Im Interview der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 'Süddeutsche Wissen' gibt der Philosoph Bernulf Kanitscheider einen einführenden Überblick zu Grundfragen der hedonistischen Philosophie in Geschichte und Gegenwart.
Das November-Heft der spirituellen Monatszeitschrift 'Connection' bringt das närrische Porträt eines heiligen Narren: Ulrich Holbein schreibt über Bhagwan Shree Rajneesh alias Osho, der nicht nur als 'Sexguru' berühmt und berüchtigt war sondern sich auch durch einen spirituellen Hedonismus auszeichnete. (Nicht im Internet anklickbar.)
Der Internetauftritt des schwul-lesbischen Stadtmagazins 'Siegessäule' präsentiert sich nach einem kürzlichen Relaunch nun deutlich übersichtlicher und bietet jede Menge interessanter Informationen. Hingewiesen sei besonders auf den Video-Blog zum abgelaufenen 3. Pornfilmfestival, in dem die Macher von verschiedenen Schwierigkeiten erzählen, die sie zum Aufgeben zwingen.
Lars ist verliebt. Der Haken: seine Freundin ist nicht aus Fleisch und Blut sondern eine Sexpuppe aus dem Erotikkatalog!... Berührende Außenseiter-Tragikkomödie aus den USA, die sensibel die Mechanismen von Traumatisierung und Projektion vorführt und nebenbei konventionelle Beziehungsrituale karikiert.
Im 6. Teil der Serie 'Sex im 21. Jahrhundert' in der November-Ausgabe von 'Gehirn&Geist' geht es diesmal um Sexualstörungen. Sexualwissenschaftler der Uniklinik Hamburg-Eppendorf skizzieren aktuelle Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen medizinischen und psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. (Nur der Anfang des Artikels und eine Handvoll Literaturtips sind frei im Netz einsehbar.)
Das Novemberheft des Wissenschaftsmagazins 'Spektrum der Wissenschaft' widmet sich in der aufwändigen Jubiläumsausgabe den „neuen Welträtseln", so z.B. der Suche nach der Weltformel in der Physik, der Unsterblichkeit in der medizinischen Alternsforschung, nach neuen Energiequellen zwischen Photonik und Nanotechnologie oder nach Software, die in der Lage ist, menschliche Texte zu verstehen. (Nur der Text zur Alternsforschung ist kostenfrei im Netz anklickbar.)
Schon seit Anfang Oktober läuft „Berlin Calling" in den Kinos, der Spielfilm über einen DJ aus der Techno-Szene. Kurzbesprechung plus Links zum Trailer und der Rezension in der Süddeutschen Zeitung hier auf der Unterseite zu den Kino-News, die auch noch Hinweise auf weitere ältere Filme versammelt.
Unter dem Titel "Diana und Actaeon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit" zeigt der Museum Kunst Palast in Düsseldorf bis zum 15. Februar 2009 eine umfassende Ausstellung zur Kulturgeschichte der Aktdarstellung. Zu sehen sind rund 300 Werke aus 2000 Jahren.
Eine Ausstellung in der Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung präsentiert noch bis zum 25. Januar 2009 in faszinierenden Vergleichen und Gegenüberstellungen, wie sich Walt Disney im Fundus der europäischen Kunstgeschichte für seine Bilderwelten bedient hat.
Männermode zwischen Konformitätsdruck, Karrierestreben und Individualität: noch bis zum 30. November zeigt das Landesmuseum Hannover eine Ausstellung über offizielle und informelle Regeln der männlichen Kleiderordnung.
Das Neue Museum Weserburg in Bremen zeigt noch bis zum 31.12.08 80 Bilder des Fotographen Helmut Newton, die einen groben Querschnitt seiner Arbeit vermitteln.
Zwei verdeckt arbeitende Drogenfahnder sollen drei Morde in Südflorida aufklären. Das Problem: Ein Spitzel bei den Polizeibehörden arbeitet für die Drogenmafia... Rasanter Action-Thriller mit düsterer Note, nach Motiven der gleichnamigen TV-Serie von Regisseur Michael Mann ('Collateral', 'Heat', 'Der letzte Mohikaner'), dem Spezialisten für stilsicheres Unterhaltungskino. Sollte ursprünglich schon vor drei Wochen ausgestrahlt werden.
Die Außerirdischen haben Nachwuchssorgen und daher wird der penislose Alien Harold auf die Erde geschickt... Einige witzige Gags wechseln sich mit oberflächlichen Kalauern ab. Wem das insgesamt zu seicht ist, schalte um 21 Uhr zur erneuten Ausstrahlung von 'Fellinis Casananova' auf Arte zu um.
Der Geheimagent Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten ist zurück auf der großen Kinoleinwand und stürmt weltweit an die Spitze der Charts. Der mit 106 Minuten kürzeste Bond aller Zeiten zeichnet sich durch gewohnt atemberaubende Stunts, tolle Locations, wenig Sex, eine passable Story um einen Öko-Schurken und einen ungewöhnlich finsteren bis rachsüchtigen Titelhelden aus. Letzteres erklärt sich durch die Vorgeschichte, denn erstmals wurde das Prinzip der in sich abgeschlossenen Handlung aufgegeben, und so setzt „Ein Quantum Trost" genau dort ein, wo der Vorgänger tragisch endete. Für all jene, die diesen Vorgängerfilm noch nicht kennen, empfiehlt es sich daher zum besseren Verständnis, „Casino Royale" vorher auf DVD anzusehen, da der neue Film sich nicht besonders mit den Einzelheiten dieser Vorgeschichte aufhält.Ist Daniel Craig aber nun der beste Bond aller Zeiten, wie es manche Kritiker und Fans lauthals verkünden? Das ist gewiss nicht nur Ansichts- oder Geschmackssache sondern auch eine Frage des Alters, denn diese Art des kommerziellen Identifikationskinos funktioniert vor allem bei einem jüngeren Publikum, und für das ist natürlich immer der aktuelle Bond der schönste, beste und - psychologisch gesehen - effektivste. Das Identifikations- und Kompensationsangebot für die entfremdeten Massen, wie man in früheren Zeiten „sozialkritisch" formuliert hätte, liegt hier allerdings nur noch in einer düsteren und gebrochenen Form vor, so daß die Demontage der Superhelden, wie sie sich schon in „The Dark Knight" andeutete, weitergeht. Zum letzten Batman-Film wurde hier an dieser Stelle noch spekuliert, ob die Zeichen der realen Welt wirklich schon auf Sturm stünden - siehe den Text auf den Unterseiten zu den Kino-News - aber nach dem Hurrikan der letzten Wochen, der das internationale Finanzsystem in den Abgrund gestürzt hat und eine drohende Weltwirtschaftskrise heraufbeschwört, bräuchte die Welt eigentlich weniger einen mörderisch-zerrissenen Hans-Dampf-in-allen-Gassen sondern tatsächlich nur noch ein gehöriges „Quantum Trost". Vielleicht ist das ja mit ein Grund für den Sieg von Barack Obama...
Originaltitel: Quantum of SolaceRegie: Marc ForsterLänge: 106 (min)Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric...Produktionsort: GroßbritannienProduktionsjahr: 2008Startdatum: 06.11.08
Nach 'We feed the world' wendet sich Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer einem brandaktuellen Thema zu, obwohl 'Let's make money' schon vor den jüngsten Zuspitzungen der internationalen Finanz- und Bankenkrise fertiggestellt wurde. In seiner neuesten Dokumentation untersucht er die Verflechtungen der globalisierten Wirtschaft und arbeitet deren Antriebskräfte heraus. Dabei lässt er vor allem Macher wie Betroffene zu Wort kommen, um mosaikartig ein Gesamtbild der weltweit herrschenden ökonomischen Verhältnisse zusammenzusetzen, und so treffen dann Statements von Bankern, Managern, Wirtschaftsfachleuten und politischen Interessensfunktionären auf die Aussagen von Baumwollpflückern, Obdachlosen, Migranten u.ä. Gruppen. Wagenhofer enthält sich zwar weitgehend einer eigenen Stellungnahme und rückt auch nur partiell explizite Kritiker der Globalisierung oder des Kapitalismus ins Bild, dennoch sind seine Sympathien durch eine entsprechende Auswahl und Komposition der unterschiedlichen Stimmen klar. Er zeichnet so das düstere Bild einer Welt, die von Geldgier, Zynismus und Eigennutz beherrscht wird und die für das oberste Ziel der Gewinnmaximierung nicht nur im übertragenen sondern unter bestimmten Umständen auch im wortwörtlichen Sinne über Leichen geht...Die Kritiken zu 'Let's make money' sind eher gemischt, da der Film den einen zu harmlos und oberflächlich erscheint, während er den anderen schon zu radikal ist. Es kommt hinzu, daß das Medium Film emotionale und moralische Akzente setzt, die für das analytisch-abstrakte Verständnis der tieferen ökonomischen und politischen Zusammenhänge unangemessen sind, und schon Karl Marx warnte ja vor einer rein moralischen Kapitalismuskritik. Nach dem historischen Scheitern der realsozialistischen Alternativen in der Nachfolge von Marx wird allerdings eine hermetisch geschlossene Kritik der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die nicht auch deren positive Aspekte etwa des Marktmechanismus oder vor allem der entfesselten Produktivität wirklich berücksichtigt, noch schneller unglaubwürdig als in früheren Zeiten. Einseitige Zuspitzungen bzw. anschauliche Illustrationen der Schattenseiten des Kapitalismus mögen daher von Zeit zu Zeit ihre Berechtigung und schmerzliche Notwendigkeit haben - eine echte und funktionierende Alternative ist damit aber noch lange nicht in Sicht.
Originaltitel: Let's Make MoneyRegie: Erwin WagenhoferLänge: 110 (min)Produktionsort: ÖsterreichProduktionsjahr: 2008Startdatum: 30.10.08
Für die einen ist es superkitschig, für die anderen einfach nur schön: Jeff Koons Bilder und bunte Metallobjekte spalten Publikum und Kritik. Die Plastiken selbst seien noch keine Kunst, räumt der Meister im TV-Interview so ironisch wie hintersinnig ein, sondern die Kunst entstände erst im Auge des Betrachters. Koons gehört mit zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern der internationalen Szene, seine Werke werden nicht selten zu siebenstelligen Beträgen gehandelt. Dabei werden die teils tonnenschweren Objekte von einem großen Team in seinen New Yorker Werkstätten hergestellt, für die er nur noch die Anweisungen gibt. Die Neue Nationalgalerie zeigt nun Arbeiten aus der Serie „Celebration" im Rahmen der Reihe 'Der Kult des Künstlers' und parallel zu einer umfassenden Retrospektive zum Werk von Paul Klee. Mehr über diesen Ausstellungszyklus: siehe den Eintrag hier auf der Unterseite mit den Ausstellungshinweisen.Neue Nationalgalerie, Potsdamer Strasse 50, 10785 Berlin. Di-So 10-18 Uhr, Do bis 22 Uhr, Sa und So erst ab 11 Uhr. Eintritt 10,00 Euro, ermässigt 5,00.
Im Berliner Martin-Gropius-Bau ist jetzt die erste Retrospektive von Richard Avedons Arbeiten in Deutschland zu sehen Die Ausstellung zeigt insgesamt über 200 Fotografien, die in chronologischer Reihenfolge präsentiert werden, darunter auch mehrere großformatige Aufnahmen aus der Silversternacht 1989/90 vom Brandenburger Tor. Avedon gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des letzten Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeiten für Modemagazine wie „Harper's Bazaar" oder die „Vogue" und seine Porträts bekannter Schauspieler und anderer Prominenter, von Audrey Hepburn und Marilyn Monroe über Humphrey Bogart und Brigitte Bardot bis Henry Kissinger und den Beatles. In verschiedenen Reportagen erhellte er aber auch die andere und weniger glamouröse Seite des amerikanischen Traums, so vor allem in der Serie „In the American West", die jenseits gängiger Schönheitsideale Menschen des gewöhnlichen Alltagslebens abbildete: „Obdachlose, Schausteller, Fleischpacker, Landstreicher, Kellnerinnen oder kohleverschmierte Bergleute. Dieser brutal inventarisierende Blick auf die Kehrseite des Wohlstands schockierte. Doch den vermeintlichen Modefotografen Avedon rückte er genau dorthin, wo er sich seinen Platz eigentlich schon längst verdient hatte: in den Olymp der größten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts." (SPIEGEL-Online) Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstrasse 7/Ecke Stresemannstrasse 110, 10963 Berlin, Mi-Mo 10-20 Uhr, Eintritt 8,00 Euro, ermässigt 6,00.
Einer der neueren Sex-Mythen unserer Zeit und Ausdruck einer eigentümlichen „sexual correctness" ist die weithin vertretene und die öffentliche Meinung dominierende Behauptung vor allem von Frauen, daß die Größe des Penis für die sexuelle Erfahrung keinerlei Rolle spiele. In repräsentativen Umfragen wird dieses vorherrschende Meinungsklima allerdings deutlich relativiert, da hier rund die Hälfte aller befragten Frauen die genau entgegengesetzte Ansicht zum Besten gibt. Diane Hanson, die einstige Chefredakteurin eines Fetisch-Magazins, hat nach ihrem Bestseller 'The Big Book of Breasts' nun einen schwergewichtigen Bildband mit mehr als 400 überdurchschnittlich großen Penissen herausgegeben und gehört damit insgeheim wahrscheinlich doch eher zur zweiten Kategorie, obwohl auch die amazon-Kurzbeschreibung zu ihrem Buch die Qualität über die Quantität stellt, während sie gleicheitig die Faszination an großen Schwänzen beschwört. „Überdurchschnittlich groß" heißt in ihrem Falle übrigens länger als 8 inches (20 cm), womit weltweit nach Angabe der Autorin weniger als 2% aller Männer ausgestattet sein sollen, wobei die Durchschnittslänge nach neueren Erkenntnissen nur ca. 15 cm betrage.Es handelt sich hier überwiegend um historische Aufnahmen von Kultfotografen aus den 70er Jahren, die mit Interviews oder kurzen Porträts vorgestellt werden und dabei eine kleine Geschichte der männlichen Aktfotografie liefern, ebenso gibt es zu jedem Model auführliche Informationen. Mehr über die Idee zum Buch, die kulturgeschichtliche Bedeutung des Phallus oder die Suche nach „dem perfekten Schwanz" kann man im Interview mit Diane Hanson in Heft 2/2008 von 'Alley Cat' lesen, dem neueren Magazin für anspruchsvolle Erotik speziell für Frauen. Dort findet sich auch der Hinweis, daß man sich von dem verhüllten Titelbild des Buchcovers nicht in die Irre führen lassen sollte, wie die Homepage des Taschen-Verlags dementsprechend nicht nur einige Abbildungen aus dem Buch sondern sogar ein so witziges wie informatives Video-Interview mit der Autorin, Auszüge aus der Einleitung und jede Menge (auch deutschsprachige) Rezensionen bereithält.Taschen-Verlag, 2008, gebundene Ausgabe, Großformat, Englisch, 384 Seiten, 39,90 Euro.
Der im Juli 2008 erschienene Reader versammelt über drei Dutzend Beiträge von Musikjournalisten, Kritikern, Musikern, Künstlern und anderen 'Madonnalogen' über die Queen of Pop. Die meist aus sehr subjektivem Blickwinkel geschriebenen Betrachtungen beschäftigen sich dabei mit den unterschiedlichsten Facetten ihres Werkes, ihrer öffentlichen Rolle(n) oder ihrem Einfluß auf bestimmte Teile der jüngeren Generationen wie auf die Entwicklung der Pop-Kultur insgesamt und gliedern sich in 15 Abschnitte, die beispielsweise lauten: 'Meine 25 Jahre mit Madonna', 'Pop versus Avantgarde', 'Madonna und die schwule Subkultur', 'Wo geht's denn hier zum Pop-Feminismus?' u.ä. mehr. Sie werden ergänzt von einer einführenden Übersicht, zwei älteren Interviews mit Madonna selbst, einem launig-ironischen 'Madonna ABC' und 16 exclusiv für diesen Band angefertigten Illustrationen zeitgenössischer Künstler.Das Leitmotto des Bandes könnte etwa nach dem Journalisten Thomas Groß lauten, daß jeder Grund, sich mit Madonna nicht zu beschäftigen, ein Grund sei, es DOCH zu tun (S. 347). Diese pointiert-paradoxe Einschätzung ist nicht völlig überraschend, weil ihre eskalierenden Rollen-, Identitäts- und Imagewechsel einen über zwanzigjährigen Prozeß der Verrätselung und Mythologisierung initiiert haben, der die reale Musikerin Madonna Louise Ciccone in eine lebende Kunst- und Symbolfigur verwandelt hat und Symbole zeichnen sich nun einmal generell dadurch aus, daß sie unterschiedliches, widersprüchliches und sogar gegensätzliches in sich vereinen können. Als Symbol der Pop-Kultur im allgemeinen, als kollektives bzw. mediales Sex-Symbol im besonderen, wird „Madonna" so zu einer gigantischen Projektionsfläche für die vielfältigsten kulturellen, sexuellen und geistigen Entwicklungen unserer Zeit, die sich an ihr kristallisieren, reflektieren und personifizieren. Wer sich mit „Madonna" auseinandersetzt, kann daher immer auch eine ganze Menge über die Welt, die Gegenwart und sich selbst lernen, und deshalb dürfte die Lektüre des Buches auch all denen einen etwas größeren Lust- und Erkenntnisgewinn liefern, die der reinen Musikerin und Geschäftsfrau Madonna eher kritisch bis ambivalent gegenüberstehen, als jenen naiveren Fans, die nur die unkritische Anbetung eines Idols erwarten. Suhrkamp-Verlag, 2008, 400 Seiten, 12,40 Euro.
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