"Die Ästhetik des BDSM ist schon lange nicht mehr allein ein Erkennungsmerkmal sexueller Subkulturen, sondern scheint fast wie selbstverständlich im Mainstream angekommen zu sein — auch in der Kunst. Aber woher kommt diese Begeisterung?" (detektor.fm)Die November-Ausgabe 2023 von Monopol - Untertitel "Magazin für Kunst und Leben" - beschreibt neuere Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst anhand verschiedener aktueller Beispiele, die vordergründig zunächst als Folge der Pandemie und mehr noch der fortschreitenden Digitalisierung interpretiert werden. Die "Obsession mit dem Sex" würde zur Gegenbewegung zu einer immer komplizierter und rationaler werdenden modernen Welt und so spitzt Sebastian Frenzel, stellvertretender Chefredakteur von Monopol folgerichtig zu: "Je abstrakter die Arbeit wird, desto größer die Sehnsucht nach Sinnlichkeit und nach beseelten Dingen und desto größer die Lust auf körperliche Erfahrungen." Und Elke Buhr, die Chefredakteurin, unterstreicht im Editorial dieser Ausgabe: "Angst, Lust, Ekel, Begehren: Die Moderne kann noch so vernünftig tun, die menschlichen Affekte bleiben zentrale Triebfedern des menschlichen Handelns." Beide liegen damit auf einer analytischen Linie, die schon Max Weber, einer der Begründer der modernen Soziologie, vor über hundert Jahren mit seiner Generalthese von der "Entzauberung der Welt" in der Moderne vorgegeben hatte bzw. etwas später der Soziologe Norbert Elias in seinem Klassiker und Hauptwerk 'Über den Prozeß der Zivilisation', der über fortschreitende Rationalisierung, Ausbildung von Langsicht, zunehmende Affektkontrolle bzw. Verwandlung von äußeren Zwängen in Selbstkontrolle und resultierender Befriedung öffentlicher Räume die Gefühle der Menschen immer weiter domestiziere. Dabei liessen diese fundamentalen und wissenschaftlich sehr einflussreichen Zeitdiagnosen allerdings immer weitgehend offen, wo, wie und in welchem Umfang bzw. in welcher Intensität emotionale Grundbedürfnisse doch noch bzw. weiterhin Erfüllung finden könnten... Mit Klick auf den Titel gelangt man zunächst im KitKat-Pressespiegel zu einem knapp 30minütigen Podcast, in dem detektor.fm-Moderatorin Aileen Wrozyna mit Elke Buhr und Sebastian Frenzel über das Schwerpunktthema der November-Ausgabe von Monopol spricht. Ein Kontextlink führt außerdem noch zu einer frei anklickbaren Leseprobe, nämlich zum Editorial von Elke Buhr und zum Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe. Die bringt u.a. einen Vergleich von Freud und Kafka als Inspiratoren von Kunst, ein Porträt des US-Künstlers Paul McCarthy, erotische wie erheiternde nackte Männer der Londoner Fotografin Yushi Li oder eine Vorschau auf die Kunstmesse Art de Cologne.
"Mit einem populären, aber oft verschwiegenen Thema beschäftigt sich das Grazer Volkskundemuseum in seiner neuen Ausstellung: "Schaulust! Pornografie und Alltag", die sich dem Thema unter anderem aus kulturanthropologischer Sicht widmet." (puls24.at) Die Schau unterteilt sich in verschiedene Themenbereiche und legt einen Schwerpunkt auf die Darstellung aktueller wissenschaftlicher Diskussionen und Forschungsergebnisse, um Pornografie als popkulturelles Massenphänomen zu würdigen. Sie spannt dabei einen weiten historischen Bogen, z.B. von Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert oder frühen Schwarz-Weiß-Fotografien, über das Unternehmen von Beate Uhse, die Jugendzeitschrift Bravo, die PorNO-Kampagne von Alice Schwarzer und rechtliche Aspekte bis hin zu den vielfältigsten Erscheinungen der Gegenwart wie die Allgegenwart der Online-Pornografie, Onlyfans oder alternative Ansätze. Ziel sei es nicht, "eine pornografische Kuriositätenschau zu präsentieren, die den Voyeurismus bedient, sondern um ein Angebot zum Schauen und einen Impuls zum darüber Reden", erläuterte Kurator Peter Hörz bei einer Presseführung zur Eröffnung der Ausstellung Anfang Oktober. Ab 18 Jahre, Eintritt 11 Euro. Noch bis zum 14. Januar 2024.
"Der Mensch ist das einzige Wesen, das weiß, dass es sterben wird. Das Wissen um unsere Vergänglichkeit ist ein Antrieb für Kunst, Kultur und Wissenschaft und konfrontiert uns mit existenziellen, individuellen und globalen Fragen. Das Humboldt Forum widmet dem Thema Leben mit dem Tod ein vielstimmiges Programm mit einer szenisch gestalteten Sonderausstellung, einem Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm und einem Begleitbuch." (Ausstellungstext)Die Ausstellung im Humboldt Forum im Berliner Schloss hatte einen sehr breiten und damit heterogenen Zugang zum Thema, sie eröffnete naturwissenschaftliche, medizinische, religiöse, kulturelle und philosophische Perspektiven. Dies und schon der doppeldeutige Titel macht klar, dass die Sterblichkeit des Menschen zwar eine universelle Erfahrung sein mag, wie es zum Begleitbuch zur Ausstellung auf Amazon heißt, dass aber Menschen verschiedener Zeiten, Kulturen und Religionen etwas völlig anderes darunter verstehen, wenn sie vom Tod sprechen! Denn während vor allem für den modernen und religionslos gewordenen Menschen der Tod ein absolutes Ende darstellt, ist für die Anhänger so gut wie aller Religionen, die übrigens immer noch die überwiegende Mehrheit aller heute lebenden Menschen ausmachen, der körperliche Tod nur der Übergang in irgendeine Form von Un-Endlichkeit, also der Eintritt in ein wie auch immer gedachtes ewiges Leben bzw. der Übergang zu einem neuen Leben im Diesseits im Kontext unterschiedlich akzentuierter Reinkarnationslehren...Die Ausstellung lief nur noch bis zum 26. November 2023. Das gleichnamige Buch zur Ausstellung, das die Fülle und Vielschichtigkeit der oben angedeuteten Aspekte abdeckt und damit für längere Zeit zumindest als Einführung zum Thema maßgeblich sein wird, hat 200 Seiten und kostet 29,90 Euro. Eine fulminante Gesamtschau der kompletten menschlichen Geschichte bis hin zu aktuellen und brennenden Fragen der Gegenwart unter dem Gesichtspunkt der Sterblichkeit findet sich dagegen im Klassiker des italienischen Psychoanalytikers Luigi de Marchi aus den 80er Jahren: 'Der Urschock - Unsere Psyche, die Kultur und der Tod', der zunächst vom Streit zwischen Sigmund Freud und seinem abtrünnigen Schüler Wilhelm Reich über den Todestrieb ausging, um dann die anthropologischen, religionsgeschichtlichen, politischen, philosophischen und psychologischen Voraussetzungen und Folgen des menschlichen Umgangs mit seiner Sterblichkeit einer grundlegenden Prüfung zu unterziehen.
"Dieses anspruchsvolle Buch stellt eine umfassende Beschreibung der modernen Liebesforschung dar. Es fasst Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammen und bietet einen systematischen, kulturübergreifenden Überblick über die Erfahrung und den Ausdruck von Liebe. Der Autor integriert biologische und sozialwissenschaftliche Forschungen zum Thema Liebe und untersucht die kulturübergreifenden Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Gefühlen, Gedanken und Ausdrucksformen der Liebe." (Verlagstext)Im wissenschaftlichen Springer-Verlag 2023 erschienene und wahrhaft umfassende Darstellung der Liebesforschung von Victor Karandashev. Juni 2023, 299 Seiten, 69,90 Euro. Der Link führt via KitKat-Pressespiegel zur Verlagsseite, auf der Kurzzusammenfassungen aller 14 Kapitel frei anklickbar sind.
Die nicht mehr aktuelle Ausgabe No. 38 des Erotik-Magazins für Frauen 'Séparée' bietet u.a. folgende Themen: Die Macht der Verführung, Intimschmuck für Sie & Ihn, Sex in the City: Leipzig, Tipps gegen Trennungsangst, die Geschichte der Vulvaschau, der richtige Ort für eine Affäre oder eine Einführung in BDSM. Séparée erscheint viermal im Jahr, No. 38 kam am 30. August 2023 heraus. Die Printausgabe des Magazins kostet 8,90 Euro im Zeitschriftenhandel oder per Versand (plus Versandkosten), es kann aber auch als e-paper für 5,90 Euro heruntergeladen werden.
"Dominant women crystallize conflicts in contemporary feminist debates. Sexually dominant women are presented either as victims or as agents of resistance to sexist patriarchy. In Female Domination: Between Work and Pleasure, I argue that female domination in heterosexual BDSM is primarily situated on a continuum structured by care values and the circulation of money. In order to better understand the pleasure taken in these practices and the difficulties for women to impose themselves as dominators, we must stop focusing on the transgressive aspects of female domination and look at the place of work and the organization of work in women's sexuality. Written in the first person, this book offers a personal experience and testimony type of account. This is an aspect of the book that gives it a potential of popularization that could be of interest to all people interested or involved in BDSM activities. If the main people interested in the book are the practitioners of female domination, the numerous references to popular culture make the book accessible to a large number of people.This book opens up new avenues for research in psychology. It offers the opportunity of an interpretation of sexuality by recognizing the part of subjectivity linked to work, considered in its broadest sense, thus upsetting the theoretical frameworks used in clinical psychology and psychoanalysis and changing our view of desire." (Autorin Nathalie Lugand über ihr Buch)Im März 2023 veröffentlicht, 132 Seiten, 42,85 Euro (Taschenbuch-Version) bzw. 25,05 Euro (Kindle-Version). Auf der Seite des Verlags sind Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel verfügbar, klick den Link!UPDATE: In der Ausgabe der Schlagzeilen Nr. 198, dem zweimonatlichen BDSM-Magazin, ist Mitte Mai 2023 eine Rezension dieses Buches plus ein Interview mit der Autorin erschienen. Diese beiden Texte sind zwar im Netz nicht frei zugänglich, aber eine leicht veränderte Fassung der Buchbesprechung bietet der Autor auch auf der Seite kultur-und-politik.de an, siehe unten den nächsten Eintrag!
"Im britischen Routledge Verlag ist eine sehr lesenswerte Studie zu BDSM - „A Psychodynamic Approach to Female Domination in BDSM Relationships" erschienen. In der Studie beschäftigt sich die in Berlin lebende französische Autorin Nathalie Lugand mit dem Themenkomplex weiblicher Dominanz, einem nicht zuletzt auf Grund der u.a. durch Sigmund Freud zugeschriebenen passiven Rolle der Frau in der Sexualität bislang stiefmütterlich behandelten Thema." (Maurice Schuhmann)Deutschsprachige Buchbesprechung von Anfang Juni 2023 auf der Seite kultur-und-politik.de zum englischsprachigen Werk von Nathalie Lugand, die in leicht veränderter Form ursprünglich in der Ausgabe der Schlagzeilen Nr. 198 Mitte Mai erschienen ist, siehe oben den vorherigen Eintrag!
Ältere clubspezifische Einträge siehe auch die Surftips im KitKat-Pressespiegel, Unterseite Kunst & Kultur, rechte Spalte. Klick den Link!
Der US-Amerikaner Bob Mizer (1922-1992) war als Fotograf ein Pionier der männlichen homosexuellen Aktfotografie in den Vereinigten Staaten: "Mizer startete das Magazin „Physique Pictorial", Amerikas erstem sich zu schwuler Sexualität bekennenden Magazin für Körperkultur. In den folgenden Jahrzehnten produzierte Mizer zahlreiche Filme." (Wikipedia)Die Ausstellung „Chromatic Mannerisms 1962 – 1992" der Bob Mizer Foundation in San Francisco zeichnet seine künstlerische Entwicklung über drei Jahrzehnte nach, in der er sich schon früh in den 60er Jahren vom ursprünglich verwendeten Schwarz-Weiß-Format emanzipierte, um mit der Entdeckung und Aneignung der Farbfotografie seinen ganz eigenen Stil und seine ihm eigene Ästhetik auszubilden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 27. Januar 2024.
Eine Ausstellung im New Yorker Foto-Museum International Centre of Photography (ICP) im Viertel Lower East Side in Manhattan zeigt Werke von Fotografen wie Eve Arnold, Cecil Beaton, Lee Miller, Irving Penn und Edward Steichen. Die Bilder zum Leben und Werk der Leinwandikone sind teils das erstemal in den USA zu sehen: "Featuring 250 photographs taken from 1905 to 1978, Play the Part: Marlene Dietrich examines the multifaceted evolution of Dietrich's (1901–1992) public persona." (Ausstellungstext) Noch bis zum 8. Januar 2024.
"Dorothy Iannone (1933–2022) was an American visual artist renowned for her vibrant and expressive artistic language. (...) Her work often features vibrant, colourful, and explicit depictions of sexuality and the human body, exploring themes of love, ecstasy, and the pursuit of personal freedom." (Ausstellungstext) "Das Museum für zeitgenössische Kunst in Antwerpen zeigt nun ihre farbenfrohen, psychedelisch-ornamentalen "Bild-Schrift-Klang-Objekte" sowie Künstlerbücher und Videoinstallationen. Den ausgesprochen performativen Charakter ihres Schaffens soll die neue Retrospektive erstmals in den Vordergrund stellen." (Monopol Magazin) Bis zum 21. Januar 2024.PS: Mit Klick auf den Titel gelangt man zunächst in den KitKat-Pressespiegel zu einer Ausstellung in Düsseldorf mit Werken von Dorothy Iannone und William N. Copley seit August, die dort noch bis zum 24. Januar 2024 zu sehen ist. Ein Kontextlink führt zu einem Nachruf und schließlich zu älteren Artikeln über die Künstlerin.
Wir schreiben das Jahr 2740: Der smarte Agent Valerian und die selbstbewusste Laureline sind auf einer speziellen Mission. In der intergalaktischen Stadt Alpha stoßen sie auf subversive Kräfte, die die Ordnung der gesamten Galaxis bedrohen... Regisseur Luc Besson (‘Subway’, ‘Lucy’) verwirklichte ein lang gehegtes Lieblingsprojekt und verfilmte mehrere Comics der Valerian-Reihe, womit er visuell und dramaturgisch gewissermaßen die nächste Transformationsstufe seines SF-Kultfilms ‘Das fünfte Element’ zündete, der auch schon durch eine schräge Geschichte, sein rasantes Tempo und einen bizarren Look aufgefallen war, als eigenständiges Statement des französischen Kinos gegenüber vergleichbaren aber konventionelleren Hollywood-SF-Blockbustern. Seine ganz eigene Mischung aus fantastischer Zukunftsvision, satirisch eingefärbter Komödie und philosophischem Liebesdrama, bei der mehr die formale Machart und die aufgedrehte Energie denn die Handlung zählt, kam bei vielen Kritikern diesmal nur mäßig an, die allerdings den Comic-Background nicht angemessen berücksichtigten oder gleich generell mit dem Science Fiction-Genre auf Kriegsfuß stehen. Der atemberaubende visuelle Trip entfaltet sich allerdings in seiner ganzen Pracht und emotionalen Intensität nur in der 3D-Fassung auf der großen Kinoleinwand. Mit Dane DeHaan und Cara Delevingne. Achtung Überlänge, ca. 160 Minuten, inklusive Werbung. Wiederholung von Samstagabend.
LESBIAN SPACE PRINCESS (ab 22. Januar)Die introvertierte Prinzessin Saira vom Planeten Clitopolis wird von ihrer draufgängerischen Kopfgeldjäger-Exfreundin Kiki verlassen, weil sie zu anhänglich sei. Als Kiki von den "Straight White Maliens" entführt wird, einer Gruppe von Incels, die ihre mangelnde Anziehungskraft auf Frauen beheben wollen, begibt sich Saira auf eine intergalaktische Rettungsmission. Auf dieser Reise durch das queere Weltall muss sie nicht nur ihre Ex-Freundin retten, sondern auch ihr eigenes Selbstwertgefühl finden und lernen, sich selbst zu lieben...Witzig, originell, queer: 'Lesbian Space Princess' ist eine animierte Science-Fiction-Action-Komödie mit Musical-Elementen, die für ein erwachsenes Publikum konzipiert ist. Sie stammt aus dem Jahr 2025 aus Australien und ist das gemeinsame Regiedebüt von Emma Hough Hobbs und Leela Varghese, die auch das Drehbuch schrieben. Zu den wichtigsten Figuren gehören neben Prinzessin Saira und Kiki noch die Drag-Diva Blade und die Musikerin Willow. Der Film ist ein farbenfrohes, handgemacht wirkendes Animationsabenteuer im Stil von "Adventure Time" oder "Rick and Morty", das durch seine "Candy-Coloured"-Ästhetik besticht. Der Clou liegt dabei in seinem unapologetisch queeren Ansatz, der gesellschaftliche Normen auf den Kopf stellt und Humor mit einer tiefgründigen Botschaft über Selbstakzeptanz und die Überwindung von Angst verbindet. Trotz der einfachen Animationstechnik ist der Film visuell ansprechend und nutzt seinen campigen Stil für eine einzigartige "inter-gay-lactic journey". Der Tenor der Kritik ist überwiegend positiv: Kritiker loben den Witz, den Charme und die herzerwärmende Botschaft des Films. Das Publikum (Popcornmeter auf Rotten Tomatoes) war bisher allerdings etwas weniger begeistert als die Kritiker. Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale 2025, wo er den renommierten Teddy Award für den besten LGBTQIA+-Film gewann und beim Panorama-Publikumspreis den zweiten Platz belegte:""Lesbian Space Princess" ist nie zu seicht, um oberflächlich zu wirken, aber auch nie zu schwer, um nicht trotzdem lachen zu können. Es ist große Kunst, ernsten Themen Leichtigkeit zu verleihen. Hier gelingt es." (queer.de)PS: Der Film wird teils als deutsch synchronisierte, teils als englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln angeboten. Bitte vorab je nach gewünschter Version informieren.MADAME KIKA (ab 15. Januar)Die Sozialarbeiterin Kika wird kurz nach der Nachricht, dass sie ihr zweites Kind erwartet, von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Psychisch angeschlagen und ohne finanzielle Mittel, muss sie dringend Geld verdienen, um sich und ihre Kinder zu versorgen. In ihrer Notlage entscheidet sie sich, als Domina zu arbeiten, wo sie unerwartet Halt und einen Weg zur Selbstbehauptung findet...'Madame Kika' ist ein unkonventionelles Drama bzw. eine Tragikomödie, die Elemente des Sozialdramas mit leiser Komik verbindet. Der Film ist eine belgisch-französische Produktion, die 2025 entstand, Regie führte die Filmemacherin Alexe Poukine, die auch am Drehbuch mitschrieb. Die wichtigsten Schauspieler sind Manon Clavel in der Hauptrolle der Kika, Makita Samba als David und Ethelle Gonzalez Lardued als Mary. Eine formale Besonderheit ist die Inszenierung mit einer oft hautnahen Handkamera, die an den Stil der Dardenne-Brüder erinnert und große Nähe zur Protagonistin schafft, ohne voyeuristisch zu wirken. Der Film findet dabei eine ausgewogene Balance zwischen Tragik und Witz und thematisiert moderne Arbeitswelten sowie den Kampf, der eigenen Trauer genügend Raum geben zu können. Die Arbeit als Domina wird nicht weiter moralisch problematisiert, durch die sich Kika inmitten von Schmerz, Macht und Lust eine so ungewöhnliche wie überraschende Möglichkeit eröffnet, ihre eigene Würde zurück zu erlangen. Die Kritiken waren überwiegend positiv, wobei das Werk als bemerkenswerter Kinofilm gelobt wird, der Mut zur Offenheit beweise. Bei den Filmfesten in München und Brüssel wurde 'Madame Kika' bereits ausgezeichnet. Der Film polarisiert jedoch auch das Publikum, manche sehen ihn als reines Drama, andere mehr als Komödie oder gesellschaftskritische Sozialstudie:"„Madame Kika“ ist sowohl für Hauptdarstellerin Manon Clavel als auch für Regisseurin und Autorin Alexe Poukine das Kinofilmdebüt. Poukine sammelte vorher bereits Erfahrungen als Fotografin und Dokumentarfilmerin. Für ihren ersten Spielfilm „Madame Kika“ traf sie sich im Vorfeld zur Recherche mit zahlreichen Sexarbeiterinnen und Dominas und besuchte sogar mehrere BDSM-Workshops." (filmstarts.de)PLAINCLOTHES (ab 15. Januar)Der junge, noch nicht geoutete Polizist Lucas ist in den 90er Jahren in Syracuse, New York, im Einsatz, um in Zivil homosexuelle Männer in öffentlichen Toiletten zu verhaften, die dort nach Sex suchen. Bei einer dieser verdeckten Operationen trifft er auf Andrew und fühlt sich wider Erwarten stark zu ihm hingezogen. Es entwickelt sich eine geheime, leidenschaftliche Affäre, die Lucas' berufliche Pflichten und seine persönliche Identität in einen tiefen Konflikt stürzt...Bei 'Plainclothes' handelt es sich um ein romantisches Thriller-Drama, das Elemente eines Psychodramas mit einer Coming-out-Geschichte verbindet. Der Film ist eine US-amerikanisch-britische Co-Produktion aus dem Jahr 2025, die Regie übernahm der Filmemacher Carmen Emmi in seinem Langfilmdebüt. Mit Tom Blyth als Lucas und Russell Tovey als Andrew, unterstützt von Maria Dizzia als Lucas' Schwester und Christian Cooke als Lucas' homophober Kollege Ron. Formal zeichnet sich der Film durch eine rohe, körnige Ästhetik aus, die durch den Dreh auf 16-mm-Film und den Einsatz von VHS-Material erreicht wird und die Paranoia und Angst der Zeit widerspiegelt. Dramaturgisch wird die Handlung durch eine nicht-chronologische Erzählweise und schnelle Schnitte, die Lucas' inneren Aufruhr verdeutlichen, vorangetrieben. Der ganze Film ist ein großes Plädoyer für Ehrlichkeit und das Leben der eigenen Wahrheit, indem er die verheerenden Auswirkungen von Scham und Verdrängung in einer repressiven Gesellschaft aufzeigt. Der Tenor der Kritik ist überwiegend positiv, wobei viele Kritiker insbesondere die schauspielerischen Leistungen und die intensive Atmosphäre loben, während einige allerdings die stilistischen Entscheidungen als ziemlich überwältigend bzw. anstrengend empfanden. Der Film wurde beim Sundance Film Festival 2025 uraufgeführt und gewann dort den "U.S. Dramatic Special Jury Award for Ensemble Cast": "Obwohl ich die Geschichte dann in den 1990er Jahren angesiedelt habe, hatte sie plötzlich unerwartete Aktualität. In der Woche, in der unser Film seine New Yorker Premiere hatte, wurden dort mehr als 100 Männer beim Cruisen auf einer Toilette am Bahnhof Penn Station verhaftet. Diese Dinge passieren also immer noch!" (Aus dem Interview mit Filmemacher Carmen Emmi auf dem Online-Portal männer*)PS: "Plainclothes" ist übrigens die englische Bezeichnung für "in Zivil".KURZ NOTIERT:HAMNET (ab 22.1.): Der Film, unter der Regie der Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao, thematisiert das Leben von William Shakespeare und seiner Frau Agnes Hathaway, insbesondere den schmerzlichen Verlust ihres gemeinsamen Sohnes Hamnet im Alter von elf Jahren und wie diese Tragödie das spätere Meisterwerk "Hamlet" inspirierte. Das poetische Charakterdrama im Stil eines historischen Biopics zeichnet sich durch Chloé Zhaos typische ästhetische Handschrift aus, die intime Nahaufnahmen mit atemberaubenden Naturaufnahmen der englischen Landschaft verbindet und oft mit Licht und Schatten im Stil alter Meister spielt. Die Hauptrollen sind mit Jessie Buckley als die erdverbundene, intuitive Agnes und Paul Mescal als William, der mit Trauer ringende Vater und aufstrebende Autor, herausragend besetzt, was dem Film überwältigend positive Kritiken und Oscarnominierungen, unter anderem für die Darsteller, einbrachte. ---------- ASTRID LINDGREN -DIE MENSCHHEIT HAT DEN VERSTAND VERLOREN (ab 22.1.): Dieses biografische Dokudrama widmet sich der weltberühmten Autorin von einer neuen Seite, indem es ihre unveröffentlichten Kriegstagebücher aus den Jahren 1939 bis 1945 als Grundlage nimmt, um sie als kluge Chronistin der Zeitgeschichte zu zeigen. Unter der Regie von Wilfried Hauke entfaltet sich der Film als eindrückliche Mischung aus Archivmaterial und szenischen Darstellungen, bei der Sofia Pekkari die junge Astrid Lindgren verkörpert und ihre wachsende Verzweiflung über die Grausamkeit des Krieges und ihre gleichzeitige Sorge um das Überleben ihrer Kinder und Familie spürbar macht. Die Rezeption lobt den Film als elegante und bewegende Verfilmung, die Lindgrens Entwicklung von einer privaten Tagebuchschreiberin zu einer mutigen Humanistin und unerschrockenen Kämpferin für Menschlichkeit und Frieden nachzeichnet. ---------- THE HOUSEMAID - WENN SIE WÜSSTE (ab 15.1.): Der Film, eine Adaption des gleichnamigen Bestseller-Romans von Freida McFadden, erzählt die Geschichte der jungen, vorbestraften Millie (Sydney Sweeney), die eine Anstellung als Hausmädchen bei dem wohlhabenden Ehepaar Nina (Amanda Seyfried) und Andrew Winchester (Brandon Sklenar) antritt, nur um schnell festzustellen, dass hinter der perfekten Fassade der Familie düstere Geheimnisse lauern, die weitaus gefährlicher sind als ihre eigenen. Die Handlung ist ein verwobener Psychothriller voller unerwarteter Wendungen, in dem die Dynamik zwischen den Hauptfiguren und das isolierte Setting des luxuriösen Anwesens die Spannung bestimmen. Inszeniert wurde der Psychothriller vom eigentlich für Komödien wie "Brautalarm" bekannten Regisseur Paul Feig, der hier einen dunkleren, fesselnden Ton anschlägt, der mitunter als "erotischer Psychothriller" beschrieben wird und sich durch eine dichte, beklemmende Atmosphäre auszeichnet. Die Ästhetik des Films spielt geschickt mit der vermeintlichen Idylle des Anwesens auf Long Island, wobei die Kameraführung und der Sound die lauernden Gefahren subtil unterstreichen, während die Darstellerinnen Sydney Sweeney und Amanda Seyfried in ihren Rollen brillieren und komplexe, ambivalente Charaktere verkörpern. Kritiker loben die mitreißenden schauspielerischen Leistungen, insbesondere die von Seyfried, und die Art, wie der Film trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit bis zur Auflösung spannend bleibt und unterhält. ---------- DER FREMDE (ab 1.1.) François Ozons Filmdrama "Der Fremde" versetzt die Handlung des existentialistischen Roman-Klassikers von Albert Camus aus dem Jahr 1942 in das Algier der 1930er-Jahre und rückt die Perspektive des Protagonisten Meursault in den Vordergrund. Der Film beginnt mit der Gleichgültigkeit Meursaults gegenüber dem Tod seiner Mutter und verfolgt seine weiteren Begegnungen und Handlungen, die schließlich in einem sinnlosen Mord an einem Araber am Strand gipfeln und ihn vor Gericht bringen. Die Geschichte ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz, der Absurdität des Lebens und der Frage nach Schuld und Sühne, bei der Meursaults Unfähigkeit, gesellschaftliche Konventionen wie Trauer oder Reue zu empfinden, im Zentrum steht. Das Werk bewegt sich im Genre zwischen existenzialistischem Drama, Liebesgeschichte und Gerichtsfilm. Ozon nutzt die filmischen Mittel, um die innere Welt Meursaults und die Hitze Algiers sinnlich erfahrbar zu machen, wodurch die oft als "Arktis in Algier" beschriebene emotionale Kälte des Protagonisten visuell umgesetzt wird. Der Film zeichnet sich durch eine brillante, strenge Ästhetik aus, wobei die Kameraführung die Entfremdung des "Fremden" in seiner eigenen Welt betont. Ozon setzt auf visuelle Kontraste und ein dichtes Spiel der Referenzen, um die Atmosphäre der Kolonialzeit einzufangen und die Unsichtbarkeit der arabischen Bevölkerung zu thematisieren. Unter Ozons Regie, der bereits für seine literarischen Adaptionen bekannt ist, brilliert Benjamin Voisin in der Hauptrolle des apathisch wirkenden Meursault, neben weiteren Darstellern wie Rebecca Marder als Marie und Denis Lavant. Die Rezeption des Films, der 2025 in Venedig Premiere feierte, ist überwiegend positiv und lobt Ozon für seine meisterliche und intelligente Neuinterpretation des Literaturklassikers. ---------- QUEERPANORAMA (ab 1.1.): "Queerpanorama" des Hongkonger Regisseurs Jun Li ist ein intimes und introspektives Drama, das die Odyssee eines namenlosen jungen schwulen Mannes (bemerkenswert gespielt von Jayden Cheung in seinem Schauspieldebüt) durch die Hookup-Kultur Hongkongs verfolgt. Um seine eigene Identität zu verbergen und gleichzeitig echte Verbindungen zu suchen, nimmt er bei jeder neuen sexuellen Begegnung die Identität – Name, Beruf und Lebensgeschichte – seines vorherigen Partners an, wodurch ein faszinierendes Spiel zwischen Sein und Schein entsteht. Der Film basiert lose auf den persönlichen Erfahrungen des Regisseurs und beleuchtet auf sensible, melancholische Weise die universelle Suche nach Intimität, Identität und Zugehörigkeit in einer schnelllebigen, oft einsamen Großstadt. Das Werk ist ein mutiges und provokantes Drama mit Elementen des Erotik-Thrillers und einer Ästhetik, die an die Nouvelle Vague erinnert, insbesondere an Regisseure wie Wong Kar Wai oder Eric Rohmer. Der Films feierte 2025 auf der Berlinale in der Sektion Panorama seine Weltpremiere und gewann den Golden Horse Award für die beste Regie. Kritiker loben die intelligenten Dialoge, die von persönlichen und politischen Themen durchdrungen sind, sowie die stilvolle und gewagte Herangehensweise an queere Intimität, die das fragile Verhältnis von Selbstbild und Begehren eindrucksvoll thematisiert. ---------- ANKÜNDIGUNG: "Fast drei Jahrzehnte nach seinem Kinostart kehrt LOST HIGHWAY dorthin zurück, wo David Lynchs surrealistischer Psycho-Thriller hingehört: ins Kino. Am 3. Februar 2026 wird der Kultfilm im Rahmen der Best of Cinema-Reihe in einer aufwendig 4K-restaurierten Fassung erneut auf der großen Leinwand zu sehen sein." (RCRmagazin) Mit Bill Pullman und Patricia Arquette. Bitte rechtzeitig im Netz über die genauen Aufführungsorte und die Anfangszeiten informieren! Der Film läuft z.B. im Lichtblick-Kino in der Kastanienallee 77 in Berlin, Prenzlauer Berg, 20 Uhr, im Original mit Untertiteln, aber an der Best of Cinema-Reihe nehmen bundesweit über 300 Kinos teil und so zeigen auch in Berlin neben dem Lichtblick-Kino noch rund ein halbes Dutzend weitere 'Lost Highway' an diesem Tag, in anderen Städten teils auch erst in den folgenden Tagen...
12 Filme von Regisseur Christopher Nolan, einem der größten Visionäre des zeitgenössischen Kinos, die schon immer primär für die große Leinwand gedacht waren, kann man jetzt noch einmal AUF einer großen Leinwand erleben, nämlich im Babylon Kino in der Berliner Rosa-Luxemburg-Straße! Alle im Original mit Untertiteln. Vom 13. bis zum 21. Oktober 2025:Freitag d. 17.10., 17 Uhr und Sonntag d. 19.10., 14 Uhr 30:BATMAN BEGINS, US/UK, 2005, Fantasy-Action„Nach seiner Ausbildung bei der geheimnisvollen Liga der Schatten kehrt Bruce Wayne nach Gotham zurück, um den Kampf gegen das Verbrechen aufzunehmen. Im Angesicht von Scarecrow und Ras al Ghul wird er zur Fledermaus und prägt den Superhelden-Mythos neu.“ (Babylon Kino) Mit Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Cillian Murphy. Länge: 140 Minuten.Freitag d. 17.10., um 17 Uhr:DUNKIRK, US/UK/F, 2017, Historien-Drama„Über Land, See und Luft wird die Evakuierung alliierter Soldaten aus Dünkirchen erzählt mit minimalem Dialog, aber maximaler Spannung. Nolan inszeniert eine packende Überlebensgeschichte in drei verflochtenen Zeitebenen.“ (Babylon Kino) Mit Fionn Whitehead, Tom Hardy, Kenneth Branagh. Länge: 106 Minuten.Freitag d. 17.10., 19 Uhr 45, und Montag d. 20.10., 17 Uhr 15:THE DARK KNIGHT, USA, 2008, Fantasy-ActionBatman will im Bündnis mit Polizei und Staatsanwaltschaft das organisierte Verbrechen in Gotham City endgültig zerschlagen, doch er sieht sich einem so finsteren wie schrill-überdrehten Kriminellen gegenüber. ----- Kritiker und Publikum überschlugen sich zur Kinopremiere beinahe einmütig vor Begeisterung und sprachen von der besten Batman-Verfilmung aller Zeiten durch Regisseur Christopher Nolan. Das eigentliche Highlight des Films neben der grandiosen Ausstattung und den special effects ist dabei nicht Batman (Christian Bale) selbst sondern Bösewicht Joker, gespielt von Heath Ledger in seiner letzten Rolle. Seine dunkle und psychopathologisch-sadistische Interpretation des Jokers gibt dem ganzen schon auf schauspielerischer und dramaturgischer Ebene eine betont düstere Note, die durch die alptraumhaft inszenierte Atmosphäre Gotham Citys bildlich weiter verstärkt wird. Mit Christian Bale, Heath Ledger, Aaron Eckhart, Maggie Gyllenhaal. Länge: 152 Minuten.Samstag d. 18.10., 18 Uhr und Montag d. 20.10., 22 Uhr:INCEPTION, USA, 2010, Science Fiction-ThrillerDominic "Dom" Cobb besitzt eine ungewöhnliche Gabe: Er kann sich in die Träume von anderen Menschen einklinken und ihre Trauminhalte mitverfolgen. Normalerweise benutzt er diese Fähigkeit nur zur Wirtschaftsspionage, doch als er eines Tages des Mordes an seiner eigenen Frau beschuldigt wird, soll er das Unterbewusstsein einer bestimmten Person gezielt manipulieren. ----- Surreale Räume, verzerrte Blickwinkel, ungewöhnliche Perspektiven: 'Inception' nutzt virtuos die formalen Mittel des Kinos und des Science Fiction-Action-Genres und schickt die Zuschauer auf einen grandiosen visuellen Trip. Gleichzeitig erzählt Regisseur Christopher Nolan aber auch eine intelligente Geschichte über die Konstruktion von Wirklichkeit. Vier Oscars, u.a. für die besten visuellen Effekte. Mit Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page. Länge: 148 Minuten.Dienstag d. 14.10., 22 Uhr 30, Samstag d. 18.10., 22 Uhr, und Sonntag d. 19.10., 20 Uhr:INSOMNIA - SCHLAFLOS, US, 2002, ThrillerEin Polizist trifft im hohen Norden Alaskas ein, um bei der Aufklärung eines Mordfalls zu helfen. Die Mitternachtssonne bringt ihn dabei langsam um den Verstand: "Wann wird's denn dunkel?" "Gar nicht!" ----- "Bildgewaltiger Psychothriller vor der atemberaubenden Kulisse Alaskas." (Arte-Text) Mit Al Pacino, Robin Williams, Hilary Swank. Länge: 118 Minuten.Dienstag d. 14.10., 22 Uhr 30, Freitag d. 17.10., 22 Uhr 30, und Sonntag d. 19.10., 14 Uhr:THE DARK KNIGHT RISES, US/UK, 2012, Fantasy-Action„Acht Jahre nach Batmans Verschwinden droht Gotham durch den Terroristen Bane unterzugehen. Bruce Wayne muss zurückkehren und sich Schmerz, Vermächtnis und Opfer stellen, um die Stadt zu retten.“ (Babylon Kino) Mit Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway, Michael Caine. Länge: 164 Minuten.Mittwoch d. 15.10., 17 Uhr 30, Freitag d. 17.10., 22 Uhr 30, Sonntag d. 19.10., 14 Uhr 30 und Dienstag d. 21.10., 22 Uhr 15:FOLLOWING, UK, 1998, KrimidramaChristopher Nolans Erstling ist wahrscheinlich der unbekannteste und mit nur 69 Minuten Laufzeit auch der kürzeste Film auf dieser Liste: „Mit geringem Budget atmosphärisch dicht gestaltete Film-Noir-Variation. In den Thriller-Elementen etwas überzogen, kündigt sich in dem Debütfilm eindrucksvoll das Talent des Regisseurs zu komplexen Verwirrspielen an.“ (Lexikon des Internationalen Films) „Following ist der erste Spielfilm von Christopher Nolan. Fast alle Darsteller sind Familienangehörige oder Freunde des Regisseurs. (...) Wie auch in Nolans späteren Filmen Memento und Prestige - Die Meister der Magie spielen die Szenen des Films in der Originalversion nicht in einer chronologischen Reihenfolge.“ (Wikipedia) Mit Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell. Länge: 69 Minuten.Mittwoch d. 15.10., 21 Uhr 30 und Montag d. 20.10., 17 Uhr 15:MEMENTO, US, 2000, Psycho-ThrillerLeonard leidet unter chronischem Gedächtnisverlust, doch trotzdem versucht er mit Hilfe von eigenwilligen Erinnerungsstützen den Mörder seiner Frau zu finden. Seine Nachforschungen werden immer verwirrender. ----- Hochgelobtes und vielfach preisgekröntes frühes Meisterwerk von Regisseur Christopher Nolan, das vor allem auch durch seine ungewöhnliche Machart besticht: "Die beiden Handlungsstränge laufen entgegengesetzt ab: Die in Farbe gedrehte eigentliche Handlung läuft chronologisch rückwärts ab. Die Vorgeschichte zur Handlung ist in schwarz-weiß gedreht und läuft vorwärts." (Tele 5-Text) Mit Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano. Länge: 113 min.Mittwoch d. 15.10., 21 Uhr 30, Donnerstag d. 16.10., 22 Uhr 30 und Freitag d. 17.10., 21 Uhr 45:INTERSTELLAR, US/UK, 2014, Science Fiction-EposDie Erde in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts: Verschiedene ökologische Krisen haben sich so weit zugespitzt, dass der Fortbestand der Menschheit gefährdet ist. Eine Weltraummission durch ein Wurmloch soll einen möglicherweise bewohnbaren Planeten genauer erforschen, der um ein weit entferntes Schwarzes Loch kreist. ----- Dass Regisseur Christopher Nolan faszinierende Bilderwelten erschaffen kann, hat er u.a. in seinen sowohl von den Kritikern wie beim Publikum gefeierten Blockbustern ‘The Dark Knight’ und ‘Inception’ längst bewiesen. Ebenso, dass die Regeln des konventionellen Unterhaltungs- und Spannungskinos und der Anspruch auf tiefere inhaltliche Substanz keine Gegensätze sein müssen. ‘Interstellar’ zielt aber noch höher und ist eine einzige Referenz auf Stanley Kubricks absoluten Klassiker des Science Fiction-Genres ‘2001: Odyssee im Weltraum’, den Nolan allerdings nicht wirklich erreicht - ein Scheitern jedoch auf allerhöchstem Niveau. Mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Michael Caine. Länge: 169 Minuten.Donnerstag d. 16.10., 19 Uhr 30, Sonntag d. 19.10., 17 Uhr 15, Montag d. 20.10., 22 Uhr, und Mittwoch d. 22.10., 21 Uhr 30:TENET, USA, 2020, Science Fiction-ThrillerEin CIA-Agent wird in Details der Geheimoperation „Tenet“ eingeweiht: Bald soll es möglich sein, dass die Kausalität von Ereignissen ins Gegenteil verkehrt wird. Alle Zeichen deuten auf ein dramatisches Geschehen in der Zukunft hin, das verhindert werden muss. ----- Elfter Spielfilm von Regiestar Christopher Nolan aus dem Jahr 2020, dem Spezialisten für außergewöhnliche Stoffe und ihrer bildgewaltigen Umsetzung. Hier spielt die phantastische Umkehrung oder Verfremdung unseres normalen Zeitverständnisses die zentrale Rolle. PS: Das Wort „Tenet“ ist ein sogenanntes Palindrom, d.h. vorwärts wie rückwärts gelesen ergibt es den gleichen Sinn. Mit John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Kenneth Branagh. Länge: 150 Minuten.Donnerstag, 16.10., 22 Uhr und Samstag, 18.10., 17 Uhr 30:PRESTIGE - DIE MEISTER DER MAGIE, US/UK, 2006, Historien-ThrillerLondon, Ende des 19. Jahrhunderts: Zwei befreundete Zauberkünstler werden zu Rivalen und liefern sich einen tödlichen Wettstreit. ----- Aufwändig produzierter Historien-Thriller von Regisseur Christopher Nolan in Top-Besetzung, der sich bis zum Schluß immer neue spannende Wendungen, Rätsel und Überraschungen einfallen lässt. Mit Hugh Jackman, Christian Bale, Scarlett Johansson, Michael Caine. Länge: 130 Minuten.Donnerstag d. 16.10., 22 Uhr 15, Freitag d. 17.10., 19 Uhr 15, Samstag d. 18.10., 20 Uhr 45, Sonntag d. 19.10., 17 Uhr 45 und Montag d. 20.10., 21 Uhr 45:OPPENHEIMER, US/UK, 2023, Historien-DramaUnd schließlich Christopher Nolans bislang wohl größter Triumph: Die Geschichte von Robert Oppenheimer, dem Leiter des Manhattan-Projekts zur Entwicklung der ersten Atombombe. Auf Basis der Biografie von Kai Bird und Martin J. Sherwin wird das Leben von Oppenheimer vielschichtig und in nicht-linearer Form rekonstruiert. Beim Oscar 2024 erhielt der Film bei dreizehn Nominierungen insgesamt sieben Auszeichnungen, darunter für den Besten Film, den Besten Hauptdarsteller und Besten Nebendarsteller – und für die Beste Regie, also Nolan selbst! Mit Cillian Murphy, Emily Blunt, Robert Downey Jr., Matt Damon. Länge: 180 Minuten.
Im Oktober 2020 ist das großformatige Taschenbuch über die Clubszenen in zehn exemplarischen Städten Europas und Afrikas erschienen, die die große Vielfalt der globalen Clubkultur widerspiegeln. "Ten Cities – Clubbing in Nairobi, Cairo, Kiew, Johannesburg, Neapel, Berlin, Luanda, Lagos, Bristol, Lisbon" umfasst dabei außerdem einen Zeitraum von 60 Jahren und gewährt so auch einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der lokalen Musik-, Ausgeh- und Feierkulturen:„Das Bild des seinen Plattenkoffer über internationale Non-Places ziehenden DJs, der rund um den Globus in Clubs auflegt, ist ein Stereotyp unserer Zeit. Clubkulturen haben eine reiche lokale Historie und sie sind zugleich geografisch viel differenzierter, als in der Geschichte von der nordatlantischen Achse Detroit–Chicago–Manchester–Berlin bislang erzählt wurde. Dieses Buch erweitert den Fokus. Es berichtet von zehn Club-Hauptstädten in Afrika und Europa, sowohl von prominenten als auch von vermeintlich peripheren Szenen." (Verlagstext)Zu jeder Stadt gibt es zwei Essays, ergänzt um eine Fotostrecke, die sich schwerpunktmäßig je mit dem musikalischen und dem gesellschaftspolitischen Kontext beschäftigen und die die Unterschiede zwischen den verschiedenen lokalen Traditionen und Subkulturen aber auch die tieferen Gemeinsamkeiten herausarbeiten, die mit Stichworten wie „Labore des Andersseins", „Sehnsucht nach Gemeinschaft", „Überwindung von Herkunftsgrenzen" oder „Experimente für neue Lebensformen" beschrieben werden. Das Buch entstand aus einem gleichnamigen Projekt des Goethe-Instituts, das musikalische Begegnungen anfänglich nur zwischen Berlin und Nairobi initiierte, was im Laufe der Jahre immer mehr auf andere Städte ausgeweitet wurde. Mit dem Klick auf den Titel gelangt man dementsprechend zunächst zu einem taz-Artikel im KitKat-Pressespiegel schon von Mai 2013, der über dieses Projekt und die damalige Clubkultur in Cairo berichtete. Dort wurden nun noch der Link zur Besprechung des „Anti-Hochglanz-Wälzers" im Monopol-Magazin von Dezember 2020, ein Link zu Amazon und ein Link zu einer Compilation-CD hinzugefügt, die die Musik von 50 Produzenten aus den zehn Städten versammelt. Auch als Trippel-Vinyl erhältlich. Spector Books OHG, 560 Seiten, großformatiges Taschenbuch, in englischer Sprache, 40,00 Euro.Hier auch noch einige weitere Bücher zum Themenfeld Clubkultur/Feiern/Ekstase, die bereits auf der Kulturseite oben in der rechten Spalte in den letzten Jahren als Kurzbesprechungen erschienen sind. Die Links zu den jeweiligen Einträgen im KitKat-Pressespiegel wurden jetzt alle noch beim obigen Eintrag über die 'Ten Cities' ergänzt:EKSTASE - ECSTASY: IN KUNST, MUSIK UND TANZVon religiösen Riten und klassischen Gemälden über Jazz-, Rock- und Popkultur der vergangenen Jahrzehnte, Drogenräusche und Sportbegeisterung bis hin zu zeitgenössischer Performance-, Konzept- und Videokunst lieferte eine große Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart 2018/2019 einen breiten Überblick zu spirituellen, politischen, psychologischen, sozialen, sexuellen und ästhetischen Aspekten der ekstatischen Grenzerfahrung, „zwischen Askese und Exzess":„Ekstase ist eines der ältesten und zugleich erstaunlichsten Phänomene europäischer wie außereuropäischer Kulturen. Ursprünglich im rituell-religiösen Kontext geprägt, wurde die ekstatische Grenzerfahrung begrifflich erstmals in der Antike erfasst. Seither ist sie ein fester Bestandteil westlicher Gesellschaftstheorien. Dabei veränderte und erweiterte sich die Definition und Bewertung kontinuierlich." (Ausstellungstext)Der im Prestel-Verlag erschienene und seit Anfang Februar 2019 auch im Buchhandel erhältliche umfangreiche Katalog zur Ausstellung „dürfte bald als Standardwerk gelten"! Zweisprachig, englisch-deutsch, 288 Seiten, 45,00 Euro.NIGHT FEVER: DESIGN UND CLUBKULTUR 1960 - HEUTEEine Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmete sich bis Anfang September 2018 der Geschichte der Clubkultur von den 60er Jahren bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt lag dabei auf den gestalterischen Aspekten der Clubs, von der Architektur der Gebäude über die Innenarchitektur bis hin zu multimedialen Aspekten. Dabei wurden prägnante Beispiele aus der gesamten westlichen Welt dargestellt und analysiert:„Dazu unterstreicht eine ausgewählte Sammlung von Plattencovern, darunter Peter Savilles Designs für Factory Records oder Grace Jones' programmatisches Albumcover »Nightclubbing«, die wichtigen Zusammenhänge von Musik und Design in der Clubkultur von 1960 bis heute. Auch dieser Teil der Ausstellung zeigt, dass Nachtclubs viel mehr sind als vier Wände und ein Dach: Sie schaffen Räume für intensive und multimediale Erfahrungen, die bis heute in keiner anderen Umgebung erlebt werden können." (Ausstellungstext)Zu dieser Ausstellung ist bereits im Frühjahr 2018 auch ein großformatiger Begleitband erschienen, „reich illustriert mit Abbildungen von Clubinterieurs, Plakaten, Flyern, Protagonisten des Nachtlebens und deren Mode", 400 Seiten, 59,90 Euro.FRANZ JOSEF WETZ: EXZESSE - WER TANZT, TÖTET NICHT„Franz Josef Wetz geht von der Beobachtung aus, dass Menschen auch in modernen Gesellschaften exzessives Verhalten an den Tag legen. Obwohl solche Verhaltensweisen sozial geächtet sind, ihnen mit pädagogischen Maßnahmen und Strafandrohung begegnet wird, lassen sich die „dionysischen Energien" nur bedingt eindämmen. So stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, den Menschen einen sozialverträglichen Weg zurück „in den Urwald ihrer sonst gebändigten Begierden " zu ermöglichen und dies zu kultivieren (Fest, Sex, Musik, Sport usw.)." (Verlagstext) Oktober 2016 als Taschenbuch im Alibri-Verlag erschienen, 261 Seiten, 18,00 Euro.WESTBAM: DIE MACHT DER NACHT„Der Techno-Pionier Westbam veröffentlicht zu seinem 50. Geburtstag seine Lebenserinnerungen. Das Buch „Die Macht der Nacht" ist nicht auf Berlin fixiert, sondern erzählt, wie ein besonderer Sound in einer besonderen historischen Situation eine ganze Generation geprägt hat." (Berliner Zeitung) „Die Macht der Nacht" ist Anfang März 2015 erschienen, hat 320 Seiten und kostet 18,00 Euro. Unabhängig wie man zur Person und zum musikalischen Schaffen des Autors steht, liefert das Buch auf jeden Fall viele interessante Einblicke zur Entstehung und Entwicklung der deutschen Techno-Szene. Der Link führt zunächst in den KitKat-Pressespiegel, der zwei ausführliche Buchbesprechungen und ein Interview mit DJ Westbam anbietet.NACHTLEBEN BERLIN"Die Zeit scheint gerade gut für Bücher mit Erinnerungen an die Partykultur. Mit "Nachtleben Berlin" wird noch einmal opulent nachgelegt." Der taz-Artikel 'Das Feiern auf Papier' von Oktober 2013 lieferte anlässlich des Erscheinens von "Nachtleben Berlin" einen kleinen Überblick über verschiedene in der damaligen Zeit erschienene Bücher zur Berliner Partykultur wie z.B. "Der Klang der Familie" oder "Die ersten Tage von Berlin", die beide in unterschiedlicher Weise die Entstehung der Berliner Technoszene nach der Wende nachzeichnen, und ordnete dies in einen größeren Kontext zur Erforschung der Clubgeschichte bzw. der Historisierung der modernen Tanzmusik ein. Das Buch "Nachtleben Berlin" dokumentiert dabei die Entwicklung des Berliner Nachtlebens von 1974 bis in die Gegenwart (von 2013), von Subkultur bis Mainstream, sowohl von West- als auch von Ost-Berlin, inklusive zahlreicher unveröffentlichter Fotos. Oktober 2013 im Metrolit-Verlag erschienen, 312 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, über 100 Euro.Zu viel Dokumentation schade aber der Party, schreibt der taz-Autor gegen Ende seiner Sammelbesprechung, und warnt: "Westentaschen-Pop-Archivare, die ihre Tage damit verbringen, rare Ron-Hardy-Remixe aus dem Internet herunterzuladen, historische Gigs von Daniele Baldelli bei YouTube nachzuholen oder Bücher wie die erwähnten zu lesen, tanzen nicht."
Im August 2019 wurde das 50jährige Jubiläum des Woodstock-Festivals gefeiert, das durch den Mammutfilm und ein Dreifachalbum den Mythos der Jugend- und Undergroundkultur der 60er Jahre für die Nachwelt konservierte und medial multiplizierte. Der „summer of love" als erster euphorischer Höhepunkt der Hippiebewegung war zum Zeitpunkt des Festivals schon fast zwei Jahre tot, offiziell zu Grabe getragen im Oktober 1967, wobei der zur Hymne gewordene Song von Scott McKenzie 'San Francisco' aus dem gleichen Jahr die Stimmung und den Spirit der Flower Power-Bewegung idealtypisch formulierte:„If you're going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair. If you come to San Francisco, Summertime will be a love-in there."Im Herbst 2019 lief im Berliner PalaisPopulaire die Ausstellung 'summer of love - art, fashion and rockn'roll' über diese prägende Phase der Hippiebewegung im San Francisco des Sommers 1967, als hunderttausende junger Menschen in die Stadt an der Westküste der USA pilgerten, um vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und einer verkrusteten, konservativen Gesellschaft ein alternatives und friedlicheres Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen. Zu sehen waren dort über 150 Objekte und Dokumente aus jener Zeit wie z.B. Plattencover, rare Fotographien, zeitgenössische Konzertplakate, psychedelic Art oder typische Kleidungsstücke der Hippie-Mode, wobei die Ausstellung auch versuchte, Kontinuitäten und Verbindungen zur Gegenwart aufzuzeigen:„Eigens für diesen Anlass wurde die Light Show von Bill Ham rekonstruiert, mit denen Konzerte von Bands wie Jefferson Airplane oder Grateful Dead zu multimedialen, multisensorischen Events wurden - an die später auch Rave und Techno anknüpften. Die Ideale des „Summer of Love" sind wieder aktuell. Sie vermitteln einen utopischen Aufbruchsgeist – gerade für eine junge Generation, die über ihre Zukunft selbst bestimmen will und sich mit Protestaktionen und Streiks für Gewaltlosigkeit, soziale Gerechtigkeit, ökologisches Bewusstsein und ein neues Gemeinschaftsgefühl einsetzt." (Ausstellungstext)Das unaufhörliche „Reframing" prägender vergangener Ereignisse, kultureller Muster oder sozialer und geistiger Bewegungen durch spätere oder aktuelle Generationen - also die kontinuierliche inhaltliche oder formale Bezugnahme auf die Vergangenheit als ständige Bearbeitung, Interpretation, Ergänzung, Umdeutung, Kritik, Abgrenzung oder Wiederbelebung einstiger Ideale und Utopien oder ihrer kreativen Ausdrucksformen - hält den kulturellen Schaffensprozeß und den sozialen Wandel in Gang. Dabei tendiert jede Gegenwart dazu, wenngleich auch meist vorschnell, einseitig und projektiv, die Deutungshoheit über die Vergangenheit zu erlangen, wie beispielsweise gerade die Geschichte der Religionen jede Menge Anschauungsmaterial für diesen kollektiven Umdeutungsprozeß liefert, wenn ältere religiöse Bräuche, Glaubensvorstellungen, Kultstätten, Tempel, heilige Schriften, Feiertage oder Rituale umgewidmet und in die neue dominierende Heilslehre eingegliedert werden.Ein prägnantes Beispiel für dieses kontinuierliche Reframing lieferte auch die mysteriöse „fliegende Kuh" im KitKat-Gästebuch, als sie im August 2019 zum Woodstock-Jubiläum den Festivalauftritt von Jefferson Airplane zu „Somebody to Love" verlinkte und gleichzeitig einen Technoremix des Song darunter setzte, wie er auch heute in den entsprechenden Clubs gespielt werden könnte (wenn auch nicht in der Version, die regelmäßig z.B. im KitKat zu hören ist). Eine schnelle YouTube-Recherche zeigt, daß ganz unterschiedliche moderne Fassungen des Klassikers existieren, wobei die variierende Umdeutung oder Überschreibung alter Inhalte, Rhythmen und Melodien einerseits dazu dient, das überzeitliche, unveränderliche und allgemeine, das gleiche im verschiedenen, zu bewahren und weiterzutragen und doch die formalen, also hier: die musikalischen, Ausdrucksformen dem Geschmack der Zeit, dem aktuellen Lebensgefühl und veränderten Lebensumständen oder neuen Herausforderungen anzupassen. Die tiefere inhaltliche Botschaft z.B. über die Kraft der Liebe angesichts zunehmender Verzweiflung bleibt aber tatsächlich zeitlos:„Wenn sich die Wahrheit als Lüge herausstellt und alle Freude in dir erstirbt: Willst du dann nicht jemanden, den du lieben kannst? Brauchst du dann nicht jemanden, den du lieben kannst? Wouldn't you love somebody to love? You better find somebody to love!"Was es vor diesem ganzen Hintergrund dann bedeutet, daß eine Ausstellung über die einstige Underground- und Gegenkultur ausgerechnet in einem Kulturzentrum stattfand, das von der Deutschen Bank gegründet und gesponsert wurde, darf jeder für sich selbst beantworten. Ist es der späte und nachträgliche Versuch, die subversiven und auch kapitalismuskritischen Ideale der Love & Peace-Generation endgültig zu vereinnahmen bzw. zu entschärfen oder treten sie verspätet doch noch ihren Siegeszug selbst in einem der Zentren der globalen Finanzindustrie an? Um die Deutsche Bank soll es allerdings wirtschaftlich nicht besonders gut stehen, wie man hört, aber das wäre wieder ein anderes Thema.Die Ausstellung wurde ursprünglich vom Fine Arts Museum in San Francisco konzipiert, wo sie bereits 2017 zum 50jährigen Jubiläum des summer of love zu sehen war. Zu diesem Anlaß ist ein umfangreicher Katalog in englischer Sprache erschienen, der auch in der Berliner Ausstellung auslag und zum Blättern, Stöbern und Schmökern einlud. Man findet darin einen Großteil der oben erwähnten Ausstellungsexponate, Illustrationen und alle weiteren „Erinnerungsanker" einer untergegangenen Zeit abgebildet, deren Impulse weit in spätere Jugend- und Subkulturen ausstrahlten. Der Band ist außerdem angereichert mit Essays und erklärenden Hintergrundtexten, so daß man insgesamt eine so inspirierende wie kompakte Übersicht über die damaligen Geschehnisse in den Händen hält, als kleiner Ersatz für all jene, die die Ausstellung verpasst haben, wie auch ein Leser in einem Kommentar auf Amazon andeutet:„It was unfortunate that I couldn't make it there in 2017 and consequently I missed this exhibition. This volume makes me realise what a great exhibition it must have been. It has to be one of the best all round books on the Summer of Love. I don't think that there is anything new in it for "students" of the period but it does bring together a huge amount of information in one volume. It has given me many hours of browsing and I am sure will continue to do so."University of California Press, Illustrated Edition, Juni 2017 erschienen, in englischer Sprache, 344 Seiten, 32,51 Euro.
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