"If the doors of perception were cleansed, everything would appear to man as it truly is, infinite". Anlässlich der neuen Dokumentation über die Doors, die seit dem 1. Juli 2010 in den Kinos läuft, hier eine kleine Auswahl von YouTube-Links mit Stücken der Sixties-Kultband, schwerpunktmässig als Techno-/Trance-Bearbeitungen:
Faces come out of the rain...When you're strange... No one remembers your name...(Meave de Tria's Alternative Mix)
You know the day destroys the night...Night divides the day...Tried to run, Tried to hide...Break on through to the other side!...(DJ Swamp Remix)
You know that it will be untrue...You know that I will be a liar...If I was to say to you...Girl, we couldn't get mucht higher...(Hot Rocks Club Remix)
Once I had, a little game...I liked to crawl, back into my brain...I think you know, the game I mean...I mean the game, called "go insane"...(Daytona Team y Senmove featuring Jim Morrison)
Not to see the sun...nothing left to do,but run, run, run...(Unlock the Doors, Remix by DJ Paul Edge)
...my only friend, the end...I'll never look into your eyes...Again...(Dirty South Remix)
Jim Morrison, der Leadsänger der Doors, sah sich in erster Linie mehr als Dichter denn als Musiker. Nach seinem Tod unterlegte der Rest der Band Gedichtrezitationen von ihm mit neu komponierter Musik auf dem Album 'An American Prayer'. (Electro House-Mix by Mory Yacel)
Riders on the storm...Into this house we're born...Into this world we're thrown...(Chill Out Remix)
Hier das Stück, aus dessen Text sich der Titel zur neuen Doors-Dokumentation ableitet, noch einmal, aber in der Symphonic Version von Stargeiger Nigel Kennedy.
Willkommen im Magischen Theater: Eintritt nur für Verrückte! Oliver Stones Musik-Drama von 1991 über die Kultrockband der 60er öffnet die Pforten der Wahrnehmung und entführt in ein ganz eigenes Spiegelkabinett seelischer Abgründe und geheimer Obsessionen. Mit einem überragenden Val Kilmer als Jim Morrison, der hier als Dionysos der Pop-Kultur inszeniert wird, als altgriechischer Gott des Weines, des Festes, der rauschhaften Ekstase.
"Pünktlich zum Bundesstart von "Schwarze Schafe" geht die Schafe-Crew auf eine Tour durch Deutschland. Es erwarten euch verruchte Schafe-Parties mit allerlei Überraschungen und in drei Städten werden wir auch auf unseren Freund King Khan und seine Shrines treffen, die auf der Bühne stehen, während wir mit euch dazu feiern !"Dates findet Ihr unter "Schwarze Schafe ON TOUR"
Witzig, dass es jetzt einen Film über die Dead Chickens gibt ... kennengelernt haben wir sie 1994 über Falk Richwien, der damals das XXX-Xtrem im 3.Jahr veranstaltete und uns für eine Performance engagiert hatte. Diese nannten wir "When the beauties meet the beast". Daraus entstand dann auch unsere 1. große Party zur XXX-Xtreme, im Anschluß an unser Exil im Vereinheim.Zur Wiedereröffnung in der Turbine, eine Woche später, stellten die Dead Chickens verschiedene ihrer Objekte bei uns aus.
"Habe nun // ach! // Philosophie, Juristerei und Medizin // und leider auch Theologie! // durchaus studiert, mit heißem Bemühn. // Da steh' ich nun, ich armer Tor // und bin so klug als wie zuvor!..."So beginnt der Eröffnungsmonolog des berühmtesten Dichtwerks der deutschen Sprache, des Fausts von Johann Wolfgang von Goethe, das zahllose - und zeitlose - Motive in sich versammelt: die Sinnsuche nach den letzten Dingen, das Leiden an der Religion, der Pakt mit dem Teufel, der Wunsch nach ewiger Jugend, die Schaffung eines künstlichen Menschens, die Sehnsucht nach Liebe zwischen Sinnlichkeit und Gleichgültigkeit und vieles weitere mehr. Vielfältig sind seine Themen, noch vielfältiger die Deutungen, die dieses so imposante wie schillernde Sprachkunstwerk erfahren hat, von der Allegorie auf die herzlos-kalte Erkenntnissuche der rationalistischen Wissenschaft, über die Hybris der Religionskritik oder die prophetische Vorwegnahme der Abgründe und Katastrophen der deutschen Geschichte bis hin zu den ambivalenten Visionen der modernen Biotechnologie. Der heutige Zeitgenosse kennt dabei meist nur noch Bruchstücke und sinnentleerte Fragmente des Dramas, oft in Form von in die Alltagssprache abgesunkenen Redewendungen, Sprachbildern und Sprichwörtern, deren Herkunft nicht mehr bekannt ist oder gerade mal in Günther Jauchs Ratesendung kurzzeitig dem Vergessen geraubt wird à la "das ist des Pudels Kern", "faustischer Pakt", "zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust", "nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", "der Worte sind genug gewechselt", "hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein", "grau ist alle Theorie", "Gefühl ist alles", "Namen sind Schall und Rauch", "mit Worten lässt sich trefflich streiten", "die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" etc.pp.Das unzählige Male auf deutschen Bühnen gespielte Theaterdrama gilt mit seiner Sprachgewalt und seinen kunstvollen Versen naturgemäß als schwer verfilmbar, obwohl es schon einige Verfilmungen erlebt hat, oft allerdings nur als abgefilmtes Theaterstück. Der russische Regisseur Alexander Sokurow hat nun - als Abschluß einer Tetralogie über die Macht und das Böse mit Filmen über Hitler, Lenin und den japanischen Kaiser Hirohito - einen anderen Ansatz gewählt und damit die Kritiker zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Dies brachte ihm u.a. letztes Jahr den Golden Löwen bei den 68. Internationalen Filmfestspielen von Venedig ein. Sokurow übernahm nur das grobe Skelett der Handlung, legte den Schwerpunkt auf die Gretchentragödie, liess das ganze von deutschen Schauspielern in deutscher Sprache spielen (die aber nur ganz vereinzelt die Originalverse rezitieren) und fand dabei überzeugende und teils überaus faszinierende Bilder und Visualisierungen für zentrale Elemente des Stücks. Heraus kam eine äußerst eigenwillige aber in sich schlüssige Interpretation des Dramas, deren betörende Farbdramaturgie auch eine Hommage an die Murnau-Verfilmung von 1926 darstellt und deren Musik mit Anklängen an Wagner und Mahler die beschworene märchenhaft-surreale Atmosphäre kongenial unterstützt. Sokurow geht so einerseits sehr frei mit der literarischen Vorlage um und kann doch einem zeitgenössischen Publikum die tieferen Schichten des Stoffes aufschliessen und neu beleben bzw. das erstemal überhaupt nahe bringen..."Ach wenn in unsrer engen Zelle // Die Lampe freundlich wieder brennt, // Dann wird's in unserm Busen helle, // Im Herzen, das sich selber kennt. // Vernunft fängt wieder an zu sprechen // Und Hoffnung wieder an zu blühn; // Man sehnt sich nach des Lebens Bächen, // Ach! nach des Lebens Quelle hin."
Originaltitel: FaustRegie: Alexander SokurowLänge: 134 (min)Darsteller: Johannes Zeiler, Isolda Dychauk, Anton Adassinsky, Georg Friedrich, Hanna Schygulla...Produktionsort: RusslandProduktionsjahr: 2011Startdatum: 19.01.2012
London um 1880: Der Arzt Dr. Robert Dalrymple massiert in seiner gut gehenden Praxis reichen Damen den Unterleib, um sie von ihren "hysterischen" Symptomen zu befreien. Wegen des großen Erfolges muß er einen jungen fortschrittlichen Kollegen einstellen, Dr. Mortimer Granville, der sich bald auch zu den beiden Töchtern seines Chefs hingezogen fühlt. Als Granville wegen einer Sehnenscheidenentzündung Probleme mit seiner Arbeit bekommt, wird dies zum Anlaß und Ausgangspunkt einer folgenreichen Erfindung...Was auf den ersten Blick klingt wie der Plot eines drittklassigen Pornos - "Herr Doktor, Herr Doktor, sie machen das ja sooo gut!" - entpuppt sich schnell als eine beschwingte Liebeskomödie vor ernstem geschichtlichem Hintergrund. US-Regisseurin Tanya Wexler gelang so mit ihrem dritten Film (nach 'Finding North' und 'Ball in the House') eine originelle Satire über die Erfindung des Vibrators, wobei sie weniger Wert auf historische Genauigkeit legte als auf eine hintersinnige Analyse des Viktorianismus mit den Mitteln des Unterhaltungskinos. Dabei wurde sie von einem ausgezeichneten Darstellerensemble unterstützt, allen voran Maggie Gyllenhaal als die ältere der beiden Arzttöchter, die schon in ihrer Titelrolle in der Sadomaso-Komödie 'Secretary' ein Faible für erotische oder ironisch-frivole Stoffe jenseits des Hollywood-Mainstreams bewiesen hat.Man mag es kaum glauben und auch wenn man weiß, daß der Film satirisch verfremdet, verdichtet und überhöht, so beruhen seine Kernaussagen über das damals akzeptierte Krankheitsbild der Hysterie und die Erfindung des Vibrators tatsächlich auf medizinischen und historischen Fakten! Genau genommen handelte es sich beim grotesken Puritanismus des 19. Jahrhunderts, der Frauen jegliches Lustempfinden absprach, um eine einzige folgenschwere Realsatire, der freilich eine jahrhundertealte Geschichte religiös geprägter Sexualmoral zu Grunde lag. Letztlich reichen auch die aufklärerischen Mittel von Humor und Satire kaum an den einstigen kollektiven Wahn heran, der primär natürlich nicht die im Film geschilderten komisch-absurden Verwicklungen auslöste sondern zu massenhaftem Beziehungselend und weiteren Leidenserfahrungen führte. (Wilhelm Reich nannte das Ausmass des resultierenden gesellschaftlichen Sexualdesasters dementsprechend und kaum pathetisch übertreibend "emotionale Pest".) Wenn man sich zudem klarmacht, daß uns von den viktorianischen Verhältnissen - die sowieso als dominierendes Moralregime weit ins 20. Jahrhundert hineinreichen - gerade einmal drei bis vier Generationen trennen, erklären sich sofort unzählige Streitpunkte und Konflikte, Rückschläge und Widersprüchlichkeiten jüngerer bzw. aktueller gesellschaftlicher Debatten um Erotik und Sexualität.Sehr interessant ist dabei auch die dialektische Rolle der modernen Medizin, wie sie der Film indirekt andeutet. Einerseits wird die Medizin zum Ausdruck des neuzeitlichen Rationalismus, der mit seiner grundlegenden Distanz zur Dimension der emotionalen Erfahrung zunächst ein unbewußtes Bündnis mit der christlich-puritanischen Sexual-, Frauen- und Körperfeindlichkeit des viktorianischen Zeitalters eingeht oder sogar auf die Spitze treibt. Ihre nüchterne Unvoreingenommenheit allerdings, im Verbund mit wissenschaftlichem Erkenntnisdrang, expliziter Religionskritik und engagierter Heilungsabsicht, führt schließlich jedoch zu einem fundamentalen Umschlag der geistigen Orientierung, bei der plötzlich die stärksten sexuellen Leidschaften und Empfindungen aber auch religiöse und andere moralische Tabus ins rationale Licht des öffentlichen Diskurses treten können. Dieser dialektische Umschlag ist natürlich vor allem mit dem Namen Sigmund Freuds verbunden, des Begründers der Psychoanalyse, der seine intellektuelle Karriere ja auch als Arzt begann, wobei die grundlegende Ambivalenz zwischen leidenschaftsloser Distanz und leidenschaftlicher Analyse den medizinischen Zugang zur Sexualität bis in die Gegenwart kennzeichnet...
Originaltitel: HysteriaRegie: Tanya WexlerLänge: 100 (min)Darsteller: Hugh Dancy, Maggie Gyllenhaal, Rupert Everett, Jonathan Pryce...Produktionsort: GroßbritannienProduktionsjahr: 2011Startdatum: 22.12.2011
Der 19-jährige Lukas ist ein sogenannter Transmann, der sich gerade in der Phase der medizinischen Geschlechtsangleichung zum Mann befindet. Aufgewachsen in einer Kleinstadt lebt er jetzt in Köln, wo er nicht nur seine lesbische Jugendfreundin Ine wiedertrifft sondern sich auch in den attraktiven schwulen Macho Fabio verliebt. Da seine weiblichen Attribute noch unverändert sind, kann er eine intimere körperliche Nähe kaum zulassen...Entgegen der landläufigen Vorstellung empfinden sich Transmänner von Anfang an als Männer, die nur im falschen Körper geboren wurden. In ihrem Selbstverständnis handelt es sich daher nicht um Frauen, die sich in Männer umoperieren lassen, sondern die medizinische Korrektur stellt bloss das objektiv-körperlich her, was für sie subjektiv schon immer die tiefere Wirklichkeit gewesen ist:"Menschen, die physisch weiblich sind, aber ein männliches Identitätsgeschlecht haben, werden in der Regel als Frau-zu-Mann-Transsexuelle oder Transmänner bezeichnet (...). Einige von Transsexualität betroffene Menschen lehnen die Begriffe Mann-zu-Frau und Frau-zu-Mann jedoch ab, da diese Wortschöpfungen ihrer Meinung nach die eigentliche, angeborene Geschlechtsidentität nicht als geschlechtsbestimmend respektierten." (Wikipedia)Regisseurin Sabine Bernadi hat sich schon in ihrem Dokumentarfilm 'Transfamily' mit der Thematik der Transsexualität beschäftigt. Ihr Spielfilmdebüt kommt dabei nicht als schwermütig-provokatives Problemdrama daher sondern eher als so anrührende wie humorvolle Charakter- und Milieustudie über ganz spezielle Nöte des Erwachsenwerdens. Mit Rick Okon stand ihr dafür ein junger Schauspieler zur Verfügung, der die Rolle des Lukas in dessen tastender Suche nach Halt und (Neu-)Orientierung perfekt ausfüllte.Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) stufte den Film "ab 16" ein, wobei die merkwürdige und tendenziell diskriminierende Begründung einen Sturm der Entrüstung in der queeren Szene ausgelöst hat. Diese Einstufung basierte weniger auf freizügigen Sexszenen sondern vor allem auf angeblich fragwürdigen Rollenvorbildern, die die Entwicklung von Jugendlichen gefährden könnten. Mittlerweile hat sich die FSK allerdings entschuldigt und die Begründung abgeändert. Diese Kontroverse ist auch deswegen schade und überflüssig, weil eine leichtfüssige Liebesgeschichte wie 'Romeos' gerade auch dem heterosexuellen Mainstream etwas zu sagen hat. Im fernen Spiegel anderer sexueller Orientierungen und Probleme kann der etwas über die tiefere Dynamik des erotischen Begehrens wie über die eigenwillige Natur des Sexualtriebes überhaupt erfahren...
Originaltitel: RomeosRegie: Sabine BernadiLänge: 94 (min)Darsteller: Rick Okon, Maximilian Befort, Liv Lisa Fries...Produktionsort: DeutschlandProduktionsjahr: 2010Startdatum: 08.12.2011
Eine dunkle BegierdeZürich und Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Arzt und Psychiater Carl Gustav Jung soll die junge Russin Sabina Spielrein behandeln. Diagnose: Hysterie. Als er sich auf eine Affäre mit seiner Patientin einlässt, die er einem noch neuen Verfahren namens "Psychoanalyse" unterzieht, plagen ihn heftige Gewissensbisse gegenüber seiner Ehefrau. Gleichzeitig spitzen sich die theoretischen Differenzen zwischen ihm und seinem verehrten Lehrer und Mentor Sigmund Freud immer weiter zu...Regisseur David Cronenberg, eigentlich Spezialist für so grelle wie subtile Psychothriller und Horrordramen à la 'Videodrome', 'Naked Lunch' oder 'Tödliche Versprechen', wendet sich diesmal einem auf wahren Begebenheiten beruhenden Kapitel aus der Frühzeit der Psychoanalyse zu. Die leidenschaftliche Beziehung mit sadomasochistischen Anklängen zwischen Jung und Spielrein nimmt er hier vor allem zum Anlaß, um das tiefere Verhältnis - und letztendliche Zerwürfnis - zwischen Freud und Jung auszuloten, das die weitere Entwicklung der psychoanalytischen Bewegung prägen sollte. Verschiedene Rezensenten monieren dabei ausgerechnet die mangelnde Leidenschaft des Films, die anscheinend mehr Cronenbergsche "Hysterie" statt nüchterner Geschichtsrekonstruktion erwarteten. So seien etwa die Sexszenen zu brav geraten, Hauptdarstellerin Keira Knightley wirke etwas zu blass und bieder und überhaupt vermisse man die von Cronenberg gewohnte effektvolle Spannungsdramaturgie samt düsterer Bilder und dunkler Abgründe. Gelobt wurden dafür die Darsteller Michael Fassbender als C. G. Jung und Viggo Mortensen als Freud sowie die Liebe zum historischen und atmosphärischen Detail. (Freuds Zigarren!) Die entsprechenden Kritiker haben anscheinend nicht verstanden, dass der Regisseur diesmal mehr an der "gefährlichen Methode" interessiert war - 'A Dangerous Method' heisst der Film im Original - denn an den "gefährlichen" und dunklen Begierden selbst, die das psychoanalytische Verfahren aufzudecken versucht... Der Film läuft seit dem 10. November in den Kinos.NachtmeerfahrtenMit C. G. Jungs Werk verbinden sich Begriffe und Konzeptionen wie z.B. Animus und Anima, Persona, "der Schatten", die Rolle von Mythen und Symbolen, von Archetypen oder des kollektiven Unbewußten, wie sie etwa viele große Romane von Hermann Hesse mit inspiriert haben oder z.B. in den Arbeiten des zeitgenössischen Theologen und Kirchenkritikers Eugen Drewermann weiterleben. Freud und Jung trennte theoretisch-analytisch dabei insbesondere die unterschiedliche Bedeutung, die sie der Sexualität für die Entwicklung des individuellen Seelenlebens gaben. Darüberhinaus zeigte Jung ein tiefes Interesse an allen religiösen, spirituellen und selbst parapsychologisch-okkulten Phänomenen, die Freud kategorisch zurückwies, aber auch eine anfängliche Sympathie für den aufkommenden Nationalsozialismus, von der er sich aber im späteren Verlauf der 30er-Jahre wieder distanzierte. Schon seit dem 27. Oktober läuft nun in ausgewählten Programmkinos die Dokumentation 'Nachtmeerfahrten - Eine Reise in die Psychologie von C. G. Jung' von Regisseur Rüdiger Sünner, die sich als hervorragende Ergänzung zu Cronenbergs Spielfilm eignet. Sie bietet gleichzeitig vertieften Anlaß zum Nachdenken über die seelischen Voraussetzungen und Wirkungen der Filmkunst an sich: "Auf die Verknüpfung von Jungs Arbeit und den Träumen und archaischen Strukturen des Kinos verweist der Filmemacher gleich zu Beginn selbst, wenn er die Nachtmeerfahrten zahlreicher Mythen mit dem Abtauchen der Zuschauer in das Dunkel des Kinosaales gleichsetzt." (kinozeit.de)Wandlungen - Richard Wilhelm und das I GingMit dem altchinesisch-daoistischen Orakelbuch 'I Ging - Das Buch der Wandlungen' und dem Daoismus allgemein hat sich auch C. G. Jung ausgiebig beschäftigt. Hierzulande ist das I Ging insbesondere mit dem Namen Richard Wilhelm (1873-1930) verknüpft, einem Sinologen, der lange in China lebte und den Klassiker der chinesischen Mystik ins Deutsche übersetzt, herausgegeben und kommentiert hat. Ab dem 17.11. ist eine Dokumentation seiner 1938 geborenen Enkelin Bettina Wilhelm in den Kinos zu sehen, die auf den Spuren ihres Großvaters und ihrer eigenen Kindheit in China sowohl dessem Leben und Werk nachspürt als auch den Wandlungen des modernen China.Die Höhle der vergessenen TräumeEine ganz eigene "Nachtmeerfahrt" zu den Archetypen des kollektiven Unbewußten bietet uns dagegen Filmemacher Werner Herzog ('Nosferatu', 'Fitzcarraldo', 'Bad Lieutenant') mit seiner atemberaubenden 3D-Dokumentation über die prähistorischen Felszeichnungen in der Höhle von Chauvet in Südfrankreich. Die rund 30000 Jahre alten Höhlenmalereien steinzeitlicher Vorfahren, die erst im Jahre 1994 entdeckt wurden, sind dem allgemeinen Publikum normalerweise nicht zugänglich, doch Herzog konnte ausnahmsweise eine Drehgenehmigung erhalten, unter strengen Auflagen. Seine eigenwillige Kommentierung und kongeniale Einfühlung in die Welt der archaischen Bilder sowie die Möglichkeiten des 3D-Verfahrens, die Plastizität der Zeichnungen auf den unebenen Höhlenwänden zur angemessenen Geltung zu bringen, bescheren dem Zuschauer eine Seelenreise der ganz besonderen Art. Läuft schon seit dem 3.11. in den Kinos.
Neu im Kino Oktober 2011:NeugierdeIm neuen Werk von Underground-Filmemacher Carl Andersen geht es um unterschiedliche Formen der sexuellen Erfahrung und den Versuch, sie geistig zu reflektieren. Im ersten Teil sieht man den Schauspieler Ernst Leder bei zwei SM-Sessions, die immer wieder von Intervieweinschüben unterbrochen werden, in denen Leder seine Auffassung bzw. sein Selbstverständnis von SM erläutert. Im zweiten Teil dagegen haben zwei Frauen und ein Mann gemeinsam vor der Kamera Sex und versuchen gleichzeitig Auskunft über ihre Motive zu geben. "Eher für Denker als für Spanner." (zitty) Schon seit dem 13. Oktober in ausgewählten Programmkinos.WeekendZwei Männer lernen sich in einem Schwulenclub in Nottingham kennen und verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Tag müssen sie feststellen, daß der eine die große Liebe für's Leben sucht, während der andere eigentlich gar keine Beziehung will und schon 48 Stunden später zum zweijährigen Kunststudium in die USA aufbrechen muß... Eine so intensive wie berührende Geschichte, die vor allem von den schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller lebt. Seit dem 20. Oktober im Kino.Charlotte Rampling - The LookDie Schauspielerin Charlotte Rampling hat den Look, zweifellos. In dieser filmischen Bestandsaufnahme ihres Lebens und ihrer Arbeit nimmt sie allerdings selber öfters die Kamera in der Hand, mit der sie ihre Gesprächspartner für ihr "Selbstporträt durch andere" (Untertitel) aufnimmt. In insgesamt neun Kapiteln werden so neun verschiedene Einzelthemen behandelt, die sich mit Ausschnitten aus jeweils einem ihrer Filme verknüpfen. Dazu gehört nicht zuletzt auch das Thema "Tabu", denn von Tabubrüchen und Grenzüberschreitungen - gerade auch auf erotischem Gebiet - ist ihre ganze schauspielerische Laufbahn geprägt. Läuft seit dem 20. Oktober in den Kinos.Die Haut, in der ich wohneTabubrüche und Grenzüberschreitungen der erotischen Art kennzeichnen auch das Gesamtwerk des spanischen Ausnahmeregisseurs Pedro Almodóvar. Auch sein neuester Film 'Die Haut, in der ich wohne' über einen undurchsichtigen Schönheitschirurgen (Antonio Banderas) kann wieder mit einigen diesbezüglichen grellen Effekten aufwarten, ist aber insgesamt mehr dem Horror- und Science Fiction-Genre zuzuordnen: "Ein Film über künstliche Haut: Natürlich kommentiert das auch die Auswüchse der modernen Schönheitschirurgie und ihre Ansprüche, Körper zu perfektionieren. Aber eigentlich ist die Haut hier wirklich nur Oberfläche, darunter lauern dieselben Themen, die Almodóvar schon seit drei Jahrzehnten beschäftigen (...): sexuelle Verwirrungen, Perversionen, Frauen als Mütter, Nymphomaninnen oder Mörderinnen (oder alles zusammen), Homosexualität, die Fluidität der Kategorie "Geschlecht" insgesamt, Schuld und Sühne (katholische Variante)." (Aus der Besprechung des tip-Magazins) Ebenfalls seit dem 20. Oktober im Kino.6. Pornfilmfestival BerlinVom 26. bis zum 30. Oktober findet im Berliner Kino Moviemento nun schon zum sechsten Mal das Pornfilmfestival statt. Die Macher blicken zugleich zurück und in die Zukunft, präsentieren die neuesten Filme von alten Bekannten, die das Festival schon in früheren Jahren bereichert haben, widmen sich dem Vorstoß der lesbischen Pornographie, veranstalten ein kleines Themenspecial zum klassischen Pornofilm der 70er-Jahre undundund. Wer bei der immensen Vielfalt des filmischen Angebots (plus verschiedenster Zusatzveranstaltungen) zwischen Kunstanspruch und anspruchsvoller Mainstreamproduktion, zwischen Stimulation und Reflexion, zwischen hetero, homo und queer, den Überblick behalten will, der informiere sich am besten auf der Festival-Homepage: www.pornfilmfestivalberlin.de.
Eine Hochzeitsfeier. Eine unsichere Braut. Eine sarkastische Mutter. Eine lebenslustige Schwester. Ein dunkler Planet nähert sich. DEPRESSION! Zeitsprünge. Die Musik von Richard Wagner. Der Stil: "deutsch-romantisch". Gesellschaftssatire oder Melodram? Melodram oder Science Fiction-Film? Porträt einer Krankheit oder Selbstporträt eines Filmemachers?Grandiose Bilder. Rätselhafte Wendungen. Weltuntergang. Skandal! Ist der Regisseur ein Nazi? Missverständnis der Medien oder bewusste Provokation? Provokation oder freie Assoziation?Alexander Skarsgard. Charlotte Gainsbourg. John Hurt. Kiefer Sutherland. Charlotte Rampling. Udo Kier. KIRSTEN DUNST! Geniales Filmkunstwerk oder fortgesetzte Selbsttherapie? Im Kino. Der neue Film von Lars von Trier..."(...) Lars von Trier ist ein Spieler. Er probiert einfach immer Sachen aus. Ihm wird schnell langweilig, mit anderen, aber vielleicht auch mit sich selbst. Deshalb: immer nach vorne. In Berlin wurde das neulich mal wieder deutlich, als er in einem von seinen jungen Fans vollkommen überrannten Kino von drei stammelnden Interviewern befragt wurde. Da erzählte er erst einmal davon, dass er das letzte Mal im "Adlon" auf den Teppich gekotzt habe, nannte seine Mutter doof und führte dann aus, dass er als junger Mann gern schwul gewesen wäre. "Aber es hat einfach nicht funktioniert", sagte er. "Ich glaube, es hatte mit dem Schwanz zu tun. Ich bin in Schwulenbars gegangen, aber mein Schwanz hat nicht reagiert. Der Schwanz hat seinen eigenen Willen." Was soll man mit solchen Sätzen anfangen, außer zu lachen? Ist also Lars von Trier tatsächlich ein Humorist? Er jedenfalls sagte in Berlin dazu den schönen Satz: "Ich will mich nur irgendwie selbst wachrütteln". (...)" (aus der Spiegel-Online-Kolumne von Georg Diez: 'Lars, das geniale Depressionsmonster')
Originaltitel: MelancholiaRegie: Lars von TrierLänge: 130 (min)Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainbourg, Alexander Skarsgard...Produktionsort: DänemarkProduktionsjahr: 2011Startdatum: 06.10.2011
Ein ehemaliger französischer TV-Produzent startet nach einer Lebenskrise einen Neuanfang als Manager einer New Burlesque Show in den USA. Mit seinen amerikanischen Tänzerinnen tourt er schließlich durch die französische Provinz. Ihr gemeinsamer Traum: ein Auftritt und großer Tournee-Abschluß in Paris... Regisseur Mathieu Amalric ist hierzulande eher für seine zahlreichen Rollen als Schauspieler bekannt, so z.B. als Hauptdarsteller im Drama 'Schmetterling und Taucherglocke' oder als Bösewicht im letzten Bond-Film ('Ein Quantum Trost'), denn für seine wenigen und nur im großen zeitlichen Abstand abgelieferten Regiearbeiten großer Kinofilme. Auch in 'Tournée' hat er die männliche Hauptrolle übernommen, an der Seite so illustrer Darstellerinnen wie z.B. Miranda Colclasure als "Mimi Le Meaux", Suzanne Ramsey als "Kitten on the Keys" oder "Dirty Martini", die auch im richtigen Leben als Burlesque-Tänzerinnen auftreten und hier weitgehend das erstemal auf einer Kinoleinwand zu bewundern sind.Während der klassische Burlesque-Tanz als Bestandteil des amerikanischen Variété-Theaters aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts noch eine stärker erotisch animierende Komponente besaß und so auch zum Entstehungsort des Striptease wurde, legt New- oder Neo-Burlesque den Schwerpunkt mehr auf die unterhaltsamen, tänzerischen oder humoristisch-grotesken Aspekte und bietet damit generell ein größeres Spektrum an Stilrichtungen und künstlerischen Ausdrucksformen. Wichtiges Element ist dabei das ironische Spiel mit rigiden Körperbildern, traditionellen Geschlechterrollen und herrschenden Schönheitsvorstellungen, wodurch auch ein viel breiteres und gemischteres Publikum angesprochen wird als in den reinen Männerveranstaltungen konventioneller Stripshows.'Tournée' lässt sich nun als gelungene Mischung aus Roadmovie, Tragikomödie und Milieustudie der New Burlesque-Szene ansehen, wobei die Handlung aus lose miteinander verbundenen und teils pseudodokumentarisch inszenierten Episoden vorangetrieben wird, die vor allem der Charakterisierung der einzelnen Figuren und ihres Beziehungsgeflechts dienen. Den so selbstironischen wie eigenwilligen Retro-Charme des New Burlesque transportiert der Film damit ganz gut - nicht zuletzt durch die vielen eingestreuten Bühnenauftritte der Tänzerinnen - wobei Retro-Phänomene allgemein von einer strukturellen Ambivalenz beherrscht werden, weil die traditionellen Ausdrucksformen nun unter modernen Vorzeichen stehen und der neue Kontext auf die Rezeptionsbedingungen fundamental zurückwirkt. Retro-Phänomene sind so immer auch Spiegel der Gegenwart, da im Kontrast mit einer kunstvoll beschworenen (oder kunstvoll adaptierten) Vergangenheit die aktuellen Entwicklungen sichtbarer oder zumindest intuitiv fühlbarer werden. Diese Ambivalenz schlägt sich insbesondere auch in den schillernden und gebrochenen Figuren des Films nieder, die mit ihren Wünschen und Hoffnungen, ihren Talenten und Abgründen, eine reichhaltigere Identität und Individualität gewinnen statt zu blossen Abziehbildern zu gerinnen...
Originaltitel: TournéeRegie: Mathieu AmalricLänge: 111 (min)Darsteller: Miranda Colclasure, Suzanne Ramsey, Mathieu Amalric...Produktionsort: FrankreichProduktionsjahr: 2010Startdatum: 08.09.2011
"Mr. Allen, in "Midnight in Paris" heben Sie - um eine Ihrer Filmfiguren zu zitieren - Namedropping auf ein ganz neues Niveau. Wie sind Sie auf die Idee zu dieser Zeitreise gekommen?"Woody Allen (lacht): "Nun, wenn ich an Paris denke, sind es die beiden Epochen: Paris in den Zwanzigerjahren - für Amerikaner eine besonders aufregende Epoche - und die Belle Epoque. Was die Figuren betrifft: Das sind die, an die man als Amerikaner denkt. That's who's here! Picasso, Hemingway, Dali, Matisse, F. Scott Fitzgerald, John Dos Passos. Mit Paris verbindet man - das heißt, ich bin sicher, dass es in Wirklichkeit so nicht war - dieses Gefühl, es wäre so kreativ und bohemehaft zugegangen. Und das waren die Leute, die zu dieser Zeit da waren."(...)"Haben Sie selbst ein nostalgisches Verhältnis zu dieser Epoche?"Woody Allen: "Ja. Aber das nostalgische Verhältnis ist natürlich eine Falle. (...) Sie denken zurück, und es kommen nur die schönen Seiten ins Gedächtnis. Man denkt an die Belle Epoque und denkt: Gigi, Champagner, schöne Kleider, Pferde, Kutschen. Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die Leute starben an Tuberkulose, es gab keine Heilmittel dagegen, Frauen starben im Kindbett, man konnte nicht zum Telefon greifen und den Krankenwagen rufen. Das Leben unterschied sich sehr von dem jetzt. (...)""So betrachtet, müssten Sie die Zukunft vorziehen."Woody Allen: "Na ja. Die Zukunft sieht doch ziemlich düster aus, wenn man es recht bedenkt. Wenn man sich die Welt heute ansieht, wie schnell die Bevölkerung wächst, wie der Planet vergiftet wird, das Wasser und die Luft, und jeder jeden hasst. Und diese Gruppe will jene umbringen und jene diese. Man fragt sich, ob in 100 Jahren überhaupt hier jemand sein wird (...).""Was denken Sie darüber, dass Sie selbst eine ikonische Figur sind? Und jemand in 50 Jahren einen Film über das Fin de Siècle des 21. Jahrhunderts drehten wird, in dem Sie dann einen Auftritt haben, so wie Hemingway in Ihrem?"Woody Allen: "Ich habe das Gefühl: In 50 Jahren bin ich tot - möglicherweise (lacht). Und wenn man einmal tot ist, macht es keinen Unterschied mehr. Egal was sie machen, ob sie einen zur Ikone machen oder zum Bösewicht, alle Filme verbrennen oder sie in Museen zeigen. Wenn man tot ist, ist man tot. Ich bin nicht eine große Gestalt, die über ihr Vermächtnis nachdenkt. (...)""Das ist ein ziemlich nihilistischer Zugang."Woody Allen: "Ja, aber es ist wahr. Ich sage nichts, was Sie ernsthaft in Frage stellen könnten. (lacht)"(... ... ...)(Aus dem langen Interview mit Woody Allen im Berliner tip-Magazin Nr.18/2011 anlässlich seiner neuen Komödie 'Midnight in Paris', die seit dem 18. August in den Kinos läuft. Auf der Homepage des tip kann man sich die komplette Fassung als Audio-Datei im englischsprachigen Original anhören, klick den Link! Das ganze Gespräch veranschaulicht dabei sehr schön den existentiellen Ernst, der generell all den geistreichen Bonmots, witzigen Dialogen und skurrilen Handlungsverläufen in seinen Filmen zu Grunde liegt...)
Originaltitel: Midnight in ParisRegie: Woody AllenLänge: 94 (min)Darsteller: Owen Wilson, Rachel McAdams, Marion Cotillard, Kathy Bates, Adrien Brody...Produktionsort: USA/SpanienProduktionsjahr: 2011Startdatum: 18.08.2011
Das Gesamtwerk des russischen Filmregisseurs Andrej Tarkowskij (1932-1986) gehört in eine Klasse mit dem Schaffen anderer Kinomagier vom Range Stanley Kubricks, Federico Fellinis oder Akira Kurosawas. Die Wahl seiner Themen und inhaltlichen Stoffe ist zwar nicht nach jedermanns Geschmack, aber in der Umsetzung und künstlerischen Beherrschung der formalen Mitteln des Mediums Film entsteht eine suggestive Dichte, Intensität und poetische Kraft des filmischen Erlebnisses, die ihresgleichen sucht. Dabei sind seine Werke oft von der Spannung zwischen Realismus und surreal-phantastischen Elementen, zwischen Wachheit und Traum sowie einer eigentümlichen Melancholie geprägt, die u.a. durch eine „Ästhetik der Entschleunigung" hergestellt wird, wie sie etwa auch für die Filme von Wim Wenders oder Jim Jarmusch charakteristisch ist.Für das Arsenal-Kino im Sony-Center am Potsdamer Platz, im Haus des Kinomuseums, ist es daher schon eine zwanzigjährige Sommertradition, die sieben langen Filme von Tarkowskij und seine mittellange Abschlußarbeit an der staatlichen Filmhochschule in einer Retrospektive zu zeigen und künstlerisch angemessen auf der großen Leinwand zu präsentieren. Den Anfang macht eben diese Dipomarbeit ('Katok I Skripka' - 'Die Walze und die Geige', 1960), die zusammen mit seinem letzten Film ('Offret' - 'Opfer', 1986) aufgeführt wird, den er in Schweden realisierte (1.8. und 14.8.). Danach folgen 'Iwans Kindheit' aus dem Jahre 1962 über das Schicksal eines 12-jährigen Jungen im Zweiten Weltkrieg (2.8. und 10.8.), sein im Westen wohl bekanntestes Werk 'Solaris', die kongeniale Verfilmung eines Romans von Stanislav Lem über die mysteriösen Erlebnisse eines Psychologen auf einer fernen Raumstation (6.8. und 30.8.) und die monumentale Künstlerbiographie 'Andrej Rubljow', die in den Jahren 1966-69 entstand und Probleme mit der sowjetischen Zensur bekam (7.8. und 22.8.).'Der Spiegel' von 1975 ist stark autobiographisch gefärbt und behandelt die Umbrüche in der Sowjetunion von den 30ern bis in die 70er-Jahre in einer komplexen, nicht-linearen Erzählform (8.8. und 16.8.). 'Stalker' aus dem Jahre 1980 berichtet über die Reise in eine geheimnisvolle „Zone", die zur imaginären Fahrt in die Innenwelt des Protagonisten wird (5.8. und 29.8.). 'Nostalghia' schließlich, der 1983 in Italien entstand, beschwört einen bestimmten Seelenzustand anhand eines fern der Heimat lebenden russischen Schriftstellers herauf, der eine Biographie über einen italienischen Komponisten schreiben will (9.8. und 25.8.).Kino Arsenal, Potsdamer Strasse 2 im Sonycenter am Potsdamer Platz, 10785 Berlin. Für die genauen Anfangszeiten der Filme, siehe die Homepage des Arsenals.
"(...) Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein, wir müssen es nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart, wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig, aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann die Maschinen! Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte! Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser dasein nicht lebenswert! Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht, diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen von Mensch zu Mensch, sie erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden! (...) Nur wer nicht geliebt wird hasst! Nur wer nicht geliebt wird! Soldaten, kämpft nicht für die Sklaverei! Kämpft für die Freiheit! Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in Einem oder einer Gruppe von Menschen! Vergesst nie: Gott lebt in euch allen und ihr als Volk habt allein die Macht! Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden! Ihr als Volk habt es in der Hand dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen! Daher: Im Namen der Demokratie! Lasst uns diese Macht nutzen! Lasst uns zusammenstehen! Lasst uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die Jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles was sie euch versprachen! Diese Verbrecher! Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben! Lasst uns diese Ketten sprengen, lasst uns kämpfen für eine bessere Welt! Lasst uns kämpfen für die Freiheit in der Welt! Das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt! Nieder mit der Unterdrückung, dem Hass und der Intoleranz! Lasst uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit, in der die Vernunft siegt, in der Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereichen! Kameraden! Im Namen der Demokratie! Dafür lasst uns streiten!"(Aus dem Film 'Der Große Diktator' von Charlie Chaplin, 1940. Am 15. Juli startet im Berliner Kino Babylon Mitte die große Chaplin-Retrospektive, in der bis zum 7. August das komplette filmische Werk des großen Humoristen zu sehen sein wird! In 24 Tagen werden daher 80 Filme aufgeführt, bei 10 Vorführungen mit Orchester-Live-Begleitung des Neuen Kammerorchester Potsdam unter der Leitung von Timothy Brock. In der Regel werden die Originalfassungen gezeigt, in vielen Fällen live am Piano begleitet. Das ganze wird ergänzt und abgerundet durch verschiedene Sonderveranstaltungen wie z.B. eine Ausstellung, eine Diskussion mit Tochter Geraldine Chaplin am 16.7.,14 Uhr, eine Vorführung von 'The Great Dictator' vorm Brandenburger Tor am Eröffnungstag (läuft aber auch noch am 19., 23. und 29.7. sowie am 6.8. im Babylon) und verschiedene Dokumentationen. Für den Kenner und Liebhaber dürften vor allem die seltener gezeigten Kurzfilme aus dem Frühwerk von besonderem Interesse sein oder auch die dreiteilige Dokumentation 'Unknown Chaplin', die anhand von bislang unbekanntem Filmmaterial Chaplins Arbeitsweise rekonstruiert. Weitere Informationen und Hintergründe zur Retrospektive siehe die Homepage des Babylon-Kinos, klick den Link!)
Eine Familie im ländlichen Texas der 50er-Jahre: Der strenge Vater will seine Söhne auf die Härte des Lebens vorbereiten. Die Mutter vermittelt ihnen dagegen Werte wie Liebe und Mitgefühl. Viele Jahre später erinnert sich der erwachsen gewordene älteste Sohn an verschiedene schicksalshafte Ereignisse aus seiner Kindheit...Der bejubelte wenngleich nicht unumstrittene Sieger von Cannes lebt ganz von der beschworenen Stimmung, die sich zum einen aus den psychologischen Konstellationen einer Familiengeschichte ergibt, zum anderen aus ihrer spirituellen und kosmologischen Überhöhung. Dafür griff Regisseur Terrence Malick tief in die Trickkiste, in dem er den handlungsarmen und in nicht-linearen Rückblenden erzählten Plot mit Bibelzitaten, Naturaufnahmen und beeindruckenden special effects kombinierte. Die Bildästhetik von 'The Tree of Life' wird daher immer wieder mit '2001 - Odysee im Weltall' verglichen, was auch insofern kein Zufall ist, da Malick mit Douglas Trumbull den gleichen Trickspezialisten verpflichtet hatte, der auch schon damals für die Trickeffekte in Stanley Kubricks Jahrhundertwerk verantwortlich war.Kinopoet Terrence Malick hat bislang nur ein kleines aber bedeutsames Werk geschaffen und Filme wie 'Der schmale Grat' oder 'The New World' beeindrucken ebenfalls vor allem mit ihrer betörenden Bildsprache und einem entsprechenden Soundtrack, die den Zuschauer völlig in den Bann der jeweiligen Geschichte ziehen können. Bei 'The Tree of Life' kommt eine spezielle und lang zurückreichende Vorgeschichte hinzu, denn vor seiner Karriere als Regisseur begann Malick als Philosophiestudent eine Doktorarbeit über Heidegger, Kierkegaard und Wittgenstein, was die Kritikerin des Berliner Tagesspiegel hymnisch so kommentiert: "Er hat sie nie beendet, hört man. Aber das ist ein Irrtum. Er hat diese Dissertation im Mai beim Weltkino in Cannes eingereicht und genau das dafür bekommen, was man für dieserart akademische Arbeiten verdient: eine Goldene Palme."Im Ergebnis haben wir es so mit einem inhaltlich wie formal höchst ungewöhnlichen Werk zu tun, das von nichts weniger als von ALLEM erzählt: von der Entstehung des Universums über den Sinn der einzelnen Existenz und die Polarität allen Lebens bis hin zum Ende aller Zeiten spiegelt Malick den Makrokosmos der gesamten Welt im Mikrokosmos einer einzelnen Familiengeschichte und umgekehrt! Ob hier aber tatsächlich ein einzigartiges Seelen- und Existenzdrama über "den Baum des Lebens' vorliegt oder nicht vielmehr bombastischer, prätentiöser Kitsch, wie andere Stimmen mutmassen, muß letztlich wohl jeder selbst entscheiden. Wie immer gilt auch hier die Formel, dass Filme als Katalysatoren wirken, die die tiefere Weltanschauung, die Mentalität bzw. die allgemeineren Gefühlsdispositionen des jeweiligen Kritikers zum Vorschein bringen oder provozieren. Sicher scheint nur wieder, dass es sich um jene Art von Ausnahmefilmen handelt, die man im Kino erlebt haben muß, denn genau für solche Filme wurde die große Leinwand erschaffen.
Originaltitel: The Tree of LifeRegie: Terrence MalickLänge: 138 (min)Darsteller: Brad Pitt, Jessica Chastain, Sean Penn...Produktionsort: USAProduktionsjahr: 2011Startdatum: 16.06.2011
Eine junge Tänzerin besichtigt ein Zimmer in einer Pariser Dachgeschosswohnung und verführt dabei ihre Vermieterin und zukünftige Mitbewohnerin. Als sie das Tagebuch ihrer Vormieterin Leena findet, begibt sie sich auf Spurensuche und fängt an, sich immer stärker mit ihr zu identifizieren. Sie erlebt noch einmal deren Obsessionen und Depressionen, begegnet Menschen, die sie gekannt haben, und stürzt sich in dunkle erotische Abenteuer. Jedoch, sie ist nicht die einzige, die das Leben der Verschwundenen fasziniert...Mit 'The Final Girl' liegt ein so eigenwillig-romantischer wie rätselhaft-poetischer Genremix aus SM-Lesbenporno, existentiellem Liebesdrama und surrealem Psychothriller vor, der streckenweise die Grenze zum Horrorfilm überschreitet. Letzteres wird schon durch den Titel symbolisiert, denn als "final girl" (auch "survivor girl" bzw. "die letzte Überlebende") bezeichnet man normalerweise die weibliche Hauptdarstellerin in Filmen wie 'Halloween', 'Freitag der 13.' oder 'Nightmare On Elm Street', die am Ende den Killer zur Strecke bringt. Dies ist hier aber nur angedeutet, denn der Horror entfaltet sich mehr psychologisch und subtil, weshalb einige Rezensenten - auch wegen der inhaltlichen Ausgangskonstellation - an Roman Polanskis Meisterwerk 'Der Mieter' erinnerten.US-Filmemacher Todd Verow hat in der Vergangenheit schon einen Beitrag für die 'Fucking Different'-Kurzfilmreihe geliefert, deren Prinzip bekanntlich darin besteht, daß schwule Regisseure Filme über Lesben drehen und lesbische Regisseurinnen Filme über Schwule. Mit 'The Final Girl' gelang ihm eine low budget Langfilmfassung dieses Konzepts, die weniger durch einen konsistenten Plot denn durch ihre teils lakonisch-melancholische, teils sinnlich-erotische, teils mysteriös-verstörende Atmosphäre besticht. Die verdankt sich nicht zuletzt dem unverbrauchten bis rotzigen Charme der eingesetzten Laiendarstellerinnen sowie einem hypnotisch-suggestiven Soundtrack aus Synthesizerklängen und vier Stücken der bermudischen Songwriterin Heather Nova. Der etwas aufgesetzte Kunstwillen des Regisseurs drückt sich dabei vor allem in einer gezielten Vermischung der Ebenen von Traum und Wirklichkeit und den dafür eingesetzten technisch-dramaturgischen Stilmitteln aus (bewegliche Videokamera, Rückblenden, Schwarz-Weiß-Sequenzen, Zeitlupe etc.). Dafür verdeutlichen die expliziten Sexszenen einmal mehr, wie künstlich und irreführend die übliche Trennung zwischen Pornographie und dem Rest des filmischen Universums eigentlich ist...(Der Film läuft in ausgewählten Programmkinos, voraussichtlich in der englischen Originalfassung.)
Originaltitel: The Final GirlRegie: Todd VerowLänge: 80 (min)Darsteller: Wendy Delorme, Véronique Lindenberg, Judy Minx...Produktionsort: USAProduktionsjahr: 2010Startdatum: 12.05.11
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Netzware von Andreas Wittich