gangs of New York', 'Departed' oder zuletzt in 'Shutter Island').'Inception' wird von seiner Thematik her öfters mit der Matrix-Triologie verglichen oder auch mit Spielbergs 'Minority Report', während andere sich auf Grund der visuellen Ästhetik sogar an Kubricks '2001 - Odysee im Weltall' erinnert fühlen! Ist er also tatsächlich einer der besten drei Filme aller Zeiten, wie manche Kritiker schon jubeln oder gilt doch eher, was Rüdiger Suchsland in seiner Telepolis-Online-Besprechung schrieb: "Ob das alles wirklich Sinn ergibt? Ob das Konstrukt wenigstens innerhalb der Filmlogik aufgeht? Das kümmert nicht, solange die Bilder bezaubern und fesseln." Diese Bilder schaut man sich am besten wohl auf der großen Leinwand an, denn für die große Leinwand sind sie auch gemacht...
Originaltitel: InceptionRegie: Christopher NolanLänge: 148 (min)Darsteller: Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Marion Cotillard, Michael Caine...Produktionsort: USAProduktionsjahr: 2010Startdatum: 29.07.2010
Die Welt im Jahre 2092: Der 120-jährige Nemo Nobody ist der letzte sterbliche Mensch in einer Welt, die das Geheimnis der ewigen Jugend entdeckt hat. Seine Todesstunden werden von Wissenschaftlern beobachtet und von Kameras auf große Leinwände übertragen. Als sich ein Journalist zu ihm schleicht, um ihn über sein Leben zu befragen, fängt Nobody an zu erzählen..."Ein Mann ohne Eigenschaften... aber er hat sie ALLE!" heißt es an einer Stelle von Robert Musils berühmtem aber weithin ungelesenem Jahrhundertroman 'Der Mann ohne Eigenschaften', um den dialektischen Umschlag jener Identitätseskalationen auf den Punkt zu bringen, wenn sich ein Mensch nicht mehr auf ein-eindeutige Charaktermerkmale festlegen lassen will. Der Mann "ohne Eigenschaften" wird darin als ein Mensch beschrieben, der den Möglichkeitssinn über den Wirklichkeitssinn stellt, also die dynamische Potentialität möglicher Entwicklungen und visionärer Zukünfte über den engen Käfig einer vorgegebenen und starren Wirklichkeit. 'Mr. Nobody' des belgischen Regisseurs Jaco Van Dormael ('Toto, der Held', 'Am achten Tag') erscheint beinahe wie eine filmische Illustration zum Kernthema von Musils Werk, wenn er ein vielfältig-komplexes Netzwerk möglicher Vergangenheiten, Zukünfte und Identitätsentwürfe im Leben seines Protagonisten aufspannt. Denn Van Dormael lässt seinen Helden im Rückblick nicht nur ein sondern mehrere ja viele Leben leben angesichts unterschiedlicher Entscheidungsmöglichkeiten an bestimmten Stationen von Nobodys Biographie. 'Mr. Nobody' muß man nur von seiner Ausgangskonstellation und Rahmenhandlung her dem Science Fiction-Genre zuordnen, während es sich im Kern mehr um eine romantische Liebesgeschichte bzw. um ein berührendes Seelendrama handelt, das auch die formalen Möglichkeiten der Gattung Film auslotet. Die Hauptfigur ist auf der Suche nach dem tieferen Sinn, nach kohärenter Geschlossenheit, nach Bedeutung im Leben, wobei die angebotene Antwort des Filmemachers eher etwas konventionell ausfällt. Diese Antwort findet sich auch in Musils Roman (der passenderweise unvollendet geblieben ist), freilich in einer unerhört zugespitzten Form, die an dieser Stelle nicht weiter charakterisiert werden muß und im Buch u.a. unter dem Begriff "der andere Zustand" firmiert: "Die Menschen haben keine Ahnung, wie man schon denken kann; wenn man sie neu denken lehren könnte, würden sie auch anders leben." (Kapitel 11) Es könnte sein, daß all die berauschenden ästhetischen Möglichkeiten auch des anspruchsvolleren Kinos doch noch hinter den erkenntnisfördernden Mitteln großer Literatur zurückbleiben...
Originaltitel: Mr. NobodyRegie: Jaco Van DormaelLänge: 138 (min)Darsteller: Jared Leto, Sarah Polley, Toby Regbo...Produktionsort: Belgien/Deutschland/Frankreich/KanadaProduktionsjahr: 2009Startdatum: 8.7.2010
Cartoonist und Karikaturist Ralf König, der Schöpfer von so populären Geschichten wie z.B. 'Kondom des Grauens', 'Der bewegte Mann' oder 'Wie die Karnickel', wird 50. Aus diesem Anlass ehrt ihn das Berliner Schwule Museum mit einer Ausstellung, die die ganze Breite seines Schaffens abdeckt:"Seit Jahrzehnten sind die Knollennasen Wegbegleiter der Schwulen, sie leiden und tucken, sie feiern und vögeln, sie trauern und altern mit ihnen. Sein Bild der Schwulenszene als Mittelpunkt des Universums, um das ein paar tragische Frauengestalten und dumpfe Hetero-Männer wie Trabanten kreisen, hat Generationen von Schwulen und Lesben nicht nur Spaß sondern auch Mut gemacht." (Ausstellungstext)Königs Bücher und Comicserien wurden laut Wikipedia bislang in 15 Sprachen übersetzt und erzielen eine Gesamtauflage von fast sieben Millionen Exemplaren. Damit ist er heute der weltweit populärste Autor explizit schwuler Geschichten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. Oktober und gibt Antworten auf so existentielle Fragen wie: "Wo finden sich die Objekte der Begierde, welche Rolle spielen Frauen und Haustiere, wie steht es um die Religion oder um den alten Streit zwischen Tunten und Lederkerlen?"Mehringdamm 61, 10961 Berlin. Täglich 14-18 Uhr, Sa bis 19 Uhr. Di geschlossen. Eintritt 5,00 Euro, ermässigt 3,00.
"Alice Springs" ist der Künstlername von June Newton, der Witwe von Erotikfotograf Helmut Newton, die ein eigenes Profil als Fotokünstlerin entwickelte. Am Anfang ihrer Karriere im Jahr 1970 stand eine schwere Grippe ihres Mannes. Sie sprang kurz entschlossen für ihn ein und übernahm die Aufnahmen einer Werbekampagne für eine französische Zigarettenmarke. Im Laufe der Jahre folgten viele weitere Werbe- und Modebilder, Starporträts und Aktaufnahmen, deren Stil sich von dem ihres Mannes unterschied:"Alice Springs dokumentiert nicht allein das Aussehen der Prominenten oder der namenlosen Zeitgenossen, sondern fängt deren Ausstrahlung, mitunter deren Aura ein. Möglicherweise hilft ihr die tiefe Kenntnis des Schauspiels, gleichzeitig auf und hinter die Fassade des Menschlichen zu schauen. Ihre Bildnisse werden so zu visuellen Kommentaren, zu Interpretationen der Dargestellten." (Ausstellungstext)Die Berliner Helmut Newton Stiftung präsentiert nun erstmals eine umfassende Retrospektive ihrer Arbeiten. Zu sehen sind rund 250 Fotografien, die alle Bereiche und Facetten ihres Werkes dokumentieren.Jebenstrasse 2, 10623 Berlin, direkt hinter dem Bahnhof Zoo. Di-So 10-18 Uhr, Do bis 22 Uhr. Eintritt 8,00 Euro, ermässigt 4,00, Do ab 18 Uhr freier Eintritt.
Die 1952 geborene französische Fotographin Bettina Rheims legt nach 'Shanghai' aus dem Jahr 2004 mit 'Rose c'est Paris' einen weiteren Bildband vor, der sich thematisch mit einer Stadt - und diesmal mit ihrer Heimatstadt - verbindet. Und wieder zeichnet dabei Serge Bramly, einer ihrer Ex-Ehemänner, als Co-Autor mitverantwortlich, mit dem sie eine langjährige Freundschafts- und Arbeitsbeziehung verbindet. Bettina Rheims wird von vielen als die bedeutendste Erotikfotographin der Gegenwart angesehen. Ihr erster Bildband 'Female Trouble' erschien bereits 1992, während sie insbesondere mit dem Band 'Chambre Close' aus dem Folgejahr eine breite internationale Aufmerksamkeit erfuhr. Rheims Vorliebe und Faszination für den weiblichen Körper oder die Art ihrer Inszenierungen, in denen Frauen nicht selten als so verführerische wie selbstbewußte Lustobjekte dargestellt werden, wurden oft mit Helmut Newton verglichen und provozierten dementsprechend einen ähnlichen Dauerkonflikt mit bestimmten Abteilungen des modernen Feminismus. Zu ihren Arbeiten gehören aber auch Porträts prominenter Persönlichkeiten, Aufträge für Plattencover oder die Werbung oder z.B. die aufsehenerregende und umstrittene Fotoserie I.N.R.I. aus dem Jahr 1999, wo sie in 200 Bildern Szenen aus dem Leben Jesu Christi nachstellte.In ihrem neuesten Werk 'Rose c'est Paris' inszeniert sie ihre Heimatstadt als einen geheimnisvollen Ort rätselhafter Erotik, an dem sich eine surreale Geschichte abspielt. Es geht um zwei Zwillingssschwestern, die nur B und R genannt werden und von denen eine entführt worden ist, während die andere sich auf die Suche nach ihr macht. An verschiedenen Orten von Paris, in den Strassen und Plätzen, in Cafés und Museen, in stillgelegten Fabrikhallen oder mondänen Hotels begegnet man wunderschönen Frauen, die u.a. von so bekannten Modells oder Schauspielerinnen wie Michelle Yeoh, Naomi Campbell, Charlotte Rampling oder Monica Bellucci verkörpert werden. Da zum Fotoband aber auch eine 138-minütige DVD plus weitere Objekte in einem Koffer gehören, kann man das Ausgangsszenario auch als eine Art erotisch-mysteriösen Kriminalfilm oder angeleiteten Tagtraum ansehen und rezipieren. Der herausgebende Taschen-Verlag charakterisiert das Gesamtkunstwerk dagegen so: "Rose, c'est Paris ist ein vielschichtiges Werk des poetischen Symbolismus und zeigt eine Stadt der surrealistischen Visionen, der Identitätsverwirrungen, der Obsessionen, der Fetische und des brodelnden Begehrens."...Das ganze ist erhältlich in einer limitierten und nummerierten, von Bettina Rheims und Serge Bramly signierten Collector's Edition von 1.500 Exemplaren im XL-Format. Zusätzlich gibt es zwei Art-Editionen von je 100 Exemplaren mit einem nummerierten und signierten Originalabzug. Ein Exemplar der limitierten und signierten Collector's Edition kostet dabei inclusive DVD plus weiterer Objekte sage und schreibe 750,00 Euro und ist damit leider nur für absolute Liebhaber der erotischen Fotographie oder für Investoren auf der Suche nach Kunstanlagen interessant bzw. erschwinglich.Taschen Verlag, gebundene Ausgabe in deutscher Sprache, 336 Seiten, Juni 2010, 750,00 Euro.
Der 1929 in Österreich geborene Eric Kandel erhielt im Jahre 2000 den Nobelpreis für Medizin für seine Studien auf dem Gebiet der Neurowissenschaft. Sein Spezialgebiet war die jahrzehntelange Erforschung der Signalübertragungswege im Gehirn und dabei insbesondere der biologischen Mechanismen, die unserem Erinnerungsvermögen und dem Phänomen des Lernens zu Grunde liegen. Als Hauptstudienobjekt für diese Arbeit verwendete er dabei eine besondere Meeresschneckenart, die sogenannte "Aplysia californica", auch Kalifornischer Seehase genannt, da sich bei ihr die synaptischen Verbindungen und neuronalen Reaktionen besonders gut untersuchen lassen.Der jüdisch-stämmige Kandel musste 1939 nach dem Anschluß Österreichs durch die Nationalsozialisten mit seiner Familie in die USA emigrieren, wo er 1945 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Schon immer an allen Fragen interessiert, die sich mit dem menschlichen Bewußtsein beschäftigen, wollte er ursprünglich eigentlich Psychiater bzw. Psychoanalytiker werden. Durch verschiedene persönliche Umstände aber auch durch die grundlegende Einsicht, von der schon Sigmund Freud selbst ausging, daß sich alle geistigen Phänomene letztlich auch in der materiellen Struktur und Funktion des Gehirns niederschlagen müssen, wendete er sich aber schließlich der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung zu. Mit 'Auf der Suche nach dem Gedächtnis', das schon 2006 auf Deutsch erschienen ist, aber seit Sommer 2009 auch als preiswertes Taschenbuch vorliegt, erhalten wir somit eine lebendig geschriebene und nur gelegentlich etwas zu detaillierte Einführung in neuere Erkenntnisse der Hirnforschung aus erster Hand und damit in eines der wichtigsten Forschungsgebiete des 21. Jahrhunderts! Das Buch liest sich für den wissenschaftlichen Laien vor allem deswegen mit Gewinn, da es eine unterhaltsame Mischung aus persönlicher Biographie und populärem Wissenschaftssachbuch darstellt, so als ob Kandel seine zentralen Forschungsfelder "Gedächtnis" und "Erinnerung" auch auf die Stationen seines persönlichen Lebensweges anwenden wollte. Dabei zeigt er eine ganze Menge Humor und Wiener Schmäh, wie man anlässlich seines letztjährigen Talk Show-Auftritts bei 'Beckmann' (zusammen mit Tina Turner) aber auch im gleichnamigen dokumentarischen Filmporträt über "den Rockstar der Neurowissenschaften" studieren konnte, das letzten Sommer in den Kinos lief.Professor Kandel hat sich seine Wertschätzung für die Psychoanalyse immer bewahrt, deren Kerneinsichten durch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung schon seit längerem ein unerwartetes wenngleich modifiziertes comeback erleben, und so ist denn auch ein diesbezügliches Kapitel gegen Ende des Buches von besonderem Interesse. Mit Kandels Arbeiten liegt ein leider seltener Glücksfall von echter Interdisziplinarität vor, hier zwischen naturwissenschaftlicher Medizin und psychoanalytischer Theoriebildung, wobei allerdings sein wissenschaftliches Hauptinteresse an Fragen des Gedächtnisses naturgemäss einen mehr kognitiven Schwerpunkt aufweist, während das ganze Gebiet der Emotionen und insbesondere der Sexualität noch wenig Beachtung findet. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis aber auch das theoretische Kernstück der klassischen Psychoanalyse eine neurobiologische (oder vielleicht auch evolutionspsychologische) Rehabilitierung erfährt?Goldmann-Verlag, Taschenbuch, 528 Seiten, Juli 2009, 10,95 Euro.
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Netzware von Andreas Wittich