"If the doors of perception were cleansed, everything would appear to man as it truly is, infinite". Anlässlich der neuen Dokumentation über die Doors, die seit dem 1. Juli 2010 in den Kinos läuft, hier eine kleine Auswahl von YouTube-Links mit Stücken der Sixties-Kultband, schwerpunktmässig als Techno-/Trance-Bearbeitungen:
Faces come out of the rain...When you're strange... No one remembers your name...(Meave de Tria's Alternative Mix)
You know the day destroys the night...Night divides the day...Tried to run, Tried to hide...Break on through to the other side!...(DJ Swamp Remix)
You know that it will be untrue...You know that I will be a liar...If I was to say to you...Girl, we couldn't get mucht higher...(Hot Rocks Club Remix)
Once I had, a little game...I liked to crawl, back into my brain...I think you know, the game I mean...I mean the game, called "go insane"...(Daytona Team y Senmove featuring Jim Morrison)
Not to see the sun...nothing left to do,but run, run, run...(Unlock the Doors, Remix by DJ Paul Edge)
...my only friend, the end...I'll never look into your eyes...Again...(Dirty South Remix)
Jim Morrison, der Leadsänger der Doors, sah sich in erster Linie mehr als Dichter denn als Musiker. Nach seinem Tod unterlegte der Rest der Band Gedichtrezitationen von ihm mit neu komponierter Musik auf dem Album 'An American Prayer'. (Electro House-Mix by Mory Yacel)
Riders on the storm...Into this house we're born...Into this world we're thrown...(Chill Out Remix)
Hier das Stück, aus dessen Text sich der Titel zur neuen Doors-Dokumentation ableitet, noch einmal, aber in der Symphonic Version von Stargeiger Nigel Kennedy.
Willkommen im Magischen Theater: Eintritt nur für Verrückte! Oliver Stones Musik-Drama von 1991 über die Kultrockband der 60er öffnet die Pforten der Wahrnehmung und entführt in ein ganz eigenes Spiegelkabinett seelischer Abgründe und geheimer Obsessionen. Mit einem überragenden Val Kilmer als Jim Morrison, der hier als Dionysos der Pop-Kultur inszeniert wird, als altgriechischer Gott des Weines, des Festes, der rauschhaften Ekstase.
"Pünktlich zum Bundesstart von "Schwarze Schafe" geht die Schafe-Crew auf eine Tour durch Deutschland. Es erwarten euch verruchte Schafe-Parties mit allerlei Überraschungen und in drei Städten werden wir auch auf unseren Freund King Khan und seine Shrines treffen, die auf der Bühne stehen, während wir mit euch dazu feiern !"Dates findet Ihr unter "Schwarze Schafe ON TOUR"
Witzig, dass es jetzt einen Film über die Dead Chickens gibt ... kennengelernt haben wir sie 1994 über Falk Richwien, der damals das XXX-Xtrem im 3.Jahr veranstaltete und uns für eine Performance engagiert hatte. Diese nannten wir "When the beauties meet the beast". Daraus entstand dann auch unsere 1. große Party zur XXX-Xtreme, im Anschluß an unser Exil im Vereinheim.Zur Wiedereröffnung in der Turbine, eine Woche später, stellten die Dead Chickens verschiedene ihrer Objekte bei uns aus.
"Fuck for Forest" nennt sich eine kleine Naturschutzorganisation, die über die Produktion und den Verkauf pornografischer Fotos und Videos den Regenwald retten will. Die Mitglieder und Sympathisanten der Gruppe fotografieren oder filmen sich bei den verschiedensten sexuellen Aktivitäten und stellen dieses Material dann auf eine eigene Internetseite, wo es sich der interessierte Zuschauer gegen eine monatliche Gebühr ansehen kann - oder gegen das Einstellen eigener intimer Fotos und Videos. Auf diese Weise wurden in den letzten Jahren von über eintausend Abonnenten schon viele hunderttausend Euro eingesammelt, um sie für bestimmte ökologische Projekte und insbesondere eben zur Wiederaufforstung des Regenwalds zu spenden. Die verschworene Gemeinschaft - ursprünglich von einem jungen norwegischen Paar gegründet - besteht im Kern aus mehreren Personen, die seit längerem in Berlin leben, wo sie u.a. auch als langjährige Stammgäste des KitKatClubs bekannt sind. "Fuck for Forest" - weltanschaulich-atmosphärisch wirkt das wie eine wilde und skurrile Mischung aus 'Hair', 'Der Smaragdwald' und 'Lautlos im Weltraum', gekreuzt mit Harry S. Morgans Amateurpornofilmreihe. "Fuck for Forest" lautet nun aber auch der Titel eines Dokumentarfilms über die freizügigen Öko-Aktivisten und Aktionskünstler, der bislang nur auf einigen Festivals lief und seit dem 13. Juni in ausgewählten Programmkinos zu sehen ist:"In den Kellern und Katakomben der Berliner Subkultur propagieren sie natürliche Nacktheit und freie Liebe. Denn die Unterdrückung der Sexualität und das Korsett repressiver Moral verursache Hass, Gewalt und Kriege und letztendlich die Zerstörung des Planeten. (...) 86 Minuten ist der polnische Regisseur Michal Marczak mit der Kamera ganz dicht an seinen Protagonisten dran, begleitet sie von Norwegen nach Berlin und von Berlin in die Regenwälder des Amazonas zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru. Er begibt sich in den wilden Untergrund der deutschen Hauptstadt, in dem Politik und Privatleben zwischen Punk und Hippie-Subkultur zu einem gärenden, kreativen Gemisch, einem Urschrei zur Rettung der Welt verschmelzen." (Deutschlandradio Kultur)Filmemacher Marczak hat mit seinem Beitrag zwar u.a. beim Internationalen Filmfestival in Warschau den Preis für den besten Dokumentarfilm gewonnen. Von den "Fuck for Forest"-Leuten selbst würde er allerdings wohl keinen Preis erhalten, fühlen sie sich doch von ihm falsch dargestellt, ausgenutzt und manipuliert. (Details dazu erfährt man auf ihrer Homepage oder auch in einem im KitKat-Pressespiegel verlinkten Interview vom 12.06.13.) Dementsprechend stand eine Veranstaltung der Gruppe im Anschluß an eine Preview des Films im Freiluftkino Kreuzberg am 11. Juni unter dem bezeichnenden Motto: "The movie is a lie", wobei diese Party "standesgemäss" im KitKatClub gefeiert wurde.Es ist klar, daß vor allem die sexuellen Aktivitäten der unkonventionellen Öko-Aktivisten aber auch ihre missionarischen Ansprüche nicht nur im konservativen Feuilleton sondern bis weit in linke bzw. grün-alternative Kreise hinein chronisches Stirnrunzeln und massives Befremden auslösen, ebenso, daß sich grosse Umweltschutzorganisation mit Händen und Füssen gegen eine Zusammenarbeit wehren. Die rebellischen Aufbrüche der jungen Generation in den 60er und 70er Jahren, die Love and Peace-Romantik samt innigster Naturverehrung und nicht zuletzt das radikale Ringen um sexuelle Befreiung gehörten zwar mit zu dem gesellschaftlichen, politischen und geistigen Humus, aus dem einst auch die Partei Die Grünen vor über 30 Jahren entstand. Der organisierten Ökologiebewegung ist es aber nie gelungen, die optimistischen und hedonistischen Anteile ihre tieferen Ursprünge zu bewahren oder gar auszudehnen und so dominiert seit Jahrzehnten ein bürokratisch verknöcherter Pragmatismus bzw. "Realismus", der sich im ökokritischen Alltag meist nur noch auf so notorische wie kraftlose Symbolpolitik reduziert. Dies alles in der Regel verbunden mit moralinsaurem Asketentum, rückwärtsgewandten Verzichtspredigten und nicht selten gar einem finsteren Weltuntergangspessimismus. Eine so lustvolle, respektlose und anrührende - mitunter aber auch schrill weltfremde - Truppe wie die Neo-Hippies der "Fuck for Forest"-Kommune dürfte daher auf ergraute Politfunktionäre oder verbeamtete Umweltschutzveteranen bzw. auf das ganze entsprechende Sympathisantenumfeld in Kultur, Medien und Wissenschaft wie die permanente Wiederkehr des Verdrängten wirken, eine provozierende Erinnerung an eigene wildere Jugendzeiten oder jugendliche Ideale, die man gerne als "naiv" diskreditiert, um die anhaltende praktische Folgenlosigkeit der eigenen Haltung in Sachen Umweltschutz und Ökologie zu kaschieren. Ihr missionarisches Sendungsbewusstsein hingegen, in dem sich ein extremer sexueller Hedonismus widersprüchlich mit der in der Öko-Szene üblichen moralischen und asketischen Rigorosität in fast allen übrigen Lebensbereichen paart - Stichwort radikale Konsumkritik, Stichwort Containern - könnten ältere oder konventionellere Anhänger des grün-alternativen Mileus wie einen verwirrenden Zerrspiegel eigener Einstellungen, Visionen und Ambitionen empfinden, ihren großen finanziellen Erfolg als narzisstische Kränkung. Um so heftiger, irrationaler und unfairer die Ablehnung, fühlt und ahnt man doch im Kritisierten nicht nur die tiefere eigene Ähnlichkeit sondern auch den eigenen Schatten!Inwieweit engagierter Naturschutz und radikale sexuelle Befreiung allerdings tatsächlich so selbstverständlich Hand in Hand gehen, wie bei den Aktionen von "Fuck for Forest" wohl vorausgesetzt, wäre nun aber eine ganz andere Frage. "Man muß die Menschen lieben wie ein Rasender, um die Natur richtig zu hassen!" heisst es überraschend düster an einer Stelle im sonst so hell strahlenden Erotikklassiker 'Emmanuelle oder Die Schule der Lust', um die Einzigartigkeit des Menschen, des menschlichen Geistes, aber auch im weiteren die universelle Bedrohtheit, Hinfälligkeit und Fragilität des menschlichen Lebens emphatisch zu betonen. Das ist sicher überspitzt formuliert, erinnert aber nachdrücklich daran, daß Krankheit und Leidensfähigkeit, daß Altern, Gewalt und Tod primär erst einmal natürliche Phänomene sind, bevor sie auch noch sekundär durch politische und ökonomische, durch soziale und technologische Dynamiken immer weiter überhöht, verstärkt oder beschleunigt werden können. Die kulturell destruktiven Aspekte der menschlichen Kultur müssen aber ja nicht zwangsläufig das letzte Wort in Sachen Naturzerstörung behalten...
New York, Anfang der 20er Jahre: Der geheimnisvolle Millionär Jay Gatsby feiert regelmässig rauschende Feste in seiner pompösen Villa auf Long Island. Den neu hinzugezogenen Nachbarn Nick Carraway fasziniert das Leben des reichen Bohemians, in das er mehr und mehr hineingezogen wird. Gatsby scheint in undurchsichtige Geschäfte verwickelt zu sein, gleichzeitig flammt dessen unerfüllte Liebe zu seiner Jugendliebe Daisy - Nicks Cousine - wieder auf, die aber mit einem anderen verheiratet ist. Bald spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu... Romantisches Melodram und Psychostudie, zeitgeschichtliches Sittendrama und aktualisierte Literaturverfilmung: Mit 'Der große Gatsby' hat sich der australische Regisseur Baz Luhrmann einen der bedeutendsten Romane der US-Literatur des 20. Jahrhunderts zur Vorlage gewählt, der zuvor schon viermal verfilmt worden war. Und wieder, wie insbesondere in seinen Filmen 'Romeo und Julia (1996) und 'Moulin Rouge (2001), erwartet den Zuschauer ein Fest für Augen und Ohren, eine schnell geschnittene Kostüm- und Ausstattungsorgie (und hier auch noch in 3D), die einen bekannten Stoff bzw. bekannte Motive für ein zeitgenössisches und junges Publikum modernisiert, um vielfältige Gegenwartsbezüge herzustellen. Atmosphärisch bzw. ästhetisch wird der Brückenschlag zwischen den Epochen vor allem vom Soundtrack geleistet, denn wie in 'Moulin Rouge' benutzt Luhrmann aktuelle Popmusik für die emotionalen und dramaturgischen Akzente. Der ekstatische Jazz der "roaring twenties" wird dabei z.B. vom Hip Hop eines Jay-Z ersetzt, aber auch Songs von Ehefrau Beyoncé, Brian Ferry, Lana del Rey, Emeli Sandé, Florence and the Machine u.a. sind zu hören:"Luhrmann will den Rausch der Sinne, die Überwältigung, sein Credo: „Geschmack ist der Todfeind der Kunst." " (Tagesspiegel)Die große Stärke der Neuverfilmung liegt neben den angedeuteten formalen Finessen vor allem in der starken Performance von Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio, der sich natürlich an der Leistung von Hollywood-Ikone Robert Redford in der 1974er Verfilmung messen lassen muß. DiCaprio, der schon die Rolle des Romeos in Luhrmanns 'Romeo und Julia' verkörperte, ist in all den Jahren an jeder neuen Herausforderung wie z.B. mit 'Gangs of New York', 'Aviator', 'Departed', 'Shutter Island', 'Inception' oder zuletzt mit Tarantinos 'Django Unchained' gewachsen, hat so das Image des blossen Teenie-Idols aus 'Titanic' schon lange hinter sich gelassen und ist zum überzeugenden Charakterdarsteller gereift. Im Unterschied zu Redford, der sich in seiner damaligen grandios-charismatischen Star-Aura mehr auf die distanzierten, verschlossenen und unnahbaren Seiten der Gatsby-Figur beschränken konnte, gelingt DiCaprio dagegen doch - an der Seite von Tobey Maguire ('Spiderman') als Nick Carraway und Carey Mulligan als Daisy - eine breiter gefächerte Charakterzeichnung, die in ihrer zerrissenen und schillernden Ambivalenz auch näher an die literarische Vorlage heranreicht.F. Scott Fitzgeralds 'Der große Gatsby' von 1925 gilt heute vor allem deshalb als eines der wichtigsten Bücher der modernen US-Literatur, weil im Laufe der Jahrzehnte immer mehr seine überzeitliche und allgemeinere Geltung erkannt wurde. Der Roman, der Stoff, seine zentralen Motive und Figuren bleiben scheinbar ewig jung und haben den Menschen späterer Generationen noch etwas zu sagen, von daher der legitime und wiederholte Versuch einer filmischen Neuinterpretation. Der ekstatische Lebenshunger und die rauschhafte Glückssuche aber auch die Identitätskrise, Desorientierung und Desillussionierung nach den Schrecken eines großen Krieges sind auch jüngeren Kinogängern nicht fremd, ebenso ökonomische Krisen und Turbulenzen in politischen Umbruchphasen. Die im Roman anklingende Kritik am American Dream, der längst ein globales Phänomen geworden ist und nicht mehr nur auf die USA beschränkt, löst ebenfalls stärkere Resonanz im modernen Zeitgenossen aus: "Dieser sei mittlerweile zu einer Perversion verkommen und bestehe nicht mehr aus dem ursprünglichen Streben nach Freiheit und Glück, sondern dem Verlangen nach Reichtum und Macht", wie es dazu beinahe schon paradigmatisch im entsprechenden Wikipedia-Eintrag zu Fitzgeralds Roman heisst.Buch und Neuverfilmung stehen also für die Grenzen und Schattenseiten des amerikanischen Traums und zielen damit ins Herz aktueller Probleme und Diskurse. Der furios zelebrierte und verzweifelte Sinnenrausch der 20er Jahre wird damit zur Parabel für die heutige Krise, zum Symbol eines degenerierten, tragischen oder Pseudo-Hedonismus, der die Glückssuche nach dem Prinzip des Märchens vom Hans im Glück betreibt, in dem er die wertvolleren Gegenstände (tieferer Sinn, Liebe, Integrität...) immer nur gegen die wertloseren (blosser Kick, Gier, Macht...) eintauscht, um am Ende mit Nichts dazustehen:"So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu." (F. Scott Fitzgerald, 'Der große Gatsby')
Berlin: Wohnort von rund 3,5 Millionen Menschen, eingebettet in das Land Brandenburg, in viele Bezirke zersplitterter Großstadtmoloch, geliebte und gehasste Hauptstadt der Republik, politisches Zentrum, Verwaltungszentrum, kulturelles Zentrum, mit zwiegespaltener jüngerer Vergangenheit vor noch dunklerem historischen Hintergrund, Dauermagnet für unzählige Geschäftsleute, Pendler und Touristen, Ziel und Sehnsuchtsort von Bohemians, Aussteigern und Hedonisten, subkultureller Innovationsmotor und nicht zuletzt langjährige Heimat des KitKatClubs!Gegenwart und Historie giessen sich in Bilder und Geschichten und so ist es kein Wunder, daß Berlin immer wieder neu und immer wieder anders auch zum Thema und Schauplatz des Kinos wird. Zum neunten Mal schon findet jetzt, zwischen dem 17. und dem 24. April, "achtung berlin - new berlin film award" statt, das Filmfestival für neues deutsches Kino aus Berlin und Brandenburg. Zu sehen sind rund 80 Produktionen aus verschiedenen Kategorien: Spielfilme und Dokumentarfilme, Mittellange Filme und Kurzfilme, "Berlin Highlights" und eine Retrospektive mit Kinder- und Jugendfilmen, die Filmreihe "Spezial" sowie die Reihe "Festival Directors' Choice". Im folgenden eine kleine Auswahl aus dem reichhaltigen Programm:Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der MittelRegisseur Lehmann (gespielt von Robert Gwisdek) will in der bayerischen Provinz die Kleistsche Novelle 'Michael Kohlhaas' verfilmen, jene Geschichte nach einem realen Vorbild über einen Brandenburger Pferdehändler, der nach einem erlittenen Unrecht durch einen Fürsten zur Selbstjustiz greift. Da dem Filmemacher schon am ersten Drehtag die Fördermittel gestrichen wurden, sollen das wahrhaftige und leidenschaftliche Spiel der Darsteller die fehlenden Kulissen und Kostüme ersetzen, was zu allerlei tragikomischen bis skurrilen Verwicklungen führt... "Aber wer braucht den schnöden Mammon, wenn er Fantasie hat?" heisst es dazu in der Besprechung auf Freitag-Online und "der improvisierte und zugleich kreative Zugang (passe) zur Hauptstadt."Berlin TelegramDie Musikerin Leila flieht aus Brüssel nach Berlin, als ihr Freund Antoine sie wegen einer anderen Frau verlässt. Von dort will sie ihm Videobotschaften über ihr neues Leben schicken, das von eigentümlichen Begegnungen mit (Lebens)Künstlern aus aller Welt geprägt ist, die ihr neuen Halt geben... "Leila Albayaty - Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin in Personalunion - gelingt mit ihrem Langfilmdebüt ein bildschöner Berlin-Film mit mitreißendem Soundtrack, der ebenfalls aus ihrer Feder stammt." (Festival-Homepage)Kaptn OskarNachdem Oskars Ex-Freundin seine Wohnung abgefackelt hat, lernt er Masha kennen, die immer wieder mit älteren Männern ins Bett geht. Gemeinsam lassen sie sich durch Berlin treiben, wobei ihre Verabredung einer rein platonischen Beziehung bald an Grenzen stösst. Eine Reise von Oskar und Masha auf's Land soll Klärung bringen... "Nach PAPA GOLD inszenierte Tom Lass erneut eine etwas andere Liebesgeschichte, wieder verzichtete er auf ein Drehbuch. In KAPTN OSKAR lässt er seine Protagonisten ziellos durch Raum und Zeit gleiten und kreiert dabei ausgesprochen kraftvolle und poetische Bilder." (Festival-Homepage)SilviAls die langjährige Ehe der 47-jährigen Silvi zerbricht, ist das trotz des Schocks auch die Chance für einen Neubeginn. Bei der Suche nach dem richtigen Partner hat sie jede Menge Sex, begegnet den seltsamsten Männern und stürzt vorübergehend in ein emotionales Chaos... "Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und der Film spielt mit dokumentarisch anmutenden Szenen. In Interviews offenbart Silvi zunächst zurückhaltend, dann immer offener ihre Wünsche und Gefühle direkt in die Kamera." (Festival-Homepage)FreilandDer ehemalige Berliner Lehrer Niels ist genervt von Globalisierung, Euro-Krise und Co. und trifft auf den Untergangspropheten Christian, der in Brandenburg einen eigenen Staat gründen will: Freiland! Wie Niels wollen immer mehr Bürger Mitglied von Freiland werden, aber bald schon werden auch kritische Stimme laut... Politsatire von Regisseur Moritz Laube, die sich als "Film zur Lage der Nation" sieht.Mephisto-EffektDie junge Studentin Lea hat eigentlich einen Freund, lässt sich aber von dem charismatischen Ryan verführen. Schon am nächsten Morgen taucht ein Video der Liebesnacht auf... "Was zunächst wie ein Erpressungsversuch aussieht, wird zu einer spannenden Odyssee in die Abgründe der menschlichen Seele, bei der sich Lea und Ryan für ihre Handlungen verantworten müssen." (Festival-Homepage) "Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will - und doch das Böse schafft!" Der Trailer des Films dreht das Mephisto-Zitat aus Goethes Faust 1 um.Video Vertov"Rote Fahne, RAF, Mauerfall, Bhagwan und Urschrei-Therapie. Der Filmemacher und Videopionier Gerd Conradt blickt zurück auf seine 50-jährige Schaffenszeit, die stets geprägt war von persönlichen, politischen und medialen Umwälzungen." (Festival-Homepage) Conradt versteht seine Dokumentation als "elektronisches Testament" und ist in seiner Arbeit von dem russischen Dokumentarfilmer Dziga Vertov inspiriert. Die einzelnen Lebensabschnitte werden dabei von inszenierten Sequenzen eingeleitet, in denen er sein Handwerkszeug vorstellt: 16 mm-Film, Super 8, Video und HD.Rehearsals"Drei Performer, ein Hotelzimmer, ein großes Bett. Wie begibt man sich in eine Sexszene hinein? Die Kamera wird Zeuge einer spielerischen wie ernsthaften Suche nach der authentischen Darstellung der intimsten menschlichen Performance: der Sexualität. Regisseur RP Kahl vermengt Performance, Dokumentation, Videokunst und Spielfilmelemente zu einem fiebrigen Hybrid, das dem Zuschauer erlaubt zu reflektieren, empathisch zu sein oder seinem Voyeurismus freien Lauf zu lassen." (Festival-Homepage) Der 45-minütige Film wird von den beiden Kurzfilmen 'Miriam' und 'Nude.Women' ergänzt.Alle Filme laufen in den Festivalkinos Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz, Filmtheater am Friedrichshain und Passage Neukölln. Mehr zu den einzelnen Produktionen, zu Ort, Datum und Uhrzeit ihrer Vorführung sowie zu einem vielfältigen Rahmenprogramm mit Workshops, Diskussionen und Partys findet man auf der übersichtlich gestalteten Veranstaltungshomepage. In Kooperation mit ALEX - Offener Kanal Berlin werden einzelne Filmemacher in Werkstattgesprächen vor der Kamera präsentiert, die im Livestream, in der ALEX-Mediathek und in einem eigenen ALEX-YouTube-Channel angesehen werden können. Bleibt abschließend nur zu hoffen, daß die Filme, die teils ihre Weltpremiere auf dem Festival erleben, anschließend auch noch den Weg ins normale Kinoprogramm (oder zumindest ins TV-Programm) finden!"Tokyo, Kyoto, Paris, London, Trieste… BERLIN!" (Gedankenstimme des einäugigen Detektivs im Anflug auf die geteilte Stadt im Film von Wim Wenders/Peter Handke: 'Der Himmel über Berlin', 1987)
<cut> Dies ist der Film, den Godard immer machen wollte: Harmony Korines Konsumismus-Märchen "Spring Breakers". <cut><cut> Spring Breakers ist in jeder Hinsicht großartiges Kino: radikal, leichtfüßig, sexy, intelligent und transgressiv. <cut> ("Hi Grandma, I am having so much fun here. So nice to get a break from reality for a while." Faith in Spring Breakers)<cut> Ohne Frage ist Spring Breakers ein Fall für die Kino-Gesinnungspolizei: Dieser Film ist Sexismus pur, Exploitation pur, Voyeurismus pur; er appelliert, wie viele gute Film das eben tun, an alle vorhandenen niederen Instinkte seines Publikums. <cut> ("Let's cause some trouble now! Spring Break Bitches!!" Alien in Spring Breakers)<cut> Korine findet auch hier wieder Einsamkeit und Melancholie, er entdeckt aber zugleich die Gesten einer Popkultur, die nicht etwa Surrogat und Daseinsersatz ist, sondern den Menschen zur Schule des Lebens wird. <cut><cut> Vor allem aber ist der Film ein hedonistisches Manifest und in seiner Dynamik und Emphase eine Feier des Fetischismus, der seit jeher legitimer Teil des Kinos ist. <cut><cut> Ein romantisches Projekt ist das; wie der American Dream - ein Traumspiel. Und wie in diesem, so schlummert auch am Grunde von Spring Breakers wie in allen romantischen Projekten, wie in allen Beschwörungen der Ewigkeit und des Ausstiegs aus dem Zeitkontinuum, der Tod. Korine seziert den Todestrieb des American Dream, vielleicht ist es vor allem dies, was Regisseur und Film tun. <cut>("It's a dream bro, it's the american dream..." Alien in Spring Breakers)<cut> In der Beschwörung der Ewigkeit des Augenblicks, die von Batailles Weiterdenken Hegels, von der Aufhebung seines Systems in der Ökonomie der Verschwendung inspiriert ist, denkt Korine dessen Frage weiter. Bataille fragte nach dem Exzess und dessen Ort in der Kultur der Moderne. Die Antwort gab das 20.Jahrhundert. Sie lautete, dass der Ort des Exzess' in der Moderne in der Popkultur liege. Aber wo, das ist die neue Frage, liegt der Ort des Exzess' in der Popkultur? <cut><cut> Wenn junge Frauen hier mit Maschinenpistolen in der Hand und pinken Skimasken über dem Kopf Raubüberfälle veranstalten und im Bikini den Männern auf und vor der Leinwand den Kopf verdrehen, dann ist das eine Spielart des Feminismus - wenn auch keiner, den Alice Schwarzer noch verstehen wird. <cut>("Spring Break forever bitches!" Brit in Spring Breakers)<cut> "Spring Breakers" ist ein großartiger Film und ein Meisterwerk, das alles vereint, was Kino ausmacht. Korine gelingt Selbstkritik der Popkultur, es gelingt ihm, die Popkultur mit den Mitteln der Popkultur gleichzeitig zu feiern und zu kritisieren. Einen solchen Film wollte Jean-Luc Godard immer machen. <cut>(Alle <cuts> und die Zitate aus dem Film stammen aus der hymnischen Besprechung von Rüdiger Suchsland auf Telepolis vom 21.03.2013: 'Der Todestrieb des American Dream'. Ob 'Spring Breakers' tatsächlich jenes Meisterwerk ist, wie vom Rezensenten gefeiert, muß der Kinogänger selbst entscheiden. Suchslands umfangreicher Essay ist auf jeden Fall ein kleines Meisterwerk der Filmkritik und sei jedem Leser in ganzer Länge empfohlen, klick den Link!)
Originaltitel: Spring BreakersRegie: Harmony KorineLänge: 92 (min)Darsteller: Selena Gomez, Vanessa Hudgens, James Franco...Produktionsort: USAProduktionsjahr: 2012Startdatum: 21.03.2013
Ende der 50er Jahre ist Alfred Hitchcock auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Soll er weitere Kassenknüller im bekannten Stil produzieren oder etwas völlig neues wagen? Als er das Buch über einen geisteskranken Frauenmörder in die Hände bekommt, sieht er plötzlich die Chance für einen künstlerischen Neubeginn. Doch das Projekt erweist sich als schwieriger und widerständiger als gedacht...Der Mann, der zuviel wußte - Die 39 Stufen - Sabotage - Eine Dame verschwindet - Cocktail für eine Leiche - Das Fenster zum Hof - Über den Dächern von Nizza - Vertigo - Der unsichtbare Dritte - Psycho - Die Vögel - Frenzy - Familiengrab... Keiner hat unsere Vorstellung von so intelligentem wie nervenaufreibendem Spannungskino so sehr geprägt wie der britische Filmregisseur und Filmproduzent Alfred Hitchcock! Seine Werke sind ikonographische Klassiker des Kriminalfilms und der Kriminalkomödie, des Politthrillers und des Agentenfilms, des Psychothrillers und des Beziehungsmelodrams. Als "Master of Suspense", ein Ehrentitel, den er sich mit seinen 53 Spielfilmen gründlich erarbeitet hat, ist er ein legitimer Experte für die Ängste und Neurosen der Massen und der Kino-Psychologe des kollektiven Unbewußten. Doch selbst innerhalb seines beeindruckenden Gesamtwerks nimmt 'Psycho' von 1960 eine Sonderstellung ein, weil es Hitchcock hier auf dem Zenit seines Ruhms noch einmal gelang, sich neu zu erfinden und sein Können auf eine weitere Stufe zu heben. Nicht zufällig wählte auch das American Film Institute im Jahr 2001 den Film auf Platz eins der einhundert besten amerikanischen Thriller.Regisseur Sacha Gervasi erzählt in seinem Spielfilmdebüt nun die Hintergründe der Entstehung von 'Psycho' - frei nach dem Buch des Filmjournalisten Stephen Rebello: 'Alfred Hitchcock and the Making of Psycho' - um damit gleichzeitig ein allgemeingültigeres Psychogramm der Regie-Ikone Hitchcock zu zeichnen. Mit welchen dramaturgischen Mitteln gelang es Hitchcock jenen zugleich so subtilen wie abgründigen Horror zu erzeugen, der sich weitgehend nur im Kopf und im Herzen des Betrachters entfaltet? Welche äußeren und inneren Widerstände mußte er bei seiner Arbeit überwinden, welche Dämonen besiegen, um jenes zeitlose Meisterwerk des Schreckens zu schaffen, das auch bei wiederholtem Ansehen nichts von seiner ambivalenten Faszination verliert?Gervasi schuf so zumindest eine gefällig anzusehende Mischung aus Biopic, Drama und Komödie, bei der am meisten die bislang weithin unbekannte Bedeutung von Hitchcocks Ehefrau Alma Reville - prägnant verkörpert von Helen Mirren - überrascht, die als Drehbuchautorin, Beraterin und insbesondere als Cutterin einen entscheidenden Anteil nicht nur am Erfolg von 'Psycho' sondern auch vieler weiterer Hitchcock-Filme beanspruchen kann. Anthony Hopkins in der Titelrolle fällt dagegen ein wenig gegen Helen Mirrens Performance ab, während in den Rollen von Janet Leigh und Vera Miles Scarlett Johansson und Jessica Biel zu sehen sind. Es kann dabei durchaus sein, daß Gervasis Film die seelischen Abgründe seiner Titelfigur nicht tief genug auslotet, wenn einzelne Rezensenten den fehlenden "suspense" monieren, allerdings muten manche Einwände so an, als hätten die Kritiker in Wirklichkeit einen echten Hitchcock-Thriller erwartet - an Stelle einer bloss biographischen Studie mit filmhistorischen und tragikomischen Akzenten.Hitchcocks Filme entstanden übrigens ganz überwiegend in einer Zeit, die noch von strengen Zensurauflagen bezüglich der Darstellung sexueller und erotischer Motive geprägt waren. Zwischen 1934 und 1967 wachte in Hollywood diesbezüglich der sogenannte Hays Code oder auch Production Code über die Einhaltung der bestehenden Sexual- und Moralvorstellungen. Hitchcock wiederum erwies sich auch als ein großer Meister, solche Motive in indirekter, verschlüsselter oder symbolischer Form in seine Werke einfliessen zu lassen, um sie dadurch mit tieferer emotionaler Bedeutung aufzuladen. Die von Hitchcock perfektionierte Kunst der versteckten Andeutung führte den französischen Filmregisseur Francois Truffaut dabei schon vor Jahrzehnten zu folgender fulminanter Beobachtung und Einsicht:"Es war unmöglich, nicht zu sehen, daß alle Liebesszenen wie Mordszenen gefilmt waren und alle Mordszenen wie Liebesszenen. (...) Auf der Leinwand nichts als Spritzer, Knallkörper, Ejakulationen, Stöhnen, Keuchen, Schreie, Blutvergießen, Tränen, verdrehte Handgelenke, und mir ging auf, dass in Hitchcocks - eher sexuellem als sensuellem - Kino der Liebesakt und der Tod eins sind."Truffaut ist hier dem tieferen Geheimnis des Hitchcockschen Spannungskinos eng auf der Spur, das es anscheinend erlaubte, die bis in die 60er Jahre noch weit verbreitete kollektive Lustangst in eine öffentlich gebilligte und geradezu gefeierte Angstlust umzuwandeln. Die filmisch beschworene Dialektik bzw. wechselseitige Ineinanderblendung von Angst und Lust entspricht damit einem seelischen Sadomasochismus, der beinahe an das erotisch-philosophische Werk eines George Bataille oder an die mystische Vereinigung von Gegensätzen bei der Ausübung tantrischer Rituale erinnert. Nur das bei letzteren wohl nicht das Blut in den Adern gefriert sondern innigst und herzerwärmend ins Strömen gerät...
Originaltitel: HitchcockRegie: Sacha GervasiLänge: 98 (min)Darsteller: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Jessica Biel...Produktionsort: USAProduktionsjahr: 2012Startdatum: 14.03.2013
Vom 7. bis zum 17. Februar laufen in Berlin wieder die Internationalen Filmfestspiele. In verschiedenen Abteilungen sind eine Riesenauswahl an aktuellen Produktionen zu sehen, die die ganze Vielfalt des globalen Kinoschaffens abdecken. Hier eine kleine Auswahl von Filmen mit dem Focus auf erotisch-sexuelle Themen und Inhalte:'Lovelace': Mit Spannung erwartet wird das Biopic der Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman über Linda Lovelace, der Hauptdarstellerin im wahrscheinlich berühmtesten Pornofilm der 70er Jahre, nämlich 'Deep Throat' von 1972. Die tragische Lebensgeschichte von Linda Lovelace, die 2002 bei einem Autounfall verstarb, und die teils dubiosen, teils kriminellen Hintergründe der Entstehungsgeschichte von 'Deep Throat' sind spätestens seit der Dokumentation 'Inside Deep Throat' von 2005 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Man wird sehen, ob Epstein/Friedman die Dramatisierung dieses Stoffes gelungen ist und ob Hauptdarstellerin Amanda Seyfried ('Chloe', 'Briefe an Julia', 'In Time') - die Frau mit den charismatischen Augen - der Figur gewachsen war. Die Mutter von Lovelace wird übrigens von Sharon Stone gespielt.'Don Jon's Addiction': Jon Martello ist ein moderner Don Juan, der reihenweise die tollsten Frauen abschleppt. Leider macht ihm seine Pornosucht zunehmend zu schaffen und verleidet ihm immer mehr den Spaß am Sex. Die Begegnung mit zwei unterschiedlichen Frauen eröffnet Jon schließlich eine neue Sichtweise auf das Leben und die Liebe... Im Unterschied etwa zum vielbeachteten Film von 2011 'Shame' mit Michael Fassbender, der ebenfalls um die Problematik der Sexsucht kreiste, hat Schauspieler Joseph Gordon-Levitt in seinem Regiedebüt 'Don Jon's Addiction' einen mehr komödiantischen Zugang zum Thema gewählt. Gordon-Levitt spielt dabei nicht nur selbst die männliche Hauptrolle sondern schrieb auch das Drehbuch. Die weiblichen Hauptrollen wurden von seinen beiden Kolleginen Scarlett Johansson und Julianne Moore übernommen. 'Concussion': In Stacie Passons Debütfilm 'Concussion' (deutsch: die Erschütterung) starten die Verwicklungen mit einem etwas platten Ereignis. Die lesbische Abby ist Anfang 40 und lebt in gleichgeschlechtlicher Ehe mit gemeinsamen Kindern im Umland von New York. Als sie durch einen Fußball einen Schlag auf den Kopf erhält, verwandelt sie sich von einem Tag auf den anderen in einen erotischen Vamp, beginnt ein heimliches Doppelleben und trifft sich als Edelcallgirl in einem New Yorker Loft mit Frauen zu sexuellen Begegnungen. Anscheinend können US-Amerikaner nur noch durch nackte Gewalt aus den ideologischen Zwängen der Monogamie befreit werden.'Interior. Leather Bar': Beim neuen Film von Schauspieler und Produzent James Franco, der zur Zeit an einer Dokumentation über das SM-Internetportal kink.com arbeitet und auch in 'Lovelace' (s.o.) eine Nebenrolle spielt, handelt es sich um ein ganz besonderes Kino-Experiment. 1980 drehte Regisseur William Friedkin seinen Thriller 'Cruising' über einen Serienkiller im schwulen SM-Milieu - mit Al Pacino in der Hauptrolle des (heterosexuellen) Undercover-Cops - der starke Proteste in der Schwulenszene provozierte. Die damaligen Hardcore-Szenen, aufgenommen in einer echten New Yorker Lederbar, fielen allerdings der Selbstzensur zum Opfer. 'Interior. Leather Bar' lässt nun diese Szenen von spontan auf der Straße gecasteten schwulen Darstellern nachspielen und dokumentiert gleichzeitig die Diskussionen innerhalb der Filmcrew während des Drehs. Dabei verstehen Franco und Regisseur Travis Mathews ihr Projekt u.a. als aktuellen Kommentar zur grassierenden Homophobie in Hollywood bzw. in weiten Teilen der US-Gesellschaft.'The Look of Love': Im neuen Film des britischen Regisseurs Michael Winterbottom ('Code 46', '9 Songs') geht es um den Aufstieg und Fall eines britischen Porno-Verlegers der 50er und 60er Jahre. Paul Raymond eröffnete in den prüden 50er Jahren das erste Strip-Lokal Englands, machte aber auch mit Immobilienspekulationen sein Vermögen. Als "König von Soho", der sein Sex-Imperium immer weiter ausbaute, wurde er zu einer der umstrittensten Figuren des Londoner Rotlicht-Milieus. Winterbottom zeichnet die schillernde Lebensgeschichte Raymonds nach und kann sich in der Hauptrolle auf einen souveränen Steve Coogan ('The Trip') verlassen. Weitere Darsteller sind u.a. Imogeen Pots, Stephen Fry und Anna Friel.'Deshora': Eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung steht im Zentrum des Regiedebüts der argentinischen Filmemacherin Barbara Sarasola-Day, das vor allem von genauen Beobachtungen, von subtilen Gesten und Blicken und einer sinnlich aufgeladenen Atmosphäre unterdrückten Verlangens lebt. Ernesto und Helena leben in einer abgeschiedenen Gebirgsregion im Nordwesten von Argentinien, in der hauptsächlich Tabak angebaut wird. Ihre Liebesbeziehung ist im Laufe der Jahre ein wenig abgekühlt. Als Helena Besuch von ihrem jüngeren Cousin Joaquin erhält, fühlt sie sich bald und gegen ihren Willen sexuell zu ihm hingezogen. Doch auch Ernesto und Joaquin kommen sich näher...Kurz notiert: Um Internet-Sexsucht geht es auch im indonesischen Beitrag 'Something in the Way', in dem ein Taxifahrer sich in eine Prostituierte verliebt. Lesbische Konstellationen werden u.a. in dem Wettbewerbsfilm 'Vic + Flo Ont Vu Un Ours' wie im Remake von 'Die Nonne' nach der klassischen Vorlage von Diderot verhandelt, mit Isabelle Huppert und Martina Gedeck. Der Filmemacher Sébastien Lifshitz stellt seine Trans-Doku 'Bambi' vor. Der deutsche Beitrag 'Lose your head', der im sommerlichen Berlin spielt, wechselt von einem schwulen Liebesdrama ins Genre des Psychothrillers. Und in 'Exposed' schliesslich sollen ungewöhnliche Gruppensexkonstellationen die heterosexuelle Geschlechternormativität aufbrechen.
Die US-Ostküste in der Mitte der 50er Jahre: Der österreichische Arzt, Psychoanalytiker und Erforscher der Lebensenergie Wilhelm Reich, der vor rund 15 Jahren in die USA emigrierte, wird in seiner neuen Heimat stark angefeindet. Im politisch repressiven Klima der McCarthy-Ära gerät der Sexualpionier und Ex-Kommunist in den Focus konservativer Kräfte, die gegen ihn intrigieren und seine wissenschaftlichen Arbeiten verbieten wollen. Schließlich kommt es zur Anklageerhebung und zum Prozeß...Ja, Wilhelm Reich (1897-1957) war tatsächlich ein seltsamer Fall, in verschiedenster Hinsicht. Der Schüler von Sigmund Freud saß schon früh zwischen allen Stühlen und das fing schon mit dem traumatischen Schock seiner Jugend an, als der 12jährige das Liebesverhältnis seiner Mutter mit dem Hauslehrer verriet, die sich daraufhin das Leben nahm und der Vater vor Gram ebenfalls starb. Es setzte sich fort mit seiner ambivalente Rolle in der psychoanalytischen Bewegung der 20er und 30er Jahre in Wien und Berlin, als Reich zum einen die frühen Freudschen Einsichten über die zentrale Rolle der Sexualität für die Charakterentwicklung aber auch für die Entwicklung seelischer Neurosen gegen dessen verehrten Urheber selbst verteidigte und weiter hoch hielt, während Freud seine Konzepte immer weiter abwandelte, um das pessimistische Konzept des Todestriebs in die psychoanalytische Theorie einzubauen. Zum anderen brach Reich mit grundlegenden Regeln der freudschen Methodik, wurde so zum Begründer der modernen Körpertherapien und erweiterte die bloß subjektiv-individuelle und biographische Dimension psychischer Störungen auch noch um soziale und politische Rahmenbedingungen. Sein ambitionierter Versuch einer Synthese aus Psychoanalyse und Marxismus, der u.a. 1931 in Berlin zur Gründung der Sexpol-Bewegung führte aber auch zu unorthodoxen Einsichten über den zur Macht strebenden Nationalsozialismus, stiess dabei auf wenig Gegenliebe, auf beiden Seiten, und endete 1933 erst mit dem Rauswurf aus der KPD und 1934 mit dem Ausschluß aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Mit seiner Lebensenergieforschung bzw. der vermeintlichen Entdeckung der Orgonenergie, die man in speziellen Akkumulatoren sammeln, konzentrieren und zu Heilungszwecken einsetzen könne, sprengte er schließlich auch noch den Rahmen naturwissenschaftlicher Paradigmen in Biologie und Medizin und lieferte damit weiteren Stoff für Kontroversen, die bis in die Gegenwart andauern.Der österreichische Regisseur Antonin Svoboda hat jetzt ein engagiertes Charakterdrama und Zeitporträt über die letzten Lebensjahre von Wilhelm Reich gedreht, nach dem er schon 2009 mit der TV-Dokumentation 'Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?' hervorgetreten war. Seinem aktuellen Spielfilm wird nun von Kritikerseite etwas mangelnde Distanz bzw. eine zu starke Idealisierung seiner Titelfigur vorgeworfen, wobei auch Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer in die Kritik gerät, der in seinem dominanten und selbstbezogenen Spiel die eigene Person zu sehr in den Vordergrund rücken würde. Die übrige Besetzung kommt besser weg, insbesondere Julia Jentsch als Tochter Eva, Jeanette Hain als Reichs Frau Ilse oder Birgit Minichmayr als intrigante Mitarbeiterin von Reich. An Brandauers Schauspielkunst scheiden sich allerdings schon immer die Geister und andere Stimmen loben gerade umgekehrt seine beseelte und gelungene Einfühlung in den eigensinnigen Wissenschaftler und einstigen Sexualrevolutionär.Wilhelm Reichs große Obsession seiner letzten fünfzehn bis zwanzig Jahre war nun tatsächlich die Lebensenergieforschung, wobei es keinen Zweifel daran geben kann, daß es auf jeden Fall irgend eine Art von körperlicher Lebensenergie gibt, die sich auch innerpsychisch als subjektiv erfahrbare Vitalität oder - bei Energiemangel - als innerlich empfundene Leere niederschlägt. Und natürlich ist dieses körperliche bzw. innerseelische Geschehen auch stark mit den sexuellen Vorgängen verknüpft aber auch mit anderen Faktoren wie z.B. der Atmung, der Nahrungs- und Lichtaufnahme, dem Schlaf, der Bewegung, sozialen Austauschprozessen usw. Fraglich muß allerdings bleiben, welchen genauen Charakter man dieser Lebensenergie zuweist, ob man sie also nur im konventionellen Rahmen naturwissenschaftlicher und medizinischer Definitionen als chemisch-physikalisches Kraft-, Licht- und Wärmephänomen fasst, ob diese Definitionen um eine prinzipiell ebenfalls naturwissenschaftlich beschreibbare Sonderform namens "Orgon" erweitert oder gar davon ersetzt werden müssen oder ob etwa altehrwürdige aber vor- und außerwissenschaftliche Konzepte wie z.B. die altindischen bzw. altchinesischen Vorstellungen von "Prana" bzw. von "Chi" hier zu neuen Ehren gelangen. Lebensenergie gibt es also so oder so - aber leider haben Wilhelm Reich und mit ihm alle seine Anhänger und Nachfolger nie die potentielle Begrenztheit der individuellen Lebensenergieressourcen thematisiert, wie sie sich in der grundsätzlichen Endlichkeit und Sterblichkeit des einzelnen z.B. im Kontext des menschlichen Alterungsprozesses manifestiert, ganz unabhängig von Charakterpanzer, gesellschaftlicher Repression oder blockiertem Orgasmusreflex bzw. als deren tiefere und letzte Ursache! (Im Unterschied etwa zu den altchinesischen Taoisten, deren meditative Selbsterfahrungstechniken zur Ansammlung, Speicherung und Kontrolle von "Chi" konsequent in Strategien zur Langlebigkeit und Unsterblichkeit mündeten.) Der italienische Psychoanalytiker Luigi De Marchi (1927-2010), u.a. auch Autor einer eigenen Reich-Biographie, hat die Konsequenzen dieser Ausblendung schon in den 80er Jahren auf den Punkt gebracht, in seinem Buch 'Der Urschock - Unsere Psyche, die Kultur und der Tod', und mit dessen Einsichten lassen sich nicht nur die Größe von Wilhelm Reich angemessen würdigen und verstehen sondern auch seine Schattenseiten und Grenzen, seine Absonderlichkeiten und Abgründe:"Reich hat sicherlich Recht: Es gibt in der Tat keinen Todestrieb. Es gibt keinen unbewußten Wunsch nach Selbstzerstörung, wie es Freud so sonderbar wie hartnäckig angenommen hat, um ein Phänomen wie den Masochismus zu deuten. (...) Aber auch Reich ist nicht im Besitz der ganzen Wahrheit. Denn wenn es wahr ist, daß die Neigung des Menschen, sich und anderen furchtbares Leid aufzuerlegen, häufig Folge einer vergifteten Gesellschaft ist, so ist aber ebenfalls wahr, daß es etwas viel Schrecklicheres gibt als den Todestrieb, wie ihn Freud angenommen und Reich bestritten hat: "Es gibt den Tod, die Angst vor dem Tod und, beim Menschen, das Bewußtsein vom Tode." (kursiv im Original) (...) Aber wo ist der Tod, als diese für das menschliche Leben spezifische, beängstigende Gegenwart, in den Theorien von Freud, von Reich und ihrer orthodoxen oder häretischen Nachfolger? Es gibt ihn nicht. Er ist verdrängt worden, und zwar nach einem Mechanismus, den Freud und Reich für andere beängstigende und unerträgliche Gefühle genau untersucht haben. Die größte aller Ängste, die Angst zu sterben, haben sie nicht wahrgenommen." ('Der Urschock', S. 16/17)PS: Der Film ist am 18. Januar nur in den österreichischen Kinos angelaufen. Ein Starttermin für Deutschland scheint noch nicht vorzuliegen.
Der Regisseur, Drehbuchautor, Darsteller und Produzent Martin Scorsese (geb. 1942 in New York) ist einer der profiliertesten und erfolgreichsten Filmemacher unserer Zeit und Vertreter des New Hollywood. Sein Gesamtwerk besteht bislang aus rund 50 Filmen, darunter 30 abendfüllende Spielfilme, die ein breites Spektrum ganz unterschiedlicher Genres abdecken, vom Gangsterfilm und Thriller über den Musikfilm, das Melodram oder die Dokumentation bis hin zum Kinder- und Fantasyfilm. Aus Anlass seines 70. Geburtstages widmet ihm das Arsenal-Kino nun eine umfassende Retrospektive:"Scorseses Filme sind temporeich, packend, physisch, voller Vitalität und reich an Dialogen. Neben der Intensität der Inszenierung ist der intuitive Umgang mit Musik ein wesentliches Gestaltungselement seines Werks. Die häufig autobiografisch motivierten Filme beschreiben urbane Lebenswelten, dominiert von Gewalt, Misstrauen, Angst und Verrat. In einem überwiegend maskulinen Universum sind einsame Außenseiter, Getriebene, Neurotiker, deren Unsicherheit von Aggressivität überlagert wird, auf der Suche nach Nähe, Geborgenheit und Erlösung. (...) Langjährige fruchtbare Partnerschaften haben Scorseses Karriere mitgeprägt. Drei Schauspieler tragen wesentlich zum Erscheinungsbild der Filme bei. Harvey Keitel war in Scorseses Frühwerk des Regisseurs Alter Ego, Robert De Niro, aufgewachsen im gleichen Viertel, interpretierte acht Hauptrollen für Scorsese, seit zehn Jahren ist Leonardo DiCaprio der bestimmende Darsteller in Scorseses Filmen." (Arsenal-Programmheft)Von seinen Gangsterfilmen, die sich trotz aller genretypischen Unterhaltungswerte meist mehr als ernste Dramen und moderne Tragödien darstellen, sind u.a. 'Mean Streets' (6.12.+27.12.) zu sehen, mit dem Scorsese 1973 seinen künstlerischen Durchbruch feierte, 'The Departed' (7.12.+5.1.), sein fulminantes Remake von 2006 des Hongkonger Thrillers 'Infernal Affairs', das Mafiaepos 'Casino' (15.12.+30.12.) von 1995 über das organisierte Verbrechen in Las Vegas oder auch 'Goodfellas' (21.12.+6.1.) von 1990 über den Aufstieg und Fall eines Mafioso, basierend auf einer wahren Geschichte.Unter all seinen Sozialdramen ist zweifellos 'Taxi Driver' (18.12.+12.1.) aus dem Jahr 1976 der berühmteste Film, der ihm auch große internationale Anerkennung einbrachte und Robert De Niro eine erste Nominierung für den Oscar als bester Hauptdarsteller. Als "unerreichtes Meisterwerk" (Arsenal) gilt allerdings das radikal stilisierte und in Schwarz-Weiß gedrehte Boxerdrama 'Raging Bull' (13.12.+8.1.) von 1980 - deutsch: 'Wie ein wilder Stier' - während die schwarze Tragikomödie 'The King of Comedy' (16.12.+25.12.) von 1983 über einen drittklassigen Komiker eher kontroverse Reaktionen hervorrief. Weniger Beachtung fand dagegen die unterschätzte Groteske 'After Hours' (11.12.+22.12.) von 1985 - 'Die Zeit nach Mitternacht' - über einen jungen Büroangestellten, der eine Nacht voller surrealer Erlebnisse durchleidet.In seinen zahlreichen Dokumentarfilmen dominiert ein sehr persönlicher Zugang zu den jeweiligen Themen wie z.B. auch in seinen verschiedenen Musik-Dokus - Scorsese war u.a. am Schnitt des Woodstockfilms beteiligt - zu sehen sind hier u.a. eine filmische Biographie von George Harrison 'Living in the Material World' (9.+26.12.) von 2011, die Dokumentation 'Italianamerican' (19.12.+2.1.) von 1974 über italienische Einwanderer, in der er auch seine Eltern porträtiert oder zwei Dokus über seine eigene Filmrezeption sowohl des italienischen wie des US-amerikanischen Kinos, 'Il mio Viaggio in Italia' (23.12.+3.1.) von 2001 und 'A Personal Journey with Martin Scorsese through American Movies' (28.12.+15.1.) von 1995.'The Last Temptation of Christ' (29.12.+13.1.) schließlich von 1988 - 'Die letzte Versuchung Christi' - wird hier stellvertretend für seine lebenslange spirituelle Suche gezeigt, die durch das italienisch-katholische Milieu seiner Kindheit vorgeprägt war und die sich z.B. ebenfalls in seinem Spielfilm über die Jugend des Dalai Lama 'Kundun' niederschlug.Schon seit langem setzt sich Scorsese auch für den Erhalt des filmischen Kulturguts ein und hat 1990 zu diesem Zweck eine eigene Stiftung gegründet, die sich vor allem um die Restaurierung bedeutender Werke der Filmgeschichte kümmert. Dieses filmhistorische Interesse spiegelt sich auch in seinem jüngsten Spielfilm 'Hugo Cabret' von 2011 wider (der allerdings nicht im Rahmen der Retrospektive zu sehen ist), jener fantastischen 3D-Hommage an den Ursprung - und den Zauber - der cinematographischen Kunst selbst:"Anlässlich seines 70. Geburtstags widmen wir Martin Scorsese eine umfangreiche Retrospektive und zeigen vom 6. Dezember bis 15. Januar 22 seiner Filme. Die Deutsche Kinemathek wird aus gleichem Anlass am 10. Januar im Filmmuseum die weltweit erste Ausstellung über Martin Scorsese eröffnen. Die Kuratoren der Ausstellung begleiten die Retrospektive mit Einführungen zu ausgewählten Filmen." (Arsenal-Programmheft) Mehr zu den einzelnen Veranstaltungen: siehe die Homepage des Arsenal-Kinos.
"Die Welt: Fangen wir mit dem Schwierigsten an. Ich bitte um eine Zusammenfassung, worum es im "Cloud Atlas" eigentlich geht. In maximal zwei Sätzen.Tom Hanks: Sechs Geschichten demonstrieren, wie kleine Entscheidungen, die die Figuren in ihren Jahrhunderten fällen, die nächsten Tausend Jahre der Menschheitsgeschichte beeinflussen. Ein Satz! Halle Berry: Dem schließe ich mich an. Kürzer und besser geht es nicht." (Aus dem Welt-Online Interview mit den beiden Hauptdarstellern von 'Cloud Atlas', die in dem Film jeweils sechs verschiedene Rollen spielen.)'Cloud Atlas' verwebt nicht nicht nur sechs einzelne Geschichten zu einer größeren Synthese sondern verschmilzt auch ganz unterschiedliche Genres: Abenteuerfilm trifft auf Science Fiction-Mystery-Epos, Liebeskomödie trifft auf Psychothriller, Kriminalfilm trifft auf Polit- und Weltuntergangsdrama. Dem Genremix korrespondieren dabei die ganz großen inhaltlichen Themen und Gefühle, es geht um Willensfreiheit und vollkommene Liebe, um Schuld und Seelenwanderung, um Macht und Machtmissbrauch - und um eine nicht-lineare Erzählweise in atemberaubenden Bildern, die die tiefere Einheit bzw. das innige Aufeinanderbezogensein aller menschlichen Haltungen und Handlungen sinnlich erfahrbar machen soll. Ein solch überbordendes Projekt in Überlänge des mit rund 100 Millionen Euro teuersten deutschen Films aller Zeiten konnte wahrscheinlich mit den Matrix-Machern, den Geschwistern Wachowski, und Tom Tykwer nur von drei Regisseuren gemeinsam gestemmt werden, die die gleichnamige Romanvorlage von David Mitchell zunächst auseinandernahmen, um sie für das Medium Film neu zusammenzusetzen. Das Ergebnis spaltet nun die Kritik extrem, auch wenn die positiven Stimmen zu überwiegen scheinen, und reicht von hymnischen Befürwortern ("kühne, ehrgeizige, großartige Leistung in der Kunst des Erzählens"), über differenziert abwägende Positionen ("weder ein echter Höhenflug in den Himmel, noch eine komplette Bruchlandung") bis hin zu desaströsen Verrissen ("einzigartige und völlig beispiellose Katastrophe"). Bei den negativen Rezensionen wäre allerdings im einzelnen zu eruieren und in Rechnung zu stellen, inwiefern das filmische Leitmotiv der Seelenwanderung zu einer deutlichen Voreingenommenheit geführt hat, denn der typisch säkulare Filmkritiker der Gegenwart kompensiert die begrenzte Anerkennung seiner Zunft nicht selten durch eine übersteigerte Identifikation mit dem herrschenden Schmalspur-Rationalismus szientistischer Weltbilder und wertet alles polemisch ab, was auch nur entfernt den Geruch des spirituellen, religiösen oder gar "esoterischen" aufweist. "Die Seelen wandern über die Zeit wie die Wolken über den Himmel." (David Mitchell, 'Der Wolkenatlas')Die Kernidee von Romanvorlage und Film erinnert nun überraschenderweise an Hermann Hesses großen, wenngleich etwas nüchtern geratenen Roman 'Das Glasperlenspiel' von 1943, wobei die Idee des Spiels ebenfalls als Metapher für die überindividuelle Natur von seelischen Eigenschaften einerseits, für die große Einheit aller Dinge andererseits figuriert. Sein Buch sollte ursprünglich sogar explizit die Idee der Reinkarnation literarisch illustrieren, wovon u.a. die drei (ursprünglich vier) angehängten Lebensläufe von Josef Knecht, der Hauptfigur des Glasperlenspiels, noch Zeugnis ablegen, die in drei verschiedenen Zeitaltern spielen. Hesse veränderte dann die Grundkonzeption angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen in den 30er Jahren und entwarf den vergeistigten Orden der Glasperlenspieler als bewußten humanistischen Gegenentwurf zu den politischen Machtbestrebungen weltlicher Eliten seiner Zeit, eine weitere Analogie zum 'Wolkenatlas' von David Mitchell, der ebenfalls die Hybris der Macht zentral mit dem Thema der Seelenwanderung verknüpft. Ob es sich hier nur um zufällige Übereinstimmungen oder um tiefere Einflüsse handelt, 'Cloud Atlas' liefert auf jeden Fall jede Menge Anregungen und Inspirationen, um über solche Zusammenhänge nachzudenken, denn der rationale Skeptiker kann zwar die Idee der individuellen Reinkarnation in Frage stellen, aber auch er kann nicht leugnen, dass vergangene Ereignisse, Gedanken und Taten in ihren Auswirkungen weit in Gegenwart und Zukunft reichen. Das filmisch-literarische Seelenwanderungsdrama repräsentiert so zumindest eine tiefere psychologisch-soziale bzw. eine symbolische und poetische Wahrheit:"Er erhob sich, ging zum Fenster und blickte nach oben, wo zwischen wehenden Wolken überall Streifen eines tiefklaren Nachthimmels zu sehen waren, voll von Sternen ... Er wies mit der Hand zum Himmel. "Sieh", sagte er, "diese Wolkenlandschaft mit ihren Himmelsstreifen! Beim ersten Blick möchte man meinen, die Tiefe sei dort, wo es am dunkelsten ist, aber gleich nimmt man wahr, dass dieses Dunkle und Weiche nur die Wolken sind und dass der Weltraum mit seiner Tiefe erst an den Rändern und Fjorden dieser Wolkengebirge beginnt und ins Unendliche sinkt, darin die Sterne stehen, feierlich und für uns Menschen höchste Sinnbilder der Klarheit und Ordnung. Nicht dort ist die Tiefe der Welt und ihrer Geheimnisse, wo die Wolken und die Schwärze sind, die Tiefe ist im Klaren und Heiteren ..." (Hermann Hesse, 'Das Glasperlenspiel')
Originaltitel: Cloud AtlasRegie: Tom Tykwer, Lana und Andrew WachowskiLänge: 172 (min)Darsteller: Tom Hanks, Halle Berry, Susan Sarandon, Hugh Grant...Produktionsort: Deutschland/USA/Hong Kong/SingapurProduktionsjahr: 2012Startdatum: 15.11.2012
Schon zum siebten Mal findet im Kreuzberger Moviemento-Kino das Pornfilmfestival Berlin statt. Ein breiter Querschnitt wird zu sehen sein mit Produktionen, "die sich jenseits des pornographischen Mainstreams um andere inhaltliche, dramaturgische oder ästhetische Ausdrucksformen bemühen bzw. die Stereotypen konventioneller Geschlechterkonstellationen sprengen. Geht es im Mainstreamporno - zumindest der Intention nach - vorrangig um die direkte Stimulation sexueller Lust mittels eindimensionaler formaler Mittel beim überwiegend männlichen Zuschauer, werden hier Grenzen gleich in verschiedene Richtungen durchbrochen, hin z.B. zur Kunstperformance, zur Gesellschaftskritik, zur Satire oder zu dokumentarischen Formaten." So stand es anlässlich einer früheren Festivalausgabe vor einigen Jahren schon einmal an dieser Stelle und so besitzen diese Sätze natürlich immer noch ihre Gültigkeit.In den letzten Jahren sind zwar einige Spielfilme im Rahmen des erweiterten Mainstream-Kinos erschienen, die explizite Sexszenen enthalten, wie etwa 'Shortbus', 'Romance' oder '9 Songs', aber insgesamt handelt es sich dabei immer noch um sehr seltene Ausnahmeproduktionen engagierter Filmemacher auf der Suche nach einem freieren Umgang in der filmischen Darstellung von Sexualität. Der pornografische Spielfilm steht auch im Zentrum des 7. Berliner Pornfilmfestivals, das am Mittwoch d. 24.10., 21 Uhr, mit dem freizügigen Familiendrama aus Frankreich 'Chroniques sexuelles d'une famille d'aujourd'hui' über einen sexualutopischen Modellversuch eröffnet wird. Zu sehen sind in diesem Bereich etwa auch der neue Film des schwulen Autorenfilmers Todd Verow 'The endless possibility of sky', die neueste Produktion der feministischen Pornoregisseurin Ovidie aus Paris 'Infidélité' über drei Pärchen, die die Untreue in den Griff kriegen wollen, das schwule Beziehungsdrama 'I want your love', die schräge Lesbenkomödie über die queere Berliner Szene 'Mommy is coming' oder der neueste Film von Frauenpornofilmerin Erika Lust 'Cabaret Desire'.Der eigentliche Schwerpunkt sind hier allerdings Spielfilmklassiker aus dem "Golden Age of Porn", worunter die Zeit von den frühen 70er Jahren bis in die frühen 80er verstanden wird, eine historische Phase, in der die Pornografie überhaupt erst legalisiert wurde und die von den Festivalmacher kurz so charakterisiert wird: "Hardcore-Pornografie trifft auf ausgefeilte Drehbücher, experimentelle Inszenierungsformen und höchsten handwerklichen Anspruch." In diesem Kontext werden u.a. die beiden Kult-Pornos 'The devil in Miss Jones' und 'Behind the green door' gezeigt aber vor allem auch zwei Retrospektiven zweier maßgeblicher Regisseure aus jener Epoche, Radley Metzger und Wakefield Poole, wobei letzterer (wie über 50 andere Filmemacher) während des gesamten Festivals anwesend sein wird: "Weitere ausgesuchte Klassiker des heterosexuellen und schwulen Porno- und Sexfilms komplettieren das Programm zum umfassenden Panorama eines erotischen Kinos, das in die sozialen und sexuellen Befreiungsbewegungen seiner Zeit eingebunden und oftmals eminent politisch war – und das ästhetische Standards setzte, die kaum jemals wieder erreicht wurden." (Veranstaltungstext)Die starke Vertretung von schwullesbischen bzw. queeren Produktionen wurde oben indirekt schon angedeutet. Eine weitere Schwerpunktsetzung sind eine ganze Reihe interessanter Dokumentationen wie etwa der israelische Film 'Pornografie und Holocaust', das Porträt 'Dirty Poole' von Jim Tushinski über den oben schon erwähnten Wakefield Poole, der Klassiker 'W.R. - Mysteries of the organism' u.a. über Wilhelm Reich aus dem Jahr 1971 oder '(A)Sexual', eine filmische Bestandsaufnahme zum Thema Asexualität. Damit hat sich das Programm immer noch nicht erschöpft, denn es sind auch eine Vielzahl von Kurzfilmen unter verschiedenen Labels und teils auch im Rahmen eines Wettbewerbs zu sehen: Masturbation Porn, Fun Porn, Experimental Porn, Fetish Porn, Art Porn, Lesbian & Gay Porn, Female Porn...Im Rahmenprogramm stellt dagegen u.a. ein holländischer Frauenporno-TV-Sender sich und sein Auswahlkonzept vor, 'Schlagzeilen'-Herausgeber Matthias T. J. Grimme bietet zwei Bondage-Performances an, ein weiterer Workshop bietet die Gelegenheit, erste Erfahrungen mit dem Sex vor der Kamera zu sammeln, eine Buchpräsentation wird stattfinden und vieles weitere mehr. Eine Podiumsdiskussion am Sonntag d. 28.10., 14 Uhr 45, fragt schließlich unter der Überschrift 'In Bed Offscreen' wie Sexarbeiter in der Pornoindustrie den Spagat zwischen Pornodreh und (Beziehungs-)Alltag auf die Reihe kriegen. Wie man also sieht: das Pornfilmfestival dürfte wirklich für jeden Geschmack und jedes Erkenntnisinteresse etwas anzubieten haben, weshalb sich ein genaueres Studium des Programms auf der Homepage der Veranstaltung lohnt.Update: Mittlerweile gibt es auch eine Handvoll interessanter Pressestimmen zum Festival, klick den Link!
Die USA Ende der 40er Jahre: Der junge Schriftsteller Sal trifft nach dem Tod seines Vaters auf den lebenshungrigen Dean. Gemeinsam machen sie sich auf eine große Reise gen Westen, begegnen alten Weggefährten, alten und neuen Lieben und schließen neue Freundschaften. Die Fahrt durch das äußere Land wird dabei auch zu einer Expedition in die eigene Seele und führt zum Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen...Der 1957 veröffentlichte Roman 'On The Road' von Jack Kerouac (1922-1969) gilt als Manifest der Beat-Generation, das auch zur starken Inspirationsquelle der nachfolgenden Hippiekultur und späterer Aussteigerbewegungen wurde. In diesem Buch weht der zeitlose Geist der Freiheit und Ungebundenheit, von Rausch und Ekstase, von Aufbegehren und Rebellion gegen die Normen einer alles vereinnehmenden Mainstream- und Konsumkultur. Sein Inhalt wird in lexikalischen Zusammenfassungen auf die Formel "Sex and Drugs and Jazz" komprimiert, wobei es sich bei letzterem um die damalige härtere Avantgarde-Variante des Bebop handelte. Von diesen Klängen ist auch der Sound der vorliegenden Literaturverfilmung des brasilianischen Regisseurs Walter Salles geprägt, der in der Vergangenheit insbesondere mit seinen zwei Filmen 'Central Station' und 'Die Reise des jungen Che' schon größere Aufmerksamkeit erregt hat. Ihm stand in seinem neuen Film eine breite Riege bekannter Darsteller wie z.B. Sam Riley ('Control') oder - in einer Nebenrolle - Kirsten Dunst ('Melancholia') zur Verfügung, wobei insbesondere der erotisch freizügige Auftritt von Hollywood-Jungstar Kristen Stewart ('Twilight') vorab für jede Menge Schlagzeilen in den Boulevardmedien sorgte.Romane sind bekanntlich meistens schwer zu verfilmen, wie ja puristische Leser die Übersetzung des Mediums Literatur in das Medium Film fast nie gelten lassen. Kerouacs Buch mit seiner an genauen Beobachtungen orientierten, atemlos-subjektivistischen und "impressionistischen" Sprache und seinem von der Coolness und der emotionalen Spontanität des Jazz beeinflussten Rhythmus galt hier allerdings schon immer als besonders widerständig. Schon allein unter diesem formalen Aspekt muten die hochgeschraubten Messlatten einer ganzen Reihe von Filmkritikern äußerst seltsam an, wenn sie etwa die Leistung der Schauspieler bekritteln, den schwulen Nebenaspekt der literarischen Vorlage nicht angemessen bebildert sehen, sich generell mit unterschiedlichsten Verbesserungsvorschlägen wie verhinderte Filmemacher gerieren oder gar finden, daß die Verfilmung den rebellischen Geist des Romans nicht richtig transportieren würde. Mindestens bei letzterem Punkt kann man sich beinahe sicher sein, daß der Film nicht halb so misslungen ist, wie von einigen Rezensenten behauptet, denn wieso sollten ausgerechnet Journalisten bzw. Filmkritiker der großen Mainstream-Medien etwas authentisches über den Geist der Rebellion und der Freiheit wissen, was nicht primär Projektion, schlechtes Gewissen und insgeheimer Verrat an den eigenen tieferen (Jugend-)Idealen darstellt!? Letztlich muß sich hier wohl jeder geneigte Kinogänger ein eigenes Urteil bilden - eigentlich wie immer - und sei es nur, um sich zu einer erneuten Lektüre (oder zur Erstlektüre) von 'On The Road' inspirieren zu lassen. Das wäre ja auch nicht das schlechteste...
Originaltitel: On The RoadRegie: Walter SallesLänge: 140 (min)Darsteller: Garrett Hedlund, Sam Riley, Kristen Stewart, Kirsten Dunst...Produktionsort: Frankreich/USA/GroßbritannienProduktionsjahr: 2012Startdatum: 04.10.2012
Afrika im allgemeinen und Schwarzafrika im besonderen gilt als eine Weltregion, in der die Homophobie besonders stark ausgeprägt ist. Experten streiten darüber, ob dies aus patriarchalen Prägungen archaischer Stammeskulturen resultiert, die auch in der Moderne noch weiter fortwirken - ob es sich also mehr um ein Moment verzögerter Entwicklung, von Armut, mangelnder Bildung etc. handelt - oder ob doch eher ein koloniales Erbe in Form von importierter christlich-viktorianischer bzw. islamischer Sexualmoral vorliegt. Wahrscheinlich gibt es für einen Riesenkontinent wie Afrika mit den unterschiedlichsten Ländern, Entwicklungen und historischen Hintergründen beides bzw. liegen im einzelnen komplizierte Mischverhältnisse vor, weshalb man jede Region wohl für sich betrachten müsste. Der partiell liberalere Umgang mit Homosexualität von manch lokaler Tradition deutet allerdings an, daß die Hypothese der importierten Homophobie die wichtigere sein könnte.Ein Land hat sich in den letzten Jahren jedenfalls besonders unrühmlich in der Verfolgung von Lesben und Schwulen hervorgetan und das ist Uganda und hier scheinen tatsächlich christlich-koloniale Einflüsse zu dominieren. Hier hetzt z.B. eine Boulevardzeitung namens 'Rolling Stone' gegen die homosexuelle Minderheit und hier gibt es vor allem Gesetzesvorschläge, die eine lebenslange Haft für Homosexuelle vorsehen, nachdem ursprünglich sogar die Todesstrafe gefordert worden war! Zwei US-Filmemacherinnen haben nun einen Film produziert, der den mutigen Kampf einiger weniger einheimischer schwul-lesbischer Aktivisten gegen die staatliche und mediale Diskriminierung dokumentiert. Im Mittelpunkt steht das tragische Schicksal des 46-jährigen David Kato, der als der erste offen schwul lebende Mann in Uganda gilt und der im Verlaufe der Dreharbeiten von unbekannten Tätern erschlagen wurde. Der Dokumentarfilm wird so einerseits zum ungeplanten Denkmal für einen tapferen Menschenrechtsaktivisten und zeigt gleichzeitig ein so engagiertes wie bedrückendes Kapitel im weltweiten Kampf um sexuelle Emanzipation. Die Filmemacherinnen verzichten dabei völlig auf einen eigenen Kommentar und lassen auschliesslich die Ereignisse und insbesondere die beteiligten Personen zu Wort kommen, wobei dies alles auch keineswegs nur Schwule und Lesben betrifft, denn letztlich ist die Freiheit der Homosexuellen ein verlässlicher Gradmesser der allgemeinen (nicht nur sexuellen) Freiheit überhaupt...Der Film läuft in ausgewählten Programmkinos im Original mit Untertiteln sowie im Rahmen einer bundesweiten Roadshow (Termine in der Rezension auf queer.de, siehe unten) und hat schon verschiedene Preise erhalten, u.a. den Teddy Award für den besten schwullesbischen Dokumentarfilm auf der Berlinale 2012. "Kuchu" heisst übrigens so viel wie "Tunte" bzw. "schwul", wobei die ugandischen Aktivisten versuchen, den ursprünglich abfällig gemeinten Begriff in ihrem Sinne positiv umzudeuten. Der Klick auf die Überschrift führt in den KitKat-Pressespiegel mit zwei Rezensionen, dem Trailer plus einem Wikipedia-Link, der die Gesetze zur Homosexualität in sämtlichen afrikanischen Staaten in einer Tabelle auflistet. Zu einzelnen Ländern gibt es dort weiterführende Einträge und so auch zu Uganda.
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