"Darjeeling Limited", der neue Film von Wes Anderson, lässt drei Brüder durch Indien reisen - eine spirituelle Reise, angetrieben von wunderbar neurotischem Drive. VON CRISTINA NORD
Der YouTube-Trailer zur aktuellen Dokumentation über Leben und Werk von Maria Callas.
Der Trailer zu Kenneth Branaghs aktueller Filmversion von Mozarts Zauberflöte.
"Pünktlich zum Bundesstart von "Schwarze Schafe" geht die Schafe-Crew auf eine Tour durch Deutschland. Es erwarten euch verruchte Schafe-Parties mit allerlei Überraschungen und in drei Städten werden wir auch auf unseren Freund King Khan und seine Shrines treffen, die auf der Bühne stehen, während wir mit euch dazu feiern !"Dates findet Ihr unter "Schwarze Schafe ON TOUR"
Witzig, dass es jetzt einen Film über die Dead Chickens gibt ... kennengelernt haben wir sie 1994 über Falk Richwien, der damals das XXX-Xtrem im 3.Jahr veranstaltete und uns für eine Performance engagiert hatte. Diese nannten wir "When the beauties meet the beast". Daraus entstand dann auch unsere 1. große Party zur XXX-Xtreme, im Anschluß an unser Exil im Vereinheim.Zur Wiedereröffnung in der Turbine, eine Woche später, stellten die Dead Chickens verschiedene ihrer Objekte bei uns aus.
Robert Redford über Angepasstheit und Patriotismus, Macht und Manipulation und seinen neuen Film "Von Löwen und Lämmern".
Vom 1. bis zum 27. Januar veranstaltet das Babylon-Kino Mitte unter der Überschrift „Unknown Pleasures" ein Film Festival, das sich ausgesuchten Perlen des US-amerikanischen Independent Films widmet. Gezeigt werden knapp zwei Dutzend Filme von Abel Ferrara, Amos Poe, Darren Aronofsky aber auch vielen unbekannteren Regisseuren. Sie laufen in der Regel in der englischen Originalfassung, einige davon als deutsche Erstaufführung: „Independent-Filme, so sagt man, sind das Herz des amerikanischen Films. Nicht nur wagen sie sich an Themen heran, welche Hollywood auslässt, sie hinterfragen und fordern auch den Mainstream der Filmindustrie heraus." (Aus dem Begleittext auf der Homepage des Babylon-Kinos, der auch das komplette Programm auflistet.)
Australien 1939: Eine englische Lady reist in den Norden des 5. Kontinents, um ihre Rinderfarm zu retten. In ihrer kultivierten Hilflosigkeit ist sie bald auf die Unterstützung eines kernigen Viehtreibers und eines jungen Halb-Aborigine angewiesen. Die Geschehnisse nehmen eine dramatische Wendung, als der 2. Weltkrieg ausbricht...Wieder ein Stilmix unterschiedlicher Genres, wieder in der Form des ironisch überhöhten Kitsches und wieder mit Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle: In 'Moulin Rouge' präsentierte Regisseur Baz Luhrmann eine überaus erfrischende Mischung aus klassischem Musical, bewegendem Liebesdrama und schrill-überdrehter Komödie in einem farbigen Rausch aus schnell geschnittenen Bildern, prächtigen Kostümen und popmusikalischem Zitatenfeuerwerk. In seinem neuesten Werk will er nicht mehr und nicht weniger als DAS große Australien-Epos liefern, und so ist 'Australia' Komödie, Abenteuerfilm, Liebes- und Kriegsdrama in einem, das sich gleichzeitig auch noch um die ernsthafte Aufarbeitung der australischen Kolonialgeschichte bemüht. Der ein oder andere Kritiker konnte mit den weiten Landschaften und großen Gefühlen nicht viel anfangen, weil ihm die ironischen Brechungen des ganzen Unternehmens verschlossen blieben. Andere jubelten dagegen, daß der Zuschauer des 21. Jahrhunderts vielleicht nur noch auf diese „postmoderne" Weise an die klassischen Monumentalfilme vom Schlage 'Ben Hurs', 'Vom Winde verweht' oder 'Die Brücke am Kwai' anknüpfen könne:„'Australia', und das ist das Wichtigste an diesem Film, enthält das Versprechen auf ein anderes Kino. Ein Kino der Träume; ein Kino der Sehnsucht; ein Kino der Intensität, das gefühlvoll ist, ohne deswegen dumm zu machen. Über weite Strecken erfüllt es sein Versprechen auch. Dass es nicht immer gelingt, macht den Film nicht schlechter – es zeigt nur, wie schwer uns das alles heute fällt." (heise-online)
Originaltitel: AustraliaRegie: Baz LuhrmannLänge: 166 (min)Darsteller: Nicole Kidman, Hugh Jackman, Brandon Walters...Produktionsort: Australien/USAProduktionsjahr: 2008Startdatum: 25.12.08
Vor 100 Jahren wurde die Cineastin Kashiko Kawakita geboren, die in der japanischen Filmszene eine besondere Bedeutung besitzt. Die 1993 verstorbene 'Grande Dame' des japanischen Kinos war mit dem Direktor der Verleih- und Produktionsfirma Towa verheiratet, leitete ein privates Filmarchiv zur Pflege des japanischen Filmerbes und gründete die 'Japan Art Theatre Guild' zum Vertrieb anspruchsvollerer ausländischer Filme in Japan bzw. zur Produktion japanischer Autorenfilme. Ihr zu Ehren zeigt das Berliner Arsenal-Kino im Sony Center am Potsdamer Platz vom 19. Dezember bis zum 5. Februar 24 japanische Filme von 8 verschiedenen Regisseuren, die in der Originalfassung mit englischen Untertiteln präsentiert werden. Zu sehen sind u.a. Filme von Akira Kurosawa, Nagisa Oshima oder Sumiko Haneda, wobei jeder Regisseur mit je drei Filmen vertreten ist. Seltene Gelegenheit für Liebhaber des japanischen Films einige der bekannteren modernen Klassiker wie z.B. Kurosawas 'Rashomon' (z.B. 23. und 27.12.) und noch mehr unbekanntere Meisterwerke und rare Perlen einmal auf der großen Leinwand zu erleben. Dabei gibt das Programm im Moment leider noch keine Auskunft darüber, ob auch Oshimas umstrittener Erotikklassiker 'Im Reich der Sinne' zur Aufführung kommt.Die ehemaligen 'Freunde der deutschen Kinemathek' haben sich Anfang November übrigens umgetauft und nennen sich nun 'Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V.'. Mit der Veränderung des Namens geht auch eine veränderte Programmstruktur, ein neues Erscheinungsbild und eine neue Monatsbroschüre einher, die über das Programm und alle weiteren Aktivitäten des Instituts für Film und Videokunst informiert. Näheres, siehe die Homepage der seit den 60er Jahren bestehenden Kulturinstitution.
Die junge Filmemacherin Cristina (Scarlett Johansson) und ihre Freundin Vicky (Rebecca Hall) treffen bei einem Besuch in Barcelona auf den attraktiven Maler Juan Antonio (Javier Bardem), der sie sogleich heftig anflirtet und ihnen ein Wochenende bzw. eine Nacht zu Dritt vorschlägt. Während Cristina sich bald tiefer auf ihn einlässt, geht Vicky zunächst auf Distanz, fängt aber an, ihr bisheriges Leben in Frage zu stellen. Als dann auch noch Juans quirlige Ex-Frau María Elena (Penélope Cruz) auftaucht, werden die erotischen Verhältnisse vollends unübersichtlich...Die neue Gesellschaftskomödie von (aber nicht mit) Woody Allen hat eine eigentümliche Vorgeschichte, da eine spanische Produktionsfirma dem Filmemacher ein Blankoprojekt anbot unter der Bedingung, daß der Film in Spanien spiele und verschiedene hochkarätige Stars mit von der Partie seien. So ist ein weiterer „Hauptdarsteller" tatsächlich die nicht zufällig schon im Titel auftauchende Stadt Barcelona, denn das heiter-mediterrane aber zugleich urbane Flair der spanischen Metropole gehört untrennbar zu den Verwicklungen der Geschichte dazu (und paßt nur nicht so ganz zum Kinostart mitten im düsteren und kalten Dezember).Woody Allen hat sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach neu erfunden und seiner Themen- und Stoffauswahl, seinen dramaturgischen und stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten, immer weitere Facetten hinzugefügt. Während man in den frühen Jahren noch sagen konnte, er drehe immer den gleichen Film in verschiedenen Varianten, ist er mittlerweile längst sein eigenes Genre geworden, das immer überraschendere Kombinationen und Synthesen hervorbringt. Denn ein Woody Allen-Film kann sein: eine unterschiedliche Spielart von Komödie, ein romantischer Liebesfilm, eine zynisch-satirische Kriminalgeschichte, ein existentialistisches Melodram, eine düster-nihilistische Farce, eine psychologische Charakterstudie, ein kritisches Gesellschaftsportrait... ...oder alles zugleich oder nichts von alledem oder etwas völlig neues! 'Vicky Cristina Barcelona' knüpft mit seinen pointierten Dialogen und fröhlich-verzwickten Beziehungsproblemen zwar vordergründig eher an Allens komödiantisch akzentuierten Werksträngen an, aber der Autorenfilmer hat die Kunst der wechselseitigen Ineinanderblendung des Komischen und des Tragischen mittlerweile so sehr perfektioniert, daß seine Pointen mit ihren seelisch-psychologischen Doppelbödigkeiten nicht selten ins Reich des Abgründigen und Ernsten verweisen. Durch diese fulminante Doppeldeutigkeit lassen sich seine Filme daher schon lange auch als so unterhaltsame wie lehrreiche Illustrationen für die Dualität bzw. Polarität aller Erscheinungen ansehen, auch wenn ihm die mystische Vereinigung aller Gegensätze dabei noch nicht gelungen ist. Zumindest auf filmisch-künstlerischer Ebene nähert er sich dem aber immer weiter an.
Originaltitel: Vicky Cristina BarcelonaRegie: Woody AllenLänge: 96 (min)Darsteller: Scarlett Johansson, Javier Bardem, Penélope Cruz, Rebecca HallProduktionsort: USAProduktionsjahr: 2008Startdatum: 04.12.08
Die Bilder des von Gegendemonstranten verletzten Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der im Mai 2006 aus Solidarität an einer Moskauer Schwulendemonstration teilgenommen hatte, fanden weltweite Medienbeachtung und lenkten die internationale Aufmerksamkeit auf die Lage der Homosexuellen in Rußland. Dieser Vorfall war einer der Anlässe, die den Filmemacher Jochen Hick - mittlerweile Chefredakteur des schwulen Fernsehsenders 'Timm' - dazu bewegten, über die Situation der Moskauer Schwulen und Lesben eine Dokumentation zu machen. So begleitete er einen der wenigen politischen Aktivisten über einen längeren Zeitraum und lässt dabei die unterschiedlichsten Protagonisten zu Wort kommen: einen schwulen Verleger, einen bekannten DJ, einen bisexuellen Fotografen, eine Ikone der Lesbenbewegung, einen Travestiekünstler und viele weitere mehr. Dabei entstand das zwar informative aber doch überwiegend deprimierende Bild einer in sich zerstrittenen Szene, in der die übergroße Mehrheit der Homosexuellen sich anscheinend mit den repressiven Verhältnissen arrangiert hat, um im heterosexuellen Mainstream nicht weiter anzuecken und das Glück im privaten zu suchen. Völlig überraschen kann dieses Ergebnis allerdings nicht wirklich, wenn man überlegt, wie lange eine liberalere Öffnung auch im Westen gedauert hat. Dabei waren ebenfalls große gesellschaftliche Widerstände zu überwinden, wobei dieser Prozeß sowohl ökonomische wie kulturelle Voraussetzungen hatte, die so oder in diesem Ausmaß in der Ländern des ehemaligen Ostblocks nicht gegeben waren. Sie dürften auch heute noch zum größeren Teil fehlen... (Wer diesen Hinweis noch rechtzeitig liest: Jochen Hick ist am 1. Dezember um 20 Uhr bei der Vorführung des Films im Kino Krokodil, Berlin, Prenzlauer Berg, anwesend und steht seinem Publikum für Fragen zur Verfügung.)
Originaltitel: East/West - Sex & PoliticsRegie: Jochen HickLänge: 97 (min)Produktionsort: DeutschlandProduktionsjahr: 2008Startdatum: 27.11.08
Skurile Typen, komische bis schrill-bizarre Situationen, turbulente aber eher nebensächliche Handlungen verrührt mit einer kräftigen Dosis (in der Vergangenheit oft auch schwulem) Sex: Das sind die Filme des Trash- oder besser Low Budget-Filmers Lothar Lambert. Das West-Berliner Urgestein produziert seit Anfang der 70er seine mal mehr witzig oder sarkastisch, mal mehr melancholisch bis depressiv akzentuierten Tragikkomödien und wirkt dabei fast wie eine lokale Underground-Ausgabe des spanischen Kult-Regisseurs Pedro Almodóvar. Mit einer wiederkehrenden Darstelleriege zeigt er gewöhnlich viel Mut zur Improvisation, wobei man in seinen frühen Filmen u.a. auch studieren kann, wie ein „erotic fantasy outfit" einmal gestern und vorgestern ausgesehen hat.Mit 'Im tiefen Tal der Therapierten' bringt Lambert nun seine 33. Produktion in die Kinos, die im Titel ironisch auf Russ Meyers Soft-Porno-Klassiker 'Im tiefen Tal der Superhexen' anspielt. Die etwas unübersichtliche Handlung sei nur angedeutet: Ein Künstler liegt im Streit mit seiner Partnerin bzw. seinen Eltern und hegt eine Obsession für Totenköpfe, ein Mann pflegt eine seltsame Beziehung zu seiner tablettenabhängigen Schwester und alle sind in Therapie beim Psychologen Dr. George... Es geht um die Kunst und den Erfolg, das Altern, den Sex und das Scheitern von Beziehungen - und immer geht es auch um die höchst eigenwillige Sicht des Filmemachers auf das ganze Leben, die oft erhellend und erfrischend, manchmal anstrengend bis nervtötend aber niemals langweilig ist. Der subversive Witz von Lamberts Filmen, der im deutschen Kino eher selten ist, muß jedenfalls von einem jüngeren, nachwachsenden Szene-Publikum immer wieder neu entdeckt werden, während der Mainstream-Kinogänger mit seinen starren Sehgewohnheiten und eingeschränkten Unterhaltungsbedürfnissen dem ganzen besser fern bleibt.
Originaltitel: Im tiefen Tal der TherapiertenRegie: Lothar LambertLänge: 76 (min)Darsteller: Alexander K., Magy da Silva, Dieter Rita SchollProduktionsort: DeutschlandProduktionsjahr: 2008Startdatum: 20.11.08
Der Geheimagent Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten ist zurück auf der großen Kinoleinwand und stürmt weltweit an die Spitze der Charts. Der mit 106 Minuten kürzeste Bond aller Zeiten zeichnet sich durch gewohnt atemberaubende Stunts, tolle Locations, wenig Sex, eine passable Story um einen Öko-Schurken und einen ungewöhnlich finsteren bis rachsüchtigen Titelhelden aus. Letzteres erklärt sich durch die Vorgeschichte, denn erstmals wurde das Prinzip der in sich abgeschlossenen Handlung aufgegeben, und so setzt „Ein Quantum Trost" genau dort ein, wo der Vorgänger tragisch endete. Für all jene, die diesen Vorgängerfilm noch nicht kennen, empfiehlt es sich daher zum besseren Verständnis, „Casino Royale" vorher auf DVD anzusehen, da der neue Film sich nicht besonders mit den Einzelheiten dieser Vorgeschichte aufhält.Ist Daniel Craig aber nun der beste Bond aller Zeiten, wie es manche Kritiker und Fans lauthals verkünden? Das ist gewiss nicht nur Ansichts- oder Geschmackssache sondern auch eine Frage des Alters, denn diese Art des kommerziellen Identifikationskinos funktioniert vor allem bei einem jüngeren Publikum, und für das ist natürlich immer der aktuelle Bond der schönste, beste und - psychologisch gesehen - effektivste. Das Identifikations- und Kompensationsangebot für die entfremdeten Massen, wie man in früheren Zeiten „sozialkritisch" formuliert hätte, liegt hier allerdings nur noch in einer düsteren und gebrochenen Form vor, so daß die Demontage der Superhelden, wie sie sich schon in „The Dark Knight" andeutete, weitergeht. Zum letzten Batman-Film wurde hier an dieser Stelle noch spekuliert, ob die Zeichen der realen Welt wirklich schon auf Sturm stünden - siehe den Text auf den Unterseiten zu den Kino-News - aber nach dem Hurrikan der letzten Wochen, der das internationale Finanzsystem in den Abgrund gestürzt hat und eine drohende Weltwirtschaftskrise heraufbeschwört, bräuchte die Welt eigentlich weniger einen mörderisch-zerrissenen Hans-Dampf-in-allen-Gassen sondern tatsächlich nur noch ein gehöriges „Quantum Trost". Vielleicht ist das ja mit ein Grund für den Sieg von Barack Obama...
Originaltitel: Quantum of SolaceRegie: Marc ForsterLänge: 106 (min)Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric...Produktionsort: GroßbritannienProduktionsjahr: 2008Startdatum: 06.11.08
Nach 'We feed the world' wendet sich Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer einem brandaktuellen Thema zu, obwohl 'Let's make money' schon vor den jüngsten Zuspitzungen der internationalen Finanz- und Bankenkrise fertiggestellt wurde. In seiner neuesten Dokumentation untersucht er die Verflechtungen der globalisierten Wirtschaft und arbeitet deren Antriebskräfte heraus. Dabei lässt er vor allem Macher wie Betroffene zu Wort kommen, um mosaikartig ein Gesamtbild der weltweit herrschenden ökonomischen Verhältnisse zusammenzusetzen, und so treffen dann Statements von Bankern, Managern, Wirtschaftsfachleuten und politischen Interessensfunktionären auf die Aussagen von Baumwollpflückern, Obdachlosen, Migranten u.ä. Gruppen. Wagenhofer enthält sich zwar weitgehend einer eigenen Stellungnahme und rückt auch nur partiell explizite Kritiker der Globalisierung oder des Kapitalismus ins Bild, dennoch sind seine Sympathien durch eine entsprechende Auswahl und Komposition der unterschiedlichen Stimmen klar. Er zeichnet so das düstere Bild einer Welt, die von Geldgier, Zynismus und Eigennutz beherrscht wird und die für das oberste Ziel der Gewinnmaximierung nicht nur im übertragenen sondern unter bestimmten Umständen auch im wortwörtlichen Sinne über Leichen geht...Die Kritiken zu 'Let's make money' sind eher gemischt, da der Film den einen zu harmlos und oberflächlich erscheint, während er den anderen schon zu radikal ist. Es kommt hinzu, daß das Medium Film emotionale und moralische Akzente setzt, die für das analytisch-abstrakte Verständnis der tieferen ökonomischen und politischen Zusammenhänge unangemessen sind, und schon Karl Marx warnte ja vor einer rein moralischen Kapitalismuskritik. Nach dem historischen Scheitern der realsozialistischen Alternativen in der Nachfolge von Marx wird allerdings eine hermetisch geschlossene Kritik der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die nicht auch deren positive Aspekte etwa des Marktmechanismus oder vor allem der entfesselten Produktivität wirklich berücksichtigt, noch schneller unglaubwürdig als in früheren Zeiten. Einseitige Zuspitzungen bzw. anschauliche Illustrationen der Schattenseiten des Kapitalismus mögen daher von Zeit zu Zeit ihre Berechtigung und schmerzliche Notwendigkeit haben - eine echte und funktionierende Alternative ist damit aber noch lange nicht in Sicht.
Originaltitel: Let's Make MoneyRegie: Erwin WagenhoferLänge: 110 (min)Produktionsort: ÖsterreichProduktionsjahr: 2008Startdatum: 30.10.08
„Bohème bezeichnet eine non-konforme, oft „wilde", „schillernde" Art zu leben, neben oder sogar gegen gesellschaftliche Konventionen (...). Diese Art zu leben sei vor allem verbreitet in Künstlerkreisen, bei Malern, Dichtern und Literaten, sowie Studenten. Bürgerliche Töchter und Söhne verweigerten sich oft den Normen und Gepflogenheiten ihres Elternhauses und ihrer Klasse und lebten das Leben eines Bohémiens, das häufig als authentischer, eigenständiger, ursprünglicher und weniger entfremdet erlebt wurde. (...)" (Wikipedia)Techno-Musik erinnert mit all ihren intensiven, dichten und gelegentlich sogar pathetischen Momenten nicht selten an die dramatische Überschwänglichkeit großer Oper, und so ist es wahrscheinlich kein Wunder, daß sich auch unter Techno-Fans der ein oder andere echte Opern-Liebhaber findet. (Man studiere einmal unter diesem Gesichtspunkt z.B. die Mitglieder-Profile hier im HedonistsSpace.) Opern-Musik wird allerdings genau von jenem musikalischen Element geprägt, das im Techno - von vereinzelten Samples abgesehen - weitgehend fehlt, nämlich der Magie des Gesangs und großer Stimmen, und vielleicht liegt in diesem Ergänzungsverhältnis auch das Geheimnis der tieferen Seelenverwandtschaft zwischen den beiden sonst so unterschiedlichen Musikrichtungen.Große Stimmen, große Gefühle und leidenschaftliche Intensität kann man nun auch in der Verfilmung der Puccini-Oper 'La Bohème' erleben, die seit dem 23. Oktober auf der großen Kinoleinwand und hoffentlich mit der Unterstützung einer je angemessenen Sound-Anlage läuft. Die Hauptrollen in der tragischen Liebesgeschichte aus dem Pariser Künstlermilieu des 19. Jahrhunderts werden von der russisch-österreichischen Sopranistin Anna Netrebko und dem mexikanischen Tenor Rolando Villazón gespielt und gesungen, hierzulande auch einem opernferneren Publikum durch ihre verschiedenen Auftritte in 'Wetten, dass' bekannt. 'La Bohème' lebt dabei vor allem vom Gesang des 'Traumpaars der internationalen Opernszene', während Kritiker Zweifel haben, inwiefern die Verschmelzung von Film und Oper wirklich gelungen ist.
Originaltitel: La BohèmeRegie: Robert DornhelmLänge: 109 (min)Darsteller: Anna Netrebko, Rolando Villazón, Nicole Cabell...Produktionsort: Deutschland/ÖsterreichProduktionsjahr: 2008Startdatum: 23.10.08
Kontroverser Film eines kontroversen Regisseurs: Bis heute gilt Pier Paolo Pasolinis „Die 120 Tage von Sodom" wegen seiner expliziten Darstellungen von Folter und sexueller Gewalt als eines der umstrittensten Werke der Filmgeschichte. Nun startet der Film von 1975 mit neuen, ungekürzten und restaurierten Kopien in ausgewählten Programmkinos. Die Handlung beruht auf dem gleichnamigen Roman von Marquis de Sade, die aber von Pasolini in die sogenannte Republik von Salò verlegt wurde, einem faschistischen Marionettenstaat in Norditalien gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Repräsentanten des untergehenden Systems quälen und missbrauchen verschiedene Männer und Frauen zu ihrem eigenen Vergnügen und nach einem ausgeklügelten System, um sie schließlich zu ermorden: „In der Erzählstruktur lehnte sich Pasolini auch an Dantes Inferno an: Der Film ist in drei Segmente geteilt, die Höllenkreise der Leidenschaft, der Scheiße und des Blutes, von denen aus Parallelen zur Vorhölle der Göttlichen Komödie gezogen werden können." (Wikipedia) Bei seiner Erstveröffentlichung löste der Film einen regelrechten Kulturkampf aus, in dem nicht nur um den künstlerischen Wert sondern auch um Verbot, Indizierung und die Freiheit der Kunst gerungen wurde. In Pasolinis Interpretation des literarischen Klassikers erscheinen der deutsche und italienische Faschismus als das zwangsläufige Resultat de Sadscher Sexualobsessionen, wobei diese politische Dimension im öffentlichen Streit der 70er weitgehend ausgeklammert blieb, der sich ganz auf die sexuellen Tabubrüche focussierte. Andererseits ist es aber auch nur teilweise überzeugend, Faschismus und Nationalsozialismus auf dämonisierte Figuren pervertierter Lustsucher zu reduzieren, denn das Element der (sexuellen) Lust taucht in der faschistoiden Triebökonomie allenfalls in äußerst verdrehter und verstellter, also verdrängter Form auf, während an der bewußten Oberfläche Vorstellungen von Triebverzicht, Selbstkontrolle und Askese dominieren. Pasolinis politisch-historische Engführung de Sades kann so zwar wichtige Aspekte des kollektiven Unbewußten der 'Massenpsychologie des Faschismus' ins Sichtbare und Anschauliche heben, dem allgemeineren und überhistorischen Wesen menschlicher Gewaltbereitschaft wird er damit aber nur ansatzweise gerecht.
Originaltitel: Salò o le 120 giornate di SodomaRegie: Pier Paolo PasoliniLänge: 113 (min)Darsteller: Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Aldo Valletti...Produktionsort: ItalienProduktionsjahr: 1975Startdatum: 23.10.08
Durchfeierte Nächte, jede Menge Sex, Termindruck und zuviel Drogen: Der erfolgsverwöhnte DJ Ickarus kommt bei seinen Höhenflügen der Sonne zu nah und landet erstmal in der Psychiatrie. Dort soll ihn die behandelnde Therapeutin wieder realitätstauglich machen...Vor dem Hintergrund der Berliner Techno-Szene ist 'Berlin Calling' einer der wenigen wenn nicht der erste Spielfilm, der die Atmosphäre und Energie der elektronischen Musikkultur und das damit verbundene Lebensgefühl authentisch vermittelt. DJ Paul Kalkbrenner lieferte dabei nicht nur den Sound zum Film sondern überzeugt auch als einprägsamer Hauptdarsteller in seinem Schauspieldebüt. Die Stimmigkeit und Glaubwürdigkeit des Rahmens wird dadurch weiter erhöht, daß echte Parties gefilmt wurden, anstatt sie mit Statisten künstlich und realitätsfern im Studio nachzustellen. Dabei will der Film aber mehr sein, als eine bloße Bestandsaufnahme der Techno-Kultur: "Ein reiner Szenefilm hat uns nie interessiert. Unsere Vision war immer, einen Film über Kunst und Wahnsinn zu machen, über Rausch und Ekstase, über den täglichen Überlebenskampf, über Beziehungen, Freunde, Familie, Liebe, Hoffnung, Zukunft, und auch darüber, wie wichtig es ist, ein Ziel im Leben zu haben." (Regisseur Hannes Stöhr)Allerdings ist es nicht ganz unproblematisch und bestätigt zunächst gängige Vorurteile, die idealtypische Verwendung und Beschwörung von Techno-Musik ausgerechnet mit einer Beinahe-Tragödie zu verbinden. Der Film spiele eine mögliche andere Variante des realen Lebens von Kalkbrenner durch, heißt es dazu zwar schon relativierend in der Filmbesprechung der Süddeutschen Zeitung, aber konstruktiver noch formuliert es die Schlußaussage im Beitrag des ARD-Magazins 'Polylux' nach einem Gespräch mit dem Hauptdarsteller von 'Berlin Calling'. Der reale DJ Paul Kalkbrenner sei deutlich weiterentwickelt wie sein alter ego DJ Ickarus im Film, wird dort pointiert herausgearbeitet. Wieviel schmerzvoll-gelebte Erfahrung sich freilich auch dahinter noch verbirgt, weiß letztlich nur der Künstler selbst, könnte man ergänzend hinzufügen.
Originaltitel: Berlin CallingRegie: Hannes StöhrLänge: 105 (min)Musik: Paul KalkbrennerDarsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch...Produktionsort: DeutschlandProduktionsjahr: 2008Startdatum: 02.10.08
Ist 'Der Baader Meinhof Komplex' der wichtigste deutsche Film des Jahres? Handelt es sich dabei um einen dramatischen Spielfilm oder ist es mehr ein Doku-Drama? Bringt der Film neue Erkenntnisse über den linksradikalen Terrorismus der 70er? Trägt er zur Entmystifizierung der RAF bei - oder wird die RAF durch ihn weiter mythologisiert? Haben Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Nadja Uhl u.a. zu sympathische Gesichter, um die Terroristen glaubwürdig zu verkörpern? Wird der Film den Opfern in ausreichendem Maße gerecht? Ist ein solcher Film notwendig oder haben wir heute andere Probleme? Bildet die Vorlage von SPIEGEL-Ex-Chefredakteur Stefan Aust die Geschehnisse richtig ab oder hat Stefan Aust einen Baader-Meinhof-'Komplex'? Ist Stefan Aust 'RAF(F)-gierig'? Ist der Film nur Ausdruck eines allgemeinen 'RAF-Business'? Werden die politischen Rahmenbedingungen der Zeit im Film adäquat dargestellt? Werden die Taten der terroristischen Attentäter verharmlost? Hätte Andreas Baader im Film nicht eigentlich lispeln, Gudrun Ensslin nicht schwäbeln müssen? Haben manche Filmkritiker vielleicht einen an der Waffel? Darf man über die RAF einen Spielfilm mit unterhaltsamen Elementen des modernen Action-Kinos drehen? Was hat die Geschichte des linksradikalen Terrorismus heutigen Generationen noch zu sagen? Wird 'Der Baader Meinhof Komplex' von nun an alle Erinnerungen an das historische Geschehen dominieren? Liefert der Film mit 30-jähriger Verspätung genau jene Bilder eines brutalen Geschehens nach, die ein ganzes Volk bislang nur kollektiv imaginieren konnte?Antworten ab Donnerstag dem 25. September - vielleicht - im Kino.
Originaltitel: Der Baader Meinhof KomplexRegie: Uli EdelLänge: 150 (min)Darsteller: Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek, Nadja Uhl, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Hannah Herzsprung, Jasmin Tabatabai, Jan Josef Liefers... Produktionsort: DeutschlandProduktionsjahr: 2008Startdatum: 25.09.08
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Netzware von Andreas Wittich